Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat ein Testament hinterlassen und verfügt, dass seine millionenschwere Bildersammlung ins Kunstmuseum Bern kommt.

Nie in Kontakt mit Gurlitt

Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger wollte zu Inhalten des Testamentes nichts sagen. Nun schreibt das Kunstmuseum Bern: «Das Kunstmuseum Bern wurde durch  Herrn Christoph Edel, den Rechtsanwalt des gestern, den 6. Mai 2014 verstorbenen Herrn Cornelius Gurlitt, telefonisch wie schriftlich informiert, dass Herr Cornelius Gurlitt die privatrechtliche Stiftung Kunstmuseum Bern zu seiner unbeschränkten und unbeschwerten Alleinerbin eingesetzt habe.»

Und weiter: «Es bestanden zu keiner Zeit irgendwelche Beziehungen zwischen Herrn Gurlitt und dem Kunstmuseum Bern. Dessen Stiftungsrat und Direktion sind einerseits dankbar und freudig überrascht, wollen andererseits aber auch nicht verhehlen, dass das grossartige Vermächtnis ihnen eine erhebliche Verantwortung und eine Fülle schwierigster Fragen aufbürdet, Fragen insbesondere rechtlicher und ethischer Natur. Zu einer konkreten, sachbezogenen Stellungnahme sehen sie sich vor Einsicht in die relevanten Akten und vor einem ersten Kontakt mit den zuständigen Behörden nicht in der Lage.»

Sammlung umfasst Bilder von Picasso, Chagall, Matisse

Cornelius Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, war am Dienstagvormittag im Alter von 81 Jahren in seiner Münchner Wohnung gestorben – ohne seine geliebten Bilder vorher noch einmal zu sehen. Er war seit Monaten schwer krank.

Gurlitts millionenschwere Sammlung aus seiner Münchner Wohnung und seinem Salzburger Haus umfasst Bilder von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte die Münchner Sammlung Anfang 2012 beschlagnahmt. Auf die Salzburger Sammlung hatten die Behörden nie Zugriff.

Gurlitts Leichnam wird obduziert

Die Staatsanwaltschaft München will den Leichnam des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt obduzieren lassen. «Es gibt einen Beschluss des Amtsgerichtes für eine Obduktion», sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch und bestätigte damit einen Bericht der «Bild»-Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft habe eine Obduktion beantragt, weil eine eindeutige Todesursache nicht habe festgestellt werden können: «Wir wollen damit klären, wie die Todesursache tatsächlich ist und ob es Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden gab.»

Bislang gebe es solche Anzeichen allerdings nicht. «Nach den uns vorliegenden Informationen war zum Todeszeitpunkt kein Arzt dabei», sagte Steinkraus-Koch. Gurlitts Anwälte hatten dagegen mitgeteilt, Gurlitt sei nach langer Krankheit im Beisein seines Arztes und eines Pflegers in seiner Münchner Wohnung gestorben.

Sollte die Obduktion kein eindeutiges Ergebnis bringen, will die Staatsanwaltschaft toxikologische Tests durchführen. Das Ergebnis könne allerdings einige Wochen auf sich warten lassen.

(sda/me/chb)

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