Beim schweren Erdbeben vom Mittwochabend in Chile sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Dies sagte Präsidentin Michelle Bachelet. In Medienberichten, die sich auf örtliche Behörden beriefen, war von vier Toten die Rede.

Das Hauptbeben ereignete sich 55 Kilometer vor der Küste in Höhe der Stadt Illapel, die rund 280 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago liegt. Das nationale seismologische Institut in Chile gab die Stärke mit 8,4 an. Die US-Erdbebenwarte USGS berichtete von einer Stärke von 8,3.

Viele Gebäude beschädigt

Örtliche Behörden bestätigten zunächst zwei Tote, wie das Portal «La Tercera» berichtete. Viele Gebäude wurden beschädigt, die Stromversorgung war vielerorts unterbrochen. Grössere Schäden durch entstehende Wellen wurden vorerst aber nicht gemeldet.

Auf Bildern waren in Panik aus Gebäuden rennende Menschen zu sehen. Der Flughafen der Hauptstadt Santiago wurde teilweise evakuiert. Auf Twitter meldete der Flughafen aber nach wenigen Stunden, dass der Betrieb wieder normal laufe. In Santiago wackelten viele Gebäude.

Tsunamiwarnung für die gesamte Pazifikregion

Das Pazifik-Zentrum für Tsunamiwarnungen sprach eine Tsunamiwarnung für die gesamte Pazifikregion aus, für Chile wurde vor Wellen von bis zu drei Metern gewarnt.

Der chilenische Innenminister Jorge Burgos sagte: «Es gibt Berichte über Schäden in Illapel.» Er ordnete umfangreiche Evakuierungsmassnahmen in der ganzen Küstenregion an, bis hinauf zur Grenze mit Peru. «Die Bevölkerung an der Küstenlinie soll die Sicherheitszonen aufsuchen», informierte der nationale Katastrophenschutz bei Twitter.

Auch in Neuseeland auf der anderen Seite des Pazifiks warnten die Behörde davor, ans Wasser zu gehen.

14 weitere Beben

Nach dem Hauptbeben gab es 14 weitere Beben, das stärkste erreichte eine Stärke von 7,6. Das Beben erschütterte vor allem die Regionen Atacama, Coquimbo, Valparaíso, den Hauptstadtbezirk, Maule, Biobío und La Araucanía.

Den Behörden zufolge ereignete sich der Erdstoss in einer Tiefe von rund 11 Kilometern um 19.54 Uhr Ortszeit. Das Beben war bis in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires und in mehreren Provinzen des Landes zu spüren.

Erdbeben sind in Chile keine Seltenheit. Der Erdstoss vom Mittwoch war der stärkste seit über fünf Jahren. Im Februar 2010 starben in Chile bei Beben der Stärke 8,8 über 520 Menschen.

28'000 Tote im Jahr 1939

Zu einer Katastrophe war es 1939 gekommen. Nach einem Beben der Stärke 7,8 starben 28'000 Menschen. Auch das stärkste je gemessene Erdbeben geschah in Chile: 1960 registrierten Geologen die Stärke 9,5 - 1655 Menschen starben.

Um den Pazifischen Ozean herum liegt ein Gürtel aus etwa 450 aktiven Vulkanen, der als Pazifischer Feuerring bezeichnet wird. Er ist etwa 40'000 Kilometer lang und wie ein Hufeisen geformt. Hier treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander.

Es kommt zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen, die Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis zur Folge haben - das Land hat darauf mit dem Aufbau eines umfassenden Frühwarn- und Evakuierungssystem reagiert.

(sda/gku)

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