Starke Strömung und trübes Wasser haben die Suche nach den 287 Vermissten des Fährunglücks vor Südkorea erschwert. Experten hatten wenig Hoffnung, einen Tag nach dem Untergang des Schiffes noch Überlebende zu finden.

Die Küstenwache befürchtete am Donnerstag, dass im Rumpf der «Sewol» ein Grossteil der mehr als 470 Reisenden eingeschlossen wurde. Viele Passagiere waren Schüler auf einem Ausflug. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben des Krisenstabs der Regierung auf 14. Fast 180 Menschen seien gerettet worden.

Mehr als 500 Taucher an der Suche beteiligt

Neben mehr als 500 Tauchern waren auch fast 170 Schiffe und 30 Flugzeuge an der Suche beteiligt. Die Taucher versuchten am Donnerstag zehnmal vergeblich, in den Rumpf des Schiffes vorzudringen. Die Tauchmanöver wurden am frühen Nachmittag wegen schlechten Wetters abgebrochen und erst am Abend (Ortszeit) wieder aufgenommen.

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Die Chancen schwinden: Bei einer Wassertemperatur von zwölf Grad könnten Menschen im Wasser höchsten zwei bis drei Stunden aushalten, bevor die Unterkühlung einsetze, sagte ein Experte dem staatlichen Sender Arirang. Und um in dem Wrack überleben zu können, müsse man eine Luftblase finden, allerdings sinke der Sauerstoffgehalt.

Die Behörden befragten den Kapitän, um die Ursache der Katastrophe vom Mittwoch zu klären. Ermittler schlossen laut dem Rundfunksender KBS ein abruptes Wendemanöver als Grund für das Unglück nicht aus.

Möglich ist auch, dass die Auto- und Personenfähre auf einen Felsen aufgelaufen sein könnte. Überlebende hatten von einem grossen Knall vor dem Sinken des Schiffes gesprochen. Der Kapitän Lee Joon Seok sagte der Zeitung «Dong AIlbo» jedoch, die Fähre sei «plötzlich gesunken», einen Felsen habe er nicht gerammt.

Kapitän verliess das Schiff als einer der ersten

Der Kapitän bedauerte das Unglück: «Mir tut es um die Passagiere und die Familien der Vermissten leid.» Nach unbestätigten Berichten soll der Kapitän einer der ersten gewesen sein, der das sinkende Schiff verliess. Ihm drohe eine Ermittlung wegen Fahrlässigkeit, hiess es. Ein Sprecher der Küstenwache wollte das aber nicht bestätigen.

Obwohl das Schiff in Schieflage geriet, habe die Brücke zunächst nicht die Evakuierung angeordnet, berichteten südkoreanische Medien am Donnerstag. Überlebende kritisierten, dass sich mehr Passagiere hätten retten können, wenn diese nicht angewiesen worden wären, sich nicht von der Stelle zu bewegen.

Hinterfragt wird zudem, warum die meisten Rettungsboote nicht zu Wasser gelassen wurden. Kritik gibt es auch an den Behörden, die zuerst keine Zahlen liefern konnten und später die Angaben über Vermisste und Gerettete korrigieren mussten.

Staatspräsidentin trifft wütende Eltern

Südkoreas Staatspräsidentin Park Geun Hye machte sich an der Unglücksstelle ein Bild von der Suche nach den Vermissten. Angesichts des kalten Wassers sei «jede Minute kritisch, falls es Überlebende gibt», sagte Park am Donnerstag laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap.

Aufgebrachte Angehörige konfrontierten die Staatspräsidentin in einer Turnhalle auf Chindo mit ihrer Wut. «Was tun sie, wenn Menschen sterben? Die Zeit läuft davon!», schrie eine Frau.

Park versuchte zu beschwichtigen und sagte: «Geben Sie die Hoffnung nicht auf, und warten Sie bitte auf die Nachrichten der Rettungsaktion!» Doch einige Eltern entgegneten lautstark, sie würden nicht unterrichtet und bekämen Informationen nur häppchenweise.

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325 Teenager einer Oberschule aus einer Vorstadt von Seoul waren zusammen mit Lehrern auf dem Weg von der westlichen Küstenstadt Inchon zur südlichen Ferieninsel Cheju, als das Schiff am Mittwochmorgen in Seenot geriet und einen Notruf absetzte. Etwa zwei Stunden später sank die mehrstöckige, 146 Meter lange Fähre fast komplett.

(sda/me)