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Islamisten
Terroranschlag auf Velorennen verhindert

Islam-Prediger Pierre Vogel: 2011 in Frankfurt am Demonstrieren.   Keystone

In Deutschland stand ein Anschlag auf ein Velorennen wohl kurz bevor. Die Ermittler fanden eine funktionsfähige Rohrbombe, ein Verdächtiger ist Teil der kriminellen Salafistenszene.

Veröffentlicht am 01.05.2015

Die deutsche Polizei hat vermutlich einen Terroranschlag vereitelt. Bei der Durchsuchung einer Wohnung in Oberursel bei Frankfurt am Main wurden in der Nacht eine funktionstüchtige Rohrbombe gefunden und ein Ehepaar festgenommen.

Die Bombe sei geeignet gewesen, einen Anschlag zu verüben, sagte der stellvertretende Leiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Stefan Rojczyk. «Vermutlich ist durch die Festnahme nach polizeilichem Ermittlungsstand ein terroristischer Anschlag vereitelt worden», sagte der hessische Innenminister Peter Beuth in Wiesbaden.

Dies habe die Durchsuchung der Wohnung des Paars bestätigt. Dem Zugriff seien wochenlange Ermittlungen vorausgegangen. Es gebe den Verdacht eines salafistischen Hintergrunds. Der Mann habe die Strecke eines traditionellen Velorennens ausgekundschaftet, teilte Oberstaatsanwalt Albrecht Schreiber in Wiesbaden mit.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft von einer rein präventiven Polizeiaktion gesprochen. «Wir haben von einem konkreten Anschlag nichts gewusst», sagte Rojczyk. Die geplante Veranstaltung wurde abgesagt.

Beschuldigte schweigen

Die Festgenommenen - ein 35 Jahre alter Mann und eine 34 Jahre alte Frau - schwiegen in ersten Vernehmungen. Der Mann sei deutscher Staatsbürger mit türkischen Wurzeln, die Frau Türkin, sagte Rojczyk.

Die Behörden waren auf das Paar aufmerksam geworden, nachdem der Mann unter falschem Namen drei Liter Wasserstoffperoxid in einem Baumarkt gekauft hatte. Dieser Stoff sei zum Bombenbau geeignet, sagte Rojczyk. Der Kauf von Wasserstoffperoxid in einer bestimmten Menge ist meldepflichtig. Eine Kassiererin eines Baumarkts habe die Polizei informiert. Obwohl der Verdächtige einen falschen Namen angegeben habe, sei er identifiziert worden, sagte Schreiber. Auch die 2007 aufgeflogene sogenannte Sauerland-Gruppe hatte den Stoff gelagert. Die Islamisten wollten damit Bombenanschläge verüben und wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

In der Wohnung wurden auch ein Gewehr und scharfe Munition sichergestellt. Ausserdem fanden die Ermittler einen konservativen Koran-Text.

Verbindung zu Sauerland-Gruppe

Der 35-Jährige habe vor Jahren Verbindung zur islamistischen Sauerland-Gruppe gehabt. Vier Mitglieder der Sauerland-Gruppe waren 2012 wegen der Planung von Terroranschlägen verurteilt worden.

Am Freitag seien zahlreiche Veranstaltungen mit viel Publikum in der Region geplant, deshalb hätten die Behörden schnell gehandelt, sagte Rojczyk. Die Ermittler waren sich nach Schreibers Angaben nicht sicher, ob ein Anschlag auf das Radrennen «Rund um den Finanzplatz Frankfurt» - früher «Rund um den Henninger Turm» - unmittelbar bevorstand oder ob die Verdächtigen ein anderes Anschlagsziel hatten. Da es aber Parallelen zum Bombenanschlag beim Bostoner Marathon 2013 in den USA gegeben habe, habe man sich zum Zugriff entschlossen. So wurde der für diesen Freitag geplante Radklassiker «Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt» abgesagt, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden mitteilte.

Dauergast der Polizei

Es habe Überschneidungen von Streckenverlauf des Radrennens und Bewegungsprofil der festgenommen Personen gegeben, hiess es in der Mitteilung. Mehrere Hundert Polizisten durchkämmten den Wald an der Rennstrecke, fanden aber zunächst nichts. Der Verdächtige ist polizeibekannt. Er sei 15-mal auffällig geworden, sagte Polizeipräsident Stefan Müller. Zu den ihm vorgeworfenen Delikten zählten Körperverletzung, Verstoss gegen das Waffengesetz und Bedrohung. Das Duo sollte noch am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden. In der Wohnung waren auch zwei Kleinkinder, die dem Jugendamt übergeben wurden.

Seit den Anschlägen von Paris ist die Sorge vor ähnlichen islamistischen Taten gewachsen.. Im Blickfeld der Fahnder ist dabei die Salafistenszene, die als Rekrutierungsfeld für Dschihadisten gilt. Nach Angaben des Verfassungsschutzes gehören ihr rund 7000 Personen an.

(reuters/sda/chb)

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