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Strassenschreck
Schweiz verlangt Strafe für deutschen Gotthard-Raser

Tempoexzess: Deutscher Gotthardraser fühlt sich in der Heimat vor Strafe sicher. Keystone

Für einen im Tessin verurteilten Autobahnraser aus Deutschland wird von den Schweizer Behörden ein Gesuch um stellvertretende Strafvollstreckung gestellt. Hier müsste er zwölf Monate sitzen.

Veröffentlicht am 03.05.2017

Die Schweizer Behörden stellen ein Gesuch um stellvertretende Strafvollstreckung für einen im Tessin verurteilten Autobahnraser aus Deutschland. Dafür wird das Gerichtsurteil derzeit ins Deutsche übersetzt. Ob der Raser dann hinter Gitter wandert, muss allerdings die deutsche Justiz entscheiden.

Das Bundesamt für Justiz (BJ) werde das Ersuchen um stellvertretende Strafvollstreckung an die deutschen Behörden stellen, teilte BJ-Sprecher Folco Galli mit. Man stütze sich dabei auf das Rechtshilfegesetz.

200 Km/h auf dem Tacho

Zunächst müsse aber die zuständige Tessiner Justizdivision das rechtskräftige Gerichtsurteil sowie weitere Dokumente vom Italienischen ins Deutsche übersetzen.

Der 43-jährige Autobahnraser war im Februar von einem Gericht in Lugano zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt worden - 12 Monate davon waren unbedingt zu verbüssen. Im Sommer 2014 war der Mann mit bis zu Tempo 200 über die Autobahn A2 gerast und hatte dabei im Gotthard-Strassentunnel zehn Mal überholt.

Auslieferung unwahrscheinlich

Da der Fahrer seinem Gerichtsprozess Anfang des Jahres fern blieb, kam die Frage auf, ob und in welcher Form dieser überhaupt zur Rechenschaft gezogen werden könne. Eine Auslieferung erschien von Anfang an als sehr unwahrscheinlich, da Deutschland sich wie die Schweiz und zahlreiche andere Staaten das Recht vorbehält, die Auslieferung eigener Staatsangehöriger abzulehnen.

Ob die in der Schweiz verhängte Freiheitsstrafe nun auch in Deutschland vollstreckt werden kann, hängt laut dem BJ insbesondere davon ab, ob «der Sachverhalt auch nach deutschem Recht strafbar ist».

Deutschland: Autorennen als Ordnungswidrigkeit

Am Berliner Landgericht wurden im Februar zwei Männer wegen eines illegalen Autorennens, bei dem eine Person starb, zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Das Urteil lautete auf Mord.

Laut der Wochenzeitung «Die Zeit» ist derzeit ein Gesetzesentwurf auf Bundesebene in Arbeit, der illegale Autorennen unter Strafe stellen soll. Bislang seien illegale Autorennen als Ordnungswidrigkeit mit 400 Euro Bussgeld und einem Monat Fahrverbot geahndet worden.

Mit dem neuen Gesetz wäre die Teilnahme an einem solchen Rennen keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat. Sie könnte mit bis zu zwei Jahren Gefängnis geahndet werden, auch dann, wenn niemand zu Schaden kommt. Gemäss der Zeit unterstützt auch die deutsche Bundesregierung das Vorhaben.

(sda/chb)

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