Schwere Stürme haben am Wochenende erneut Grossbritannien, Irland und die Bretagne in Frankreich heimgesucht. Auch im Norden Spaniens wurde Alarm ausgerufen. Heftiger Wind, hoher Wellengang und andauernde Regenfälle verursachten neue Überschwemmungen – vor allem im Südwesten Englands in den Grafschaften Cornwall, Somerset und Devon.
Für die englische Grafschaft Somerset gab die britische Umweltschutzbehörde eine so genannte ernste Wetterwarnung heraus - dies bedeutet unter Umständen Lebensgefahr für die Bewohner.

Nach Angaben der britischen Umweltschutzbehörde sind in der Krisenregion Hunderte Haushalte ohne Strom. Zahlreiche Bewohner in überfluteten Gegenden flohen aus ihren Häusern. Die Regierung hat 1500 Soldaten der Armee in Einsatzbereitschaft versetzt. Premierminister David Cameron hatte sich am Freitag persönlich ein Bild von der Lage in der Hochwasserregion gemacht.

Bahnlinien unterbrochen


Besonders die Bauern traf es hart: Im Südwesten Englandes sind Hunderte Hektaren Agrarland überflutet, die Ernten sind in Gefahr. Viele Bauern brachten ihr Vieh in Sicherheit. Die Bahnverbindung zwischen der beliebten Ferienregion Cornwall und London ist unterbrochen, weil während der Woche die Gleise unterspült worden waren und weggebrochen sind. Uferbefestigungen, die Küstenorte vor den hochschlagenden Wellen des Atlantiks schützen sollen, brachen ein.

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In der Bevölkerung machte sich Ärger über die als mangelhaft angesehene Reaktion der Behörden breit. «London hat uns im Stich gelassen«, sagte der örtliche Parlamentsabgeordnete Ian Liddell-Grainger. Es gebe zu wenig Geld für Pumpstationen und Drainagen. Er forderte den Leiter der Umweltschutzbehörde, Lord Christopher Smith, zum Rücktritt auf. Kommunalminister Eric Pickles bat am Sonntag öffentlich für das lange zögerliche Verhalten der britischen Regierung um Entschuldigung.

Soforthilfen über 130 Millionen Pfund


Diese stellte erst in der vergangenen Woche - nach Monaten der Flutschäden - Soforthilfe in Höhe von 130 Millionen Pfund (knapp 200 Millionen Franken) für die Aufräum- und Reparaturarbeiten zur Verfügung. Zudem soll es ab 2015 jährlich 360 Millionen Pfund für die Vorbeugung von Flutschäden geben. Für viele Experten kommen diese Massnahmen zu spät. Für Teile der Bretagne galt am Samstag ebenfalls die höchste Flut-Alarmstufe «rot«. Fährverbindungen zu einigen Inseln mussten eingestellt werden. Auch in Irland und in Wales kam es zu weiteren Überschwemmungen.

(sda/me)