Bei einer Testfahrt auf einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke nördlich von Strassburg ist am Samstagnachmittag ein TGV entgleist. Nach Behördenangaben verunglückte der Versuchszug möglicherweise wegen überhöhter Geschwindigkeit. Dabei starben elf Personen.

Die Opferzahl nach dem schweren Zugunglück in der Nähe von Strassburg könnte weiter steigen. Fünf Menschen würden noch vermisst, sagte Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal am Samstagabend am Unfallort. Einige von ihnen würden unter den umgestürzten Waggons des entgleisten TGV-Schnellzugs vermutet.

Kinder vermisst

In dem nahe Strassburg verunglückten TGV-Schnellzug befanden sich auch Kinder. Ein Sprecher der staatlichen Bahngesellschaft SNCF sprach am Sonntag von «einigen Kindern», von denen er nicht sagen könne, ob sie unter den Opfern des Unglücks seien.

Gemäss der Bahnbetreibergesellschaft SNCF handelt es sich bei den Opfern um Techniker. Nach Angaben der Gendarmerie sollen sich rund fünfzig SNCF-Mitarbeiter an Bord des Zuges befunden haben; 32 Personen seien verletzt worden, zwölf davon schwebten in Lebensgefahr.

Überhöhte Geschwindigkeit

Die Gendarmerie geht davon aus, dass der Testzug wegen überhöhter Geschwindigkeit entgleist ist. Die Unglücksursache sei jedoch nicht bekannt. Es handelt sich um das schwerste Unglück mit einem TGV in der Geschichte des Schnellzugs.

Der Unfall ereignete sich bei Eckwersheim im Departement Bas-Rhin. Auf Fotos des Unglücks ist zu sehen, wie zahlreiche Wagen voneinander getrennt und verstreut auf einem Feld unterhalb eines Damms liegen. Ein Teil der Wagen befinden sich in einem Kanal.

Gemäss Journalisten der Nachrichtenagentur AFP sind Polizisten, Rettungskräfte, Helikopter und Tauchereinheiten im Einsatz.

Geforderte Politiker

Frankreichs Staatschef François Hollande sprach den Angehörigen seinen Beistand aus. Die auch für Verkehr zuständige Umweltministerin Ségolène Royal und ihr Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies wollten sich zum Unglücksort begeben.

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Angesichts der Anschläge in Paris erklärte die Staatsbahn SNCF, dass keinerlei Verbindung zu den Attentaten hergestellt werden könne.

Neue Schnellzugstrecke

Der Unfall ereignete sich auf dem letzten Abschnitt einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke, die Paris mit Strassburg verbindet. Ein grosser Teil der Strecke wird schon befahren, in Teilen Lothringens und im Elsass müssen die TGV-Schnellzüge aber noch auf älteren Gleisen fahren und das Tempo drosseln.

Das letzte, rund 100 Kilometer lange Teilstück soll im April 2016 für den Personenverkehr freigegeben werden. Die Fahrzeit zwischen Paris und Strassburg verringert sich dann um eine halbe Stunde auf rund 1 Stunde und 50 Minuten.

Seit 1981 im Einsatz

Die französischen TGV (Train à Grande Vitesse, deutsch: Hochgeschwindigkeitszug) sind eine Marke der französischen Staatsbahn SNCF. Sie gehören zu den schnellsten Schienenfahrzeugen der Welt.

Die Höchstgeschwindigkeit im normalen Betrieb beträgt etwa 320 Kilometer in der Stunde. Für den TGV wurden vor allem in Frankreich viele eigene Schnellfahrstrecken gebaut. Die erste wurde 1981 zwischen Paris und Lyon eröffnet.

Verkehr auch in der Schweiz

TGV sowie deren Geschwisterzüge Thalys und Eurostar verkehren ausser in Frankreich auch in der Schweiz, Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Grossbritannien, Luxemburg, Italien und Spanien.

Der Zug vom Hersteller Alstom erreichte 2007 bei einer Rekordfahrt eine Spitzengeschwindigkeit von fast 575 Stundenkilometern. Den Geschwindigkeitsweltrekord hält seit April dieses Jahres der japanische Magnetschwebezug Maglev mit 603 Kilometern pro Stunde.

(sda/chb)