Rund ein Viertel der in der Schweiz lebenden Personen hat eine systematisch fremdenfeindliche Einstellung. Zu diesem Befund kommt ein Bericht zu rassistischen und diskriminierenden Einstellungen in der Schweiz, den das Innendepartement (EDI) in Auftrag gegeben hat.

Der Bericht stützt sich auf drei Umfragen zwischen den Jahren 2010 und 2014 unter jeweils 1000 Schweizern und 700 Ausländern. Erhoben wurden dabei rassistische Einstellungen. Diese müssten nicht zu rassistischem Verhalten führen, stellte der Leiter der Fachstelle für Rassismusbekämpfung, Michele Galizia, am Donnerstag vor den Medien klar.

Zunehmende Fremdenfeindlichkeit am Arbeitsplatz

Eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit zeigt sich offenbar am Arbeitsplatz: Bei der letzten Befragung im Mai 2014 gaben 27 Prozent an, es spiele für sie eine Rolle, welcher Nationalität die Arbeitskolleginnen und -kollegen angehörten. Vier Jahre davor waren es erst 18 Prozent.

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Eine grosse Rolle spielt dabei das Herkunftsland: «Arbeitskollegen aus den Nachbarländern sind mehrheitlich akzeptiert», sagte Claude Longchamp vom Forschungsinstitut gfs.bern, das die Studie durchführte. So könnten sich 85 Prozent der Befragten vorstellen, mit einer Italienerin zusammenzuarbeiten. Mit Albanern hingegen wollte nur ein Viertel der Befragten bei der Arbeit zu tun haben.

Muslimfeindlichkei hat abgenommen

Der Anteil der Personen mit antisemitischen Einstellungen blieb im Untersuchungszeitraum relativ stabil und lag 2014 bei 11 Prozent. Jede zehnte Befragte gab demnach an, Juden seien «geldgierig» und «machthungrig».

Dafür nahmen die muslimfeindlichen Einstellungen zwischen 2010 und 2014 markant ab. Im Nachgang zur Minarett-Initiative sei die Stimmung stark aufgeheizt gewesen, sagte Longchamp. Gab damals noch fast die Hälfte der Befragten an, Muslime «unterdrückten Frauen», seien «fanatisch» und «aggressiv», waren es im vergangenen Jahr nur noch 19 Prozent.

(sda/ise)