Kurz vor Abbruch des Sondersettings ist gegen den unter dem Pseudonym «Carlos» bekannt gewordenen jungen Straftäter ein neues Verfahren eingeleitet worden. Aufgrund einer Anzeige wegen der verwüsteten Zellen im Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) eröffnete die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung.

«Carlos» war bis im letzten Februar in der geschlossenen Anstalt in der Nähe von Zürich untergebracht, bevor er auf Geheiss des Bundesgerichts daraus entlassen werden musste. Von diesem Aufenthalt gelangten kurze Zeit später Bilder von verwüsteten Zellen und Gängen an die Öffentlichkeit.

In diesem Zusammenhang sei nun ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung gegen «Carlos» eröffnet worden, bestätigte Corinne Bouvard, Sprecherin der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, gegenüber der Nachrichtenagentur sda eine Meldung der «NZZ am Sonntag». Die Anzeige bei der Polizei sei bereits im März eingegangen.

Da der junge Straftäter in diesem Fall zur Tatzeit volljährig war, wird dieses Delikt nicht mehr nach dem Jugend- sondern nach dem Erwachsenenstrafrecht beurteilt.

«Keine therapeutischen Wirkungen mehr»

Im Zusammenhang mit diesen Bildern ist ein weiteres Strafverfahren noch hängig. Denn wie die Fotos aus dem MZU bei den Medien landeten, ist bis heute unklar. Weil sie aber ohne Wissen des MZU geschossen wurden und nicht hätten herausgegeben werden dürfen, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Amtsgeheimnisverletzung.

Anzeige

Nach der Entlassung aus dem Massnahmenzentrum im Februar dieses Jahres war für «Carlos» ein neues Sondersetting eingerichtet worden. Dieses wurde am vergangenen Donnerstag nach nur vier Monaten aber wieder abgebrochen.

Das Setting entfalte «keine erzieherischen oder therapeutischen Wirkungen mehr». Zu diesem Schluss seien die Jugendanwaltschaft und die mit dem Sondersetting betraute Sozialfirma Riesen-Oggenfuss aufgrund des bisherigen Verlaufs der Schutzmassnahmen gelangt, wurde der Abbruch begründet.

(sda/me/sim)