Der Konsum von Suchtmitteln bei Jugendlichen hat einen Tiefststand erreicht. Dies zeigt eine Schülerstudie von Sucht Schweiz. Deren Direktorin, Irene Abderhalden, warnt aber, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Sie forderte weiter ein Verkaufsverbot auch für Tabak bis 18 Jahre.

Ein Abgabeverbot sei ein wichtiges Signal namentlich für die Eltern, sagte sie in Bern vor den Medien. Jugendliche wiederum orientierten sich an den Erwachsenen.

Sucht Schweiz führt im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) alle vier Jahre die HBSC-Schülerstudie (Health Behaviour in School-aged-Children) für die Weltgesundheitsorganisation durch, an sich 44 Länder beteiligen. 2014 machten in der Schweiz 630 Klassen mit 9894 Schülerinnen und Schülern von elf bis 15 Jahren mit.

Weniger geraucht und getrunken

Gemäss der Befragung trinken und rauchen Jugendliche weniger häufig als noch 2010. Zehn Prozent der 15-jährigen Jungen und sechs Prozent der gleichaltrigen Mädchen trinken demnach mindestens einmal pro Woche Alkohol. 2010 waren es noch 27 Prozent beziehungsweise 13 Prozent.

Etwas mehr als ein Drittel der 15-Jährigen hat schon einmal eine Zigarette geraucht. Zwölf (2010: 19) Prozent der 15-jährigen Jungen rauchten mindestens einmal pro Woche, bei den gleichaltrigen Mädchen waren es neun (15) Prozent. Sieben (12) Prozent der 15-Jährigen rauchten täglich.

Es stellt sich gemäss Sucht Schweiz nun die Frage, ob die Nutzung neuer Medien den Rückgang mitbewirkt hätten. Doch die Fachleute vermuten auch eine Normänderung oder ein stärkeres Gesundheitsbewusstseins in der Gesellschaft dahinter. Rauchen und Trinken seien heute allgemein weniger präsent als früher.

Wirtschaftsinteressen vor Jugendschutz

Wolle die Gesellschaft ihre Jugend wirksam schützen, müssten alle Verantwortung übernehmen und ihre Konsumnormen ändern, sagte Abderhalden. Doch im Parlament passiert aus ihrer Sicht derzeit das Gegenteil. «Die Interessen der Wirtschaft erschweren oder verunmöglichen einen erfolgreichen Jugendschutz.»

Beide Eidg. Räte haben kürzlich Mindestpreise für alkoholische Getränke abgelehnt. Keine Chance hatten Werbeverbote oder ein Verbot von Happy Hours für Spirituosen. Am Widerstand des Nationalrats könnte auch das von Bundesrat und Ständerat befürwortete Nachtverkaufsverbot für Alkohol scheitern.

Zehn Franken pro Päckli

Fachleute sind sich einig, dass bei der Tabak- und Alkoholprävention der Preis eine Hauptrolle spielt. Dabei gilt für junge Leute je höher, desto besser, wie Abderhalden sagte. «Ich hätte kein Problem damit, wenn der Preis über zehn Franken läge.»

Der Co-Leiter der Abteilung Nationale Präventionsprogramme beim BAG, Roy Salveter, sagte, die Prävention müsse bereits bei den Neun- bis Elfjährigen ansetzen. Gemäss Studie steigt zwischen 13 und 15 Jahren der Suchtmittelkonsum sprunghaft an. Damit greift die Tabak- und Alkoholprävention in der Oberstufe zu spät.

Gemäss Salveter sollen die Testkäufe ausgeweitet werden. Denn trotz Abgabeverbots kauften ein Viertel der befragten 15-Jährigen Alkoholkonsumenten ihren Alkohol im Laden oder einer Bar, Zigaretten haben drei Fünftel gekauft. Wichtigste Bezugsquelle bleiben aber Freunde, Geschwister oder Eltern.

Regulierung beim Cannabis

Im Gegensatz zu Tabak und Alkohol ging der Cannabis-Konsum gemäss Studie insgesamt nur leicht zurück. Unverändert war im Vergleich zu 2010 gar die Zahl jener, die angaben, im Monat vor der Befragung Cannabis konsumiert zu haben: knapp 15 Prozent der 15-jährigen Jungen und zehn Prozent der Mädchen.

Gemäss Abderhalden deutet diese Stagnation darauf hin, dass der Cannabis-Konsum verharmlost werde. Sie sprach sich dafür aus, den Cannabis-Konsum zu regulieren mit einem starken Augenmerk auf den Jugendschutz. «Heute sprechen wir beim Cannabis nicht mehr von Legalisierung sondern von Regulierung.»

Und Salveter vom BAG sagte, das Verbot erschwere es, an Cannabis rauchenden Jugendlichen heranzukommen. «Weil es verboten ist, geben sie es nicht zu.»

(sda/chb)