Die Teilnehmer am Kartoffel-Kartell sollen Medienberichten zufolge durch widerrechtliche Preisabsprachen Millionengewinne gescheffelt haben. Seit der Gründung des Kartells vor etwa zehn Jahren hätten die Mitglieder Verbraucher und Bauern um mehr als 100 Millionen Euro geschädigt, berichtet die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) unter Berufung auf einen Branchen-Insider.

Laut «Bild»-Zeitung sollen die neun verdächtigen Unternehmen über zehn Jahre hinweg sogar rund eine Milliarde Euro Verdienst zu Unrecht verschafft haben.

Das Bundeskartellamt teilte am Freitagabend mit, Ermittlungen wegen des Verdachts von Preisabsprachen bei der Erzeugung und beim Vertrieb von Kartoffeln eingeleitet zu haben. Die Behörde habe deshalb am Dienstag neun Unternehmensstandorte durchsucht. Zudem sei die Wohnung einer verdächtigen Person überprüft worden.

Bussgeldverfahren eingeleitet

Gegen weitere fünf Unternehmen seien schriftlich Bussgeldverfahren eingeleitet worden. Die Namen der mutmasslichen Kartellsünder nannten die Wettbewerbshüter wie üblich nicht. An der Durchsuchungsaktion waren den Angaben zufolge insgesamt 30 Mitarbeiter des Bundeskartellamtes beteiligt, die von Kräften der örtlichen Kriminalpolizei unterstützt wurden.

Laut «SZ» sollen 80 bis 90 Prozent der grossen und grösseren Verarbeitungsbetriebe in der Kartoffel- und Zwiebel-Branche regelmässig die Preise abgesprochen haben, zu denen die Supermarkt-Ketten beliefert wurden. Zeitweise solle sich die Gewinnmarge mitunter verzehnfacht haben, vor allem auf Kosten der Verbraucher. Diese sollen in den Supermärkten weit mehr gezahlt haben als notwendig. Auch für die Pflanzkartoffeln, die an die Bauern verkauft werden, sollen weit überhöhte Preise verlangt worden sein, berichtet die Zeitung.

(aho/reuters)

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