Ein 16 Jahre alter syrischer Flüchtling ist in der Uniklinik Münster an den Folgen einer schweren Pilzvergiftung gestorben. Der Jugendliche war in der vergangenen Woche nach dem Verzehr giftiger Knollenblätterpilze eingeliefert worden.

Laut Mitteilung der Uniklinik von Montag fand sich für den 16-Jährigen kein passendes Spenderorgan. Er starb in der Nacht auf Montag an Leberversagen. «Aufgrund der Schwere der Vergiftung war eine Transplantation letztendlich die einzige Chance», erklärte Hartmut Schmidt, Direktor der Klinik für Transplantationsmedizin.

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90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen

Vier weitere Patienten, darunter die Mutter des Jungen, sind derzeit ebenfalls wegen einer Pilzvergiftung in Münster in Behandlung. Drei von ihnen können die Klinik in den nächsten Tagen geheilt wieder verlassen. Bei einem vierten Patienten ist die Lage kritisch, hier wird eine Spenderleber gesucht.

Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Er wird immer wieder mit Champignons verwechselt.

Syrer sind sehr oft betroffen

In Hannover und Münster traten in der letzten Woche über 50 Fälle von Vergiftungen durch den Knollenblätterpilz auf. Oberärztin Andrea Schneider von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erklärt die Vorfälle in der «Bild»-Zeitung: «Die meisten Patienten sind Flüchtlinge aus Syrien, dort scheint es einen essbaren Pilz zu geben, der dem Knollenblätterpilz zum Verwechseln ähnelt.»

Um die Flüchtlinge zu warnen, hängen Ärzte jetzt Plakate in Flüchtlingsheimen auf: «Wir stehen am Anfang der Pilzsaison. Wenn wir damit Leute erreichen, können wir wirklich Leben retten», sagte MHH-Sprecher Stefan Zorn.

Das Plakat warnt vor dem Verzehr des Knollenblätterpilzes und wurde in sieben Sprachen übersetzt, darunter Arabisch, Türkisch und Kurdisch. Zusätzlich zu den Hinweisen zeigt es ein Bild des Pilzes.

(sda/gku/hon)