Sexismus sollte bei den Olympischen Spielen im Jahr 2016 keine Rolle spielen. Frauen und Männer bereiten sich gleichermassen hart auf die Wettkämpfe vor und verdienen gleichermassen Anerkennung für ihre Leistungen und Medaillen-Siege. Eigentlich. Doch etliche Aussagen von Kommentatoren des US-Senders NBC und der «Chicago Tribune» haben diese Woche für Empörung gesorgt und einen Shitstorm auf Twitter nach sich gezogen. Was war geschehen?

Die Kritik richtet sich gegen Berichte, in denen der Erfolg von Medaillen-Trägerinnen den Trainern zugeschrieben wird. Vereinzelt werden auch nicht die siegreichen Athletinnen selbst auf Twitter als Siegerinnen genannt, sondern Bezug auf den (berühmten) Ehemann genommen. Die amerikanisch Huffington Post prangert an, dass auf diese Weise den weiblichen Gewinnerinnen ihr Verdienst am Sieg aberkannt würde. So geschehen bei der frischgebackenen Bronzegewinnerin im Sportschiessen, Corey Cogdell:

Chicago Tribune (@chicagotribune) 7. August 2016

Die «Chicago Tribune» liess den Namen von Olympiasiegerin Corey Cogdell weg und erwähnte weder, dass die Athletin bereits dreimal an den Olympischen Spielen teilgenommen noch dass sie 2008 bereits eine Bronzemedaille errungen hatte. Die Ehe mit NFL-Star-Spieler Mitch Unrein von den Chicago Bears war den Reportern wichtiger. Das sorgte für viel Negativ-Resonanz auf Twitter – auch bei Männern:

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— Ed Skipper (@EdSkipper) 8. August 2016
— Peter-Martin (PM) (@petermartindk) 8. August 2016

US-Sender NBC sah sich mit einem Shitstorm konfrontiert, nachdem er über den Goldmedaillen-Sieg der ungarischen Schwimmerin Katinka Hosszu berichtet hatte. Genauer gesagt schwenkte die Kamera, kurz nachdem Hosszu ihren eigenen Rekord über 400 Meter Freistil-Schwimmen gebrochen hatte und mit dieser Leistung Gold gewann, zu ihrem Ehemann und Trainer. Dazu sprach der Kommentator: «There's the man responsible for turning his wife into an entirely new swimmer...». Zu Deutsch: «Hier ist der Mann, der aus seiner Ehefrau eine völlig neue Schwimmerin gemacht hat»:

Charlotte Wilder (@TheWilderThings) 7. August 2016
— Recite News (@ReciteNews) 7. August 2016
Kristen Schneider (@KristenS_Writes) 7. August 2016
Tim Gibson (@timgibson) 7. August 2016
— Luke Oakridge (@Hibernia86) 9. August 2016

Auch die Eidgenössischen Sportkommentatoren geraten immer wieder in den Fokus der «Sexismus-Polizei»: So sorgte bei den Olympischen Spielen in London SRF-Kommentator Sascha Ruefer für Empörung, als er zum Auflauf der Beachvolleyballerinnen bemerkte: «Schau dir diese Figur an, ich bin begeistert.» In diesem Jahr schaut Nationalrat Cédric Wermuth «20 Minuten» auf die Finger:

Cédric Wermuth (@cedricwermuth) 4. August 2016