Der Raumfahrtnation Russland fehlt der weibliche Nachwuchs - obwohl die erste Frau im Weltraum 1963 eine Russin war. Nun fliegt erstmals seit 1997 wieder eine Kosmonautin ins All.

Jelena Serowa soll am 25. September vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan abheben. Sie ist die vierte Kosmonautin im All und die erste Russin auf der Internationalen Raumstation ISS. «Ich freue mich auf den Flug, aber ich spüre auch grosse Verantwortung», sagt die 38-Jährige. Mit rund 168 Tagen wird es eine der längsten Missionen einer Kosmonautin im Weltraum.

Einzige Frau im Kosmonautenkader

Der Weg zu den Sternen war für Serowa wortwörtlich weiter als für andere russische Raumfahrer. Ihr Geburtsort Ussurijsk liegt im Fernen Osten des Landes. Rund 10'000 Kilometer sind es von dort aus nach Moskau - nicht viel weiter ist es zum Hauptquartier der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Houston (Texas).

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«In der Schule erfuhren wir natürlich von den Erfolgen der sowjetischen Raumfahrt», sagt Serowa der Regierungszeitung «Rossiskaja Gaseta». «Ich verliebte mich damals hoffnungslos in den Sternenhimmel - aber dass ich ihm einmal so nahe komme, hätte ich nie geglaubt», meint die Luftfahrtingenieurin.

2001 schloss sie ihr Studium in Moskau ab und wechselte zum Raketenbauer Energija. Dort traf sie ihren späteren Ehemann Mark, einen Testflieger. 2006 wurde Jelena in den Kosmonautenkader aufgenommen - als einzige Frau.

Fehlende Vorbilder

«Uns fehlen Kosmonautinnen», klagt Witali Dawydow von der Raumfahrtbehörde Roskosmos. Er räumt ein: «Für raumfahrtinteressierte Russinnen gibt es kaum Vorbilder.» Zwar beförderte Moskau seit Gagarins Flug 1961 mehr als 100 Männer ins All - aber nur drei Frauen.

Die USA haben seit ihrer Premiere 1983 mehr als 45 Frauen im Nasa-Raumanzug in den Orbit geschickt. Dabei war die erste Frau im Weltraum eine Russin, Valentina Tereschkowa, die am 16. Juni 1963 ins All flog. Als bisher letzte Russin flog Jelena Kondakowa in den Kosmos - das war 1997.

Lange Ausbildung

Der Moskauer Experte Sergej Woronkow meint, dass bei vielen Frauen der Kinderwunsch einer Astronauten-Karriere im Weg steht. «Die Ausbildung dauert acht Jahre, das fördert bei Frauen um die 30 sicher nicht das Interesse an diesem Beruf», sagt Woronkow. Jelena Serowa hat sich den Kinderwunsch erfüllt und hat eine zehnjährige Tochter Jelena.

Mit einem Nachtstart wird Serowa von Kasachstan aus mit dem Russen Alexander Samokutjajew und dem US-Amerikaner Barry Wilmore in einer Sojus-Kapsel zum Aussenposten der Menschheit in rund 400 Kilometer Höhe fliegen. «Ich habe so lange dafür trainiert. Jetzt wird es Zeit, dass es endlich losgeht», sagt sie.

(sda/gku)