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Namensgebung
«Spaghetti '88» oder Joker: So kurios heissen Filipinos

Manny Pacquiao: Die Tochter des Boxers heisst Queen Elizabeth.  Keystone

Ein Verteidigungsminister namens Delfin oder ein Sohn, der auf Cheese Pimiento hört: Auf den Philippinen ist dies gang und gäbe. Schweizer müssen auf solch kreative Namen leider verzichten.

Veröffentlicht am 14.08.2016

«Queen Elizabeth! Ab ins Bett!» - das dürfte öfter im Hause des legendären philippinischen Boxers Manny Pacquiao zu hören sein. Queen Elizabeth, den Namen gab er seiner Tochter. Pacquiao ist in bester Gesellschaft: Kuriose Namen sind Volkssport in dem Inselstaat. Der neue Aussenminister Yasay heisst Perfecto mit Vornamen, der neue Verteidigungsminister Lorenzana heisst Delfin.

Was im Haus Yasay los war, als das Baby geboren wurde, kann man sich vorstellen: «Nein, ist der süss! Ein perfektes Baby!» Aber Delfin? Man weiss nicht, was die Lorenzanas zu dieser Wahl getrieben hat. Aber es gab schon zwei Minister dieses Namens vor ihm, 1945 und 1993.

Im Namen von Jesus, Josef und Maria

Die Philippinen sind bevölkert von Leuten, die auf Namen wie Barbie oder Bambi, Joker oder Boss hören. Der frühere Vizepräsident hiess Jejomar mit Vornamen, die Anfangssilben von Jesus, Josef und Maria. Vorschriften zur Namenswahl gibt es nicht. «Mary Christmas» ist ebenso unterwegs wie «Valentine Day».

Auch fragwürdige Spitznamen werden mit Stolz getragen: «Inky» (Ink gleich Tinte) heisst so, weil sie ein dunkler Hauttyp ist, «Sly» (übersetzt: durchtrieben) hat nichts gegen seinen Namen und «Crow» (Krähe) wehrt sich auch nicht.

Spaghetti findet ihren Namen klasse

Und dann gibt es «Spaghetti '88», die 1988 geboren wurde. Sie hat zwei Geschwister: den älteren Bruder Macaroni '85, und die jüngere Schwester Sincerely Yours '98 - übersetzt etwa: «Mit freundlichen Grüssen».

Als Kind sei sie gehänselt worden, aber inzwischen finde sie ihren Namen klasse, erzählt Spaghetti der Nachrichtenagentur dpa. «Jeder erinnert sich an mich», sagt die 28-jährige aus Manila. «Der Name bricht sofort das Eis und ist ein Anknüpfungspunkt für Gespräche.» Die Passbeamten dazu zu bekommen, die 88 mit in das Vornamenfeld zu nehmen, habe etwas Überzeugungsarbeit gekostet, sagt sie. 

Missverständnisse gebe es auch manchmal. «Ich habe einmal bei einem Lieferservice Essen bestellt, da sagte der Mann am Telefon immer wieder: «Sie müssen uns zunächst mal ihren Namen sagen, bevor Sie bestellen können.» Er dachte, ich wollte Spaghetti haben.»

Hierzulande ist Kreativität nicht gefragt

In der Schweiz wie auch in Deutschland wäre Spaghetti wohl am Standesbeamten gescheitert. Vornamen sollen als solche zu erkennen sein, und das Geschlecht des Kindes möglichst auch. Zudem muss das Wohl des Kindes berücksichtigt werden, sagt das Gesetz. Satan ginge nicht.

Vieles hängt allerdings vom Standesamt oder im schlimmsten Fall einem Richter ab. So machte Philipp Pumuckl 1984 Schlagzeilen, weil Richter in Zweibrücken diesen Namen zuliessen. Dagegen fiel Borussia 1997 in Kassel durch.

Partysnack für Mädchen

Spaghetti Revisa hat solche Sorgen nicht, ihr Name wurde anerkannt. Und er passe perfekt zu ihr: «Ich habe gerne Spass, ich bin laut und nett. Wie Spaghetti: lustig und ein bisschen chaotisch zu essen, und sehr nett!» 

Sie hat ihren Sohn vor zwei Jahren Cheese (Käse) Pimiento getauft, genannt Chippy, wie ein populärer Partysnack. Nun hofft sie auf eine Tochter. Sie soll Cheese Curls heissen, ein anderer Partysnack. «Ich hoffe so, dass das klappt mit dem Mädchen!», sagt sie.

(sda/jfr)

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