Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen den «Zeit»-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo wegen Betrugsverdachts bei der Europawahl. Die Ermittlungen seien eingeleitet worden, nachdem per E-Mail eine Strafanzeige gegen den Chef der Wochenzeitung wegen dessen zweifacher Stimmabgabe eingegangen sei, sagte die Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, Nana Fromberg, am Montag.

Lorenzo selber sagte, er habe nicht gewusst, dass er sich durch eine doppelte Stimmabgabe strafbar gemacht habe. Der «Zeit»-Chef hat die deutsche und italiensche Staatsangehörigkeit. Er hatte aus beiden Ländern eine Wahlberechtigung erhalten. Lorenzo gab an, er habe im italienischen Konsulat und im Wahllokal in einer Hamburger Grundschule abgestimmt.

«Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren»

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auf Grundlage des Paragrafen 107a des Strafgesetzbuches gegen di Lorenzo. «Wer unbefugt wählt oder sonst ein unrichtiges Ergebnis einer Wahl herbeiführt oder das Ergebnis verfälscht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft», heisst es dort.

Die doppelte Stimmabgabe hat auch den Präsidenten des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, auf den Plan gerufen. «Es ist eben ein Fall, der sicherlich noch einmal nachgearbeitet werden muss», sagte er in Berlin. Egeler verwies auf das Europawahlgesetz. Dort heisst es: «Das Wahlrecht darf nur einmal und nur persönlich ausgeübt werden.»

«Mir war es nicht bewusst»

Lorenzo hatte in einer TV-Sendung am Sonntagabend erklärt, zweimal gewählt zu haben. Der «Bild»-Zeitung sagte er nach einem Vorabbericht: «Mir war nicht bewusst, dass man bei der Europawahl nicht in zwei Ländern abstimmen darf. Hätte ich es gewusst, hätte ich es nicht getan und natürlich auch nicht in der Sendung von Günther Jauch erzählt.» Der Vorgang tue ihm «aufrichtig leid».

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(reuters/dbe/sim)