Stan Wawrinka zog gestern ins Finale ein, Roger Federer will es ihm gegen Dauerrivale Rafael Nadal aktuell nachtun. Erstmals in der Geschichte des Tennis ist ein Grand-Slam-Endspiel mit zwei Schweizer Finalisten in Reichweite – es wäre der grösste Erfolg überhaupt für das Schweizer Tennis.

Doch wie sieht es an der Basis aus? In den 1990er Jahr boomte der Sport dank internationaler Grössen wie Pete Sampras, Jim Courier oder Boris Becker. Sportler wie der Amerikaner Andre Agassi wurden zu gefeierten Popstars. Auf einmal war Tennis ein Breitensport: 1993 gab es mit fast 170'000 Aktiven so viele Hobbyspieler wie nie zuvor in der Schweiz. Auch der Nachwuchs war gefesselt: Über 55'000 Junioren spielten im Jahr 1994 Tennis – auch diese Zahl ist bis heute unerreicht.

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Zahl der Aktiven in der Schweiz um über 30 Prozent gesunken

Auch Federer wurde in dieser Zeit mit dem Tennis-Virus infiziert und eiferte seinen prominenten Vorbildern nach  die er bis heute nicht vergessen hat. Erst vor wenigen Wochen engagierte er sein Jugendidol Stefan Edberg, der bis 1992 insgesamt sechs Grand-Slam-Titel gewann. Der Schwede sitzt als Trainer bei den Australian Open erstmals in der Box des Schweizers. 

Heute jedoch hat der Schweizer Tennissport schwierige Jahre hinter sich: Seit dem Boom Mitte der 1990er Jahre ist die Zahl der Aktiven hierzulande regelrecht eingebrochen – um fast ein Drittel. 2012 spielten nur noch gut 116 000 Schweizerinnen und Schweizer Tennis. Das waren so wenige wie zuletzt Anfang der 1980er Jahre.


Mit dem Sport ist in der Schweiz nur schwer Geld zu verdienen. Zu sehen ist das etwa in Zürich: Das in den vergangenen Jahren regelmässig in der Saalsporthalle ausgetragene Legendenturnier der ATP Champions Tour findet inzwischen nicht mehr statt. Zwischen 2010 und 2012 traten mit Pete Sampras, Stefan Edberg, John McEnroe oder Marat Safin viele grosse Namen der Tennisgeschichte an. Doch dann machte der langjährige Hauptsponsor im vergangenen Jahr einen Rückzieher: Die Bank BNP Paribas Schweiz wollte den Vertrag nicht verlängern. Einen Nachfolger konnten die Schweizer Organisatoren nicht finden.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf den Nachwuchs. Federers Erfolge der vergangenen Jahre hat bei den Junioren zu einer Trendwende geführt. Mittlerweile spielen wieder rund 50'000 Jugendliche Tennis. Immerhin ein Plus von über 15 Prozent seit dem absoluten Tiefpunkt Mitte der 2000er Jahre. Gut möglich also, dass der Finaleinzug von Wawrinka in Zukunft noch mehr Jugendliche ansteckt.