Nach dem verheerenden Bombenanschlag auf einen Busbahnhof in der Hauptstadt Abuja am Montag griffen bewaffnete Männer in der Nacht zum Dienstag im nördlichen Bundesstaat Borno eine Schule an. Polizeiangaben zufolge verschleppten sie mindestens 100 Mädchen auf einem Lastwagen.

Vielen weiteren gelang es offenbar, noch rechtzeitig abzuspringen und zu fliehen. Die Täter hätten zudem das ganze Dorf dem Erdboden gleichgemacht, sagten Zeugen. Dabei soll es auch Tote gegeben haben. Die Schülerinnen lebten auf dem Gelände der Schule.

Doppelanschlag auf Busbahnhof

Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Jedoch gilt es als wahrscheinlich, dass für die Tat die islamische Sekte Boko Haram verantwortlich ist. Sie hatte in den vergangenen Monaten besonders in der Region Borno zahlreiche Anschläge verübt.

In der Hauptstadt Abuja hatte es erst am Montag einen Doppelanschlag auf einen Busbahnhof gegeben. Zwar bekannte sich bisher niemand zu dem Anschlag, doch auch hier fiel der Verdacht auf Boko Haram.

Die genaue Zahl der Opfer blieb weiter unklar. Während die Behörden am Dienstag noch immer von 71 Toten sprachen, ergaben Umfragen in umliegenden Krankenhäusern, dass bei dem Attentat am Vortag vermutlich mehr als 200 Menschen starben. Die Zeitung «Punch» sprach von mindestens 257 Verletzten.

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Aufruf zu Blutspenden

Die Regierung rief zu Blutspenden auf, um Leben zu retten. Das Attentat gilt als die tödlichste Attacke, die die westafrikanische Metropole je erlebt hat.

Überlebende erzählten lokalen Medien ihre Version des Tathergangs. Den meisten Berichten zufolge soll es sich um vier Täter gehandelt haben, die in einem Kleinwagen auf den Platz fuhren.

Beim Versuch, das Auto noch rechtzeitig vor der Detonation zu verlassen, seien sie selbst in Stücke gerissen worden. Offenbar hat keiner der Attentäter überlebt – eine Bestätigung für diese Angaben war jedoch nicht erhältlich.
Teile Nordostnigerias unter Kontrolle

Parlamentssprecher Aminu Tambuwal bezeichnete den Anschlag als «feige und barbarisch». Präsident Goodluck Jonathan versprach, Boko Haram zu besiegen.

Sicherheitskräfte gehen brachial vor

Die Gruppe konnte aber bislang nicht zurückgedrängt werden, obwohl Jonathan in drei nordöstlichen Bundesstaaten den Ausnahmezustand ausgerufen und eine militärische Offensive gestartet hat. Weite Teile des Nordostens stehen unter Kontrolle der Gruppe, deren Name übersetzt bedeutet: «Westliche Erziehung ist verboten».

Die Sicherheitskräfte gehen teilweise brachial gegen Boko Haram vor. 2009 schlugen sie einen Aufstand der Gruppe nieder, bei dem rund 800 Menschen getötet wurden; Gründer Mohammed Jusuf starb in Polizeigewahrsam.

Damit erst wurde der bewaffnete Kampf von Boko Haram ausgelöst, die einen islamischen Staat nach den Grundsätzen der Scharia errichten will. Seither verübte die Gruppe regelmässig blutige Angriffe auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Schulen und Kirchen.

(sda/me/vst)