Die texanische Stadt Houston geht einen ungewöhnlichen Weg, um die Untersuchungen von Vergewaltigungsfällen zu finanzieren. So hat der Stadtrat eine Bestimmung erlassen, laut der jeder Besucher eines Stripclubs eine Steuer von 5 Dollar entrichten muss. Mit dem Geld sollen Analysen von biologischem Beweismaterial bei Vergewaltigungsfällen finanziert werden, um damit Täter schneller überführen zu können.

Die Befürworter dieses Erlasses glauben, dass die Stripclubs eine ungesunde Haltung gegenüber Frauen fördern, welche dann zu sexuellen Übergriffen führen könne. Wie Jack Christie, ein Ratsmitglied von Houston, gegenüber dem dem «Wall Street Journal» erklärte, könne mit der Steuer pro Jahr bis zu drei Millionen Dollar eingenommen werden. Betroffen sind von dem Erlass etwa 30 Einrichtungen.

Doch nicht nur für Stripclubs soll diese Abgabe gelten, auch Lokale, die nur manchmal Anlässe wie Wet-T-Shirt-Competissions oder «Naked-Sushi»-Wettbewerbe veranstalten, sind davon betroffen.

Die Clubs jedoch erachten die Abgabe als ungerecht und wehren sich dagegen. So sagt ein Anwalt der lokalen Stripclubs, es gebe «keinen bekannten Zusammenhang zwischen Menschen, die einen netten, hochklassigen Club für Männer besuchen, und Vergewaltigung».

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Kein Zusammenhang von Rotlichtgewerbe und Ausübung von Gewalt

Der Anwalt kann sich dabei auf Untersuchungen der Universität von Texas in Austin berufen. Diese kam bereits 2009 zum Schluss, dass bis anhin keine Studie einen Zusammenhang zwischen  zwischen «Alkohol, dem Rotlichtgewerbe und der Ausübung von Gewalt» nachweisen konnte.

Weitere Unterstützung finden die Clubs bei Victoria Camp, der Leiterin einer Organisation, die sich dem Kampf gegen sexuelle Übergriffe verschrieben hat. Sie glaubt, dass niemand beim Besuch eines Stripclubs gleich zum Vergewaltiger werde. Trotzdem sei «das Umfeld durchaus geeignet, bei den Besuchern eine grössere Toleranz gegenüber sexueller Gewalt zu fördern.»

Die Clubs in Houston befürchten jedoch, dass ihnen mit der neuen Steuer der Boden unter den Füssen weggezogen werde.

Dem widerspricht Ratsmitglied Jack Christie. Er glaubt, dass die Clubs diese Steuer locker wegstecken können: «Wenn man sich Videos aus den Clubs ansieht, in denen die Besucher den Tänzerinnen 5-, 10- oder 20-Dollar-Noten in ihre wenigen noch vorhandenen Kleidungsstücke stecken, dann glaube ich, dass eine 5-Dollar-Steuer niemandem wehtun dürfte.»