Massnahmen für sauberere Luft könnten eine unerwünschte Nebenwirkung haben: Sie könnten die Häufigkeit von Wirbelstürmen erhöhen. Britische Forscher kommen in einer Studie zum Schluss, dass menschengemachte Schwebepartikel in der Atmosphäre die Sturmhäufigkeit senken.

Die Häufigkeit von Stürmen über dem Nordatlantik variierte im 20. Jahrhundert markant, schreiben die Forschenden im Fachblatt «Nature Geoscience». Doch weder die Meerestemperaturen noch natürliche Schwankungen der Luftdruckverhältnisse über dem Nordatlantik konnten diese Schwankungen ausreichend erklären.

Nun hat das Team um Nick Dunstone vom Hadley Centre des britischen Met Office in Exeter den Einfluss diverser Faktoren in Klimamodellen simuliert. Damit reproduzierten sie die Klimaentwicklung von 1860 bis 2050, schrieb der Onlinedienst «wissenschaft.de». Ziel war es, jene Kombination von Faktoren zu finden, die die Entwicklung der Wirbelstürme in dieser Zeit am besten erklärte.

Dabei zeigte keine andere Ursache einen so grossen Einfluss auf die Sturmhäufigkeit wie die sogenannten menschengemachten Aerosole, erklärten die Forscher. Dies sind durch Verkehr, Industrie und Landwirtschaft abgegebene Schwebepartikel wie Schwefelverbindungen und Feinstaub (Russ).

Physikalisch sei der Effekt plausibel, meinen Dunstone und Kollegen: Ein dichterer Aerosolschleier schirmt die Sonneneinstrahlung ab und lässt so die Meeresoberfläche abkühlen. Hurrikans können aber erst ab mindestens 27 Grad Celsius Wassertemperatur entstehen. Aerosole fördern auch die Wolkenbildung.

Häufig Stürme während der Weltkriege

Der Zusammenhang ist den Forschern zufolge sehr unmittelbar, da Schwebstoffe nur 12 bis 15 Tage in der Atmosphäre bleiben. So gab es während der beiden Weltkriege und der Wirtschaftskrise der 1920er Jahre geringe Emissionen von Schwebstoffen. In dieser Zeit sei auch die Anzahl der Wirbelstürme deutlich angestiegen.

Der wirtschaftliche Aufschwung Anfang des Jahrhunderts und nach dem Zweiten Weltkrieg dagegen vermehrte die Emissionen - in dieser Zeit gab es etwas weniger Stürme als im langjährigen Durchschnitt. Seit 1980 steigt der Sturmtrend stetig. «Die starke Abnahme der anthropogenen Aerosole über dem Nordatlantik hat Ende des 20. Jahrhunderts die Häufigkeit der Stürme ansteigen lassen», schreiben Dunstone und seine Kollegen.

Verantwortlich dafür seien unter anderem strengere Emissionsbestimmungen in den USA und in Europa. «Eine weitere Reduktion der Aerosole könnte die Häufigkeit von tropischen Stürmen weiter erhöhen», schreiben die Forscher.

(tno/aho/sda)
 

 

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