Der Orkan «Xaver» hat das Leben von Millionen Menschen im Norden Europas lahmgelegt. Mit gefährlichen Böen, Sturmfluten und Schnee im Gefolge brach er auch über Deutschland herein. Drei Menschen kamen in Grossbritannien und Dänemark ums Leben.

Die Behörden in Hamburg warnen vor einer schweren Sturmflut, die die Stadt am Freitag um 6:27 Uhr treffen soll. Die Bewohner wurden aufgefordert, «tiefliegende Gebiete im Hafen und entlang der Elbe» zu verlassen. «Das Hochwasser soll mit zirka 5,60 Meter über Normal Null am Pegel St. Pauli eintreten», heisst es in der amtlichen Gefahrenmeldung.

In Schottland, wo das Unwetter bereits am Mittag wütete, wurde ein Lastwagenfahrer getötet, als sein Wagen umkippte. Ein weiterer Mann starb in einem Park in der Grafschaft Nottinghamshire in der Mitte Englands, nachdem ein Baum auf ihn gefallen war. 

In Schottland waren am Nachmittag etwa 100'000 Häuser ohne Strom. Sturm und Regen zogen weiter Richtung Südengland. Tausenden Menschen in Küstenregionen in Norfolk, Suffolk and Essex rieten die Behörden, ihre Häuser wegen möglicher Sturmfluten zu verlassen.

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Auto von der Strasse geblasen

In Dänemark starb eine 72 Jahre alte Frau. Sie sei Beifahrerin in einem Van gewesen, den der heftige Wind von einer Strasse bei Holstebro in Jütland geblasen habe, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau. Darauf sei der Wagen mit der Seniorin und ihrem Sohn umgestürzt. Noch im Rettungswagen auf dem Weg ins Spital sei sie gestorben.

«Xaver» gilt als einer der schwersten Stürme seit Jahrzehnten. In Deutschland musste nördlich einer Linie von Münster, Hannover und Berlin sowie in den Mittelgebirgen mit orkanartigem Sturm gerechnet werden. Eineinhalb Tage sollte «Xaver» toben – länger als «Christian», der vor etwa sechs Wochen Bäume umstürzte, Dächer abdeckte oder Strände wegspülte.

Sturmböen in Deutschland

Das Orkantief erreichte am Donnerstagmittag die deutsche Nordseeküste und wütete zunächst mit Böen von um die 140 Kilometern pro Stunde. An der schleswig-holsteinischen Westküste wurde am Nachmittag eine erste Sturmflut erwartet. In der Nacht zum Freitag sollte es dort eine sehr schwere Sturmflut geben.

Mit einem stürmischen Wintereinbruch wurde auch in Berglagen ab 1000 Metern Höhe gerechnet – bis nach Bayern, etwa in den fränkischen Mittelgebirgen.

In Hamburg rechnete das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit einer Serie von Sturmfluten. «Land unter» meldeten die nordfriesischen Halligen schon am frühen Nachmittag.

Flug- und Zugverkehr in die Schweiz beeinträchtigt

Am Hamburger Flughafen fielen Dutzende Verbindungen aus, vor allem inländische, bevor der Betrieb am späten Nachmittag geschlossen wurde. Auch Verbindungen mit der Schweiz waren betroffen. Der Flughafen Zürich meldete gegen 18 Uhr 23 annullierte Flüge nach Hamburg, Hannover, Kopenhagen, Amsterdam und Helsinki. Am EuroAirport in Basel fielen vier Flugverbindungen nach Hamburg aus. Ausserdem kam es zu Verspätungen.

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Auch Fernverkehrszüge fielen aus - ab Zürich betraf dies die Nachtzüge auf Freitag nach Hamburg und Amsterdam, ab Basel die Nachtzüge nach Kopenhagen und Warschau/Moskau.

Verbindung Dänemark-Schweden unterbrochen

In Dänemark waren am Donnerstagnachmittag alle grösseren Brücken gesperrt, darunter die Öresund-Brücke, die das Land mit Schweden verbindet. An der Westküste Jütlands flogen Dachziegel von den Häusern. Die Polizei riet davon ab, auf die Strasse zu gehen. Der Zugverkehr sollte im Laufe des Tages im ganzen Land eingestellt werden.

Auch in Südschweden wurden etwa 20 Bahnstrecken gesperrt, Fähren fuhren nicht mehr, in Oslo fielen Flüge aus. «Xaver» heisst in Schweden «Sven», die Dänen haben den Sturm «Bodil» getauft.

Die belgische Küstengemeinde Bredene brachte wegen der Warnung vor dem schweren Sturm knapp 2100 Einwohner vorsorglich in Sicherheit. Die Region Flandern verstärkte angesichts des erwarteten heftigen Windes an der Küste die Sicherheitsmassnahmen.

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(sda/vst)