Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hat lange fast unbemerkt von der Öffentlichkeit gearbeitet. Mit dem Syrien-Konflikt rückte sie ins Rampenlicht. Nun bekommt sie am Dienstag für ihren beharrlichen Einsatz für die Ächtung der gefährlichen Massenvernichtungswaffen in Oslo den Friedensnobelpreis.

Die OPCW kontrolliert weltweit die Produktion, Lagerung und Zerstörung von Chemiewaffen. Sie wurde am 29. April 1997 gegründet, um die Umsetzung der internationalen Chemiewaffenkonvention zu überwachen, die im selben Jahr in Kraft getreten war.

Dem Abkommen zufolge müssen die Mitgliedstaaten ihre gesamten Giftgasbestände offenlegen und unter internationaler Aufsicht vernichten lassen. Die Organisation mit Sitz in Den Haag ist unabhängig von der UNO, arbeitet aber eng mit ihr zusammen.

Seit Inkrafttreten der Chemiewaffenkonvention wurden laut OPCW rund 81 Prozent aller gemeldeten Bestände an chemischen Kampfstoffen weltweit zerstört. Auch die USA und Russland haben noch nicht alle Waffen vernichtet. Die USA wollen dies bis 2023 erledigen, Russland bis Ende 2015.

«OPC... wer?»

Trotz der wichtigen Rolle, einen Teil der Hinterlassenschaft des Kalten Krieges zu beseitigen, war die OPCW bis vor kurzem praktisch nur Experten bekannt. «Da kam immer die Frage OPC... wer?», sagt Malik Ellahi, Sonderberater von OPCW-Chef Ahmet Üzümcü. Mit der Verleihung des Nobelpreises kenne nun aber praktisch jeder die OPCW.

Tatsächlich galt die Arbeit der Organisation schon vor dem Syrien-Einsatz als Erfolg: «Die OPCW steht kurz davor, weltweit eine gesamte Klasse von Massenvernichtungswaffen zu zerstören und ist damit einzigartig unter Friedens- und Abrüstungsorganisationen», sagt Craig Williams, Leiter des Chemiewaffenprojekts der Kentucky Environmental Foundation aus den USA.

Am Sitz der Organisation in Den Haag herrscht bereits das Gefühl, dass die Arbeit bald getan sein könnte. «Der Geist ist fast zurück in der Flasche, nur der Schwanz schaut noch heraus», sagt OPCW-Sonderberater Ellahi. Jetzt sei eine «letzte Anstrengung» nötig, um das Problem endgültig in den Griff zu bekommen.

Bisher sind der Konvention schon 190 Staaten beigetreten. Lediglich Angola, Ägypten, Nordkorea und der Südsudan gehören ihr nicht an. Israel und Burma haben das Vertragswerk zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert.

1290 Tonnen Giftgas aus Syrien wegschaffen

Syrien ist das jüngste Mitglied. Um einen drohenden US-Militäreinsatz nach einem Giftgaseinsatz bei Damaskus abzuwenden, beantragte die syrische Führung im September als 190. Staat den Beitritt.

Kurz darauf begannen OPCW-Experten, die in Syrien lagernden C-Waffen zu erfassen und zu versiegeln - kein ungefährliches Unterfangen in einem Bürgerkriegsland, in dem sich die Fronten zwischen Regierung und Rebellen täglich verschieben.

Nach einer von den USA und Russland erzielten Vereinbarung sollen die Waffen ausser Landes gebracht und bis spätestens Mitte 2014 zerstört werden - insgesamt rund 1290 Tonnen Kampfstoffe, darunter Sarin, Senfgas und das Nervengas VX. Um sie aus dem Land zu schaffen, müssen rund 150 Container quer durch das Kriegsgebiet zum Hafen Latakia gebracht werden.

Anfang kommenden Jahres soll die Vernichtung der Giftgasbestände beginnen. «Hunderte Tonnen» der gefährlichsten Stoffe sollen direkt auf einem von der US-Marine bereitgestellten Spezialschiff zerstört werden.

Der Friedensnobelpreis ist mit 8 Millionen Kronen (gut 1 Million Franken) dotiert. Anders als die übrigen Nobelpreise wird er am 10. Dezember - Alfred Nobels Todestag - nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo verliehen. OPCW-Generaldirektor Ahmet Üzümcü nimmt den Preis dort in einer feierlichen Zeremonie im Rathaus entgegen.

(sda/jev)

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