Angesichts der zunehmenden Zerstörung von Kulturgütern in Konflikten wie in Syrien und im Irak sind Vertreter aus rund 40 Ländern in Abu Dhabi zu einer Konferenz zum Schutz der Welterbestätten zusammengekommen. Die mutwillige Zerstörung etwa durch Islamisten prangerte Unesco-Chefin Irina Bokowa als «Kriegsverbrechen» und «kulturelle Säuberung» an.

«Niemals in der jüngsten Geschichte wurde das Erbe der Menschheit dermassen zerstört wie derzeit im Irak und in Syrien», sagte die Generaldirektorin der Uno-Kulturorganisation am Freitag zum Auftakt der Konferenz.

«Lauf der Geschichte verändern»

Die internationale Gemeinschaft müsse zusammenarbeiten, um die Zerstörungen zu stoppen. Der Schutz von kulturellem Erbe und der Schutz von Menschenleben gehörten zusammen, hob die Unesco-Chefin hervor.

Der Chef der Kultur- und Tourismusbehörde von Abu Dhabi, Mohammed Chalifa al-Mubarak, sagte, die Konferenzteilnehmer arbeiteten gemeinsam an einer weltweiten Initiative zum Schutz des kulturellen Erbes, die dazu beitragen solle, «den Lauf der Geschichte zu verändern».

Schweiz schon weit fortgeschritten

Ziel sei es, einen Hilfsfonds im Umfang von hundert Millionen Dollar einzurichten sowie ein internationales Schutz-Netzwerk, um bedrohten Kulturgütern einen sicheren Platz zu bieten, sagte Al-Mubarak. Denkbar wäre eine Stiftung nach Schweizer Recht mit Sitz in Genf, die ihre Arbeit im kommenden Jahr aufnehmen könnte

Was den Kulturgüterschutz betrifft, ist die Schweiz schon weit fortgeschritten: Um die wertvollsten beweglichen Kulturgüter wie Bilder, Statuen, Münzen und andere zu schützen, bestehen laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz rund 320 Schutzräume im ganzen Land mit rund 100'000 Quadratmetern Fläche.

Vorbild für die ganze Welt?

Für die treuhänderische Aufbewahrung von Kulturgütern, die in einem Drittstaat durch einen bewaffneten Konflikt, eine Katastrophe oder eine Notlage bedroht sind, kann die Schweiz unter der Schirmherrschaft der Unesco und mit einem Staatsvertrag einen Bergungsort zur Verfügung stellen.

Rino Büchel, Sektionschef für Kulturgüter im Bundesamt, werde in Abu Dhabi die Schweizer Umsetzung des Kulturgüterschutzes vorstellen, sagte Sprecher Kurt Münger gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

55 Welterbestätten in Gefahr

Frankreichs ehemaliger Kulturminister Jacques Lang nannte die Konferenz ein historisches Ereignis. Es sei nun die Zeit der internationalen Mobilisierung gekommen, private und staatliche Akteure kämpften gemeinsam für den «Schutz des durch Kriege, Barbarei und Terrorismus bedrohten Welterbes».

Die Konferenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten soll am Samstag mit der Verabschiedung einer politischen Erklärung in Anwesenheit des französischen Präsidenten François Hollande enden.

Laut Unesco sind derzeit 55 der weltweit 1052 Welterbestätten in Gefahr, darunter die Ruinen im syrischen Palmyra und die malische Oasenstadt Timbuktu. In den vergangenen Jahren hatten Islamisten ausser in Syrien und im Irak auch in Afghanistan und in Mali jahrhundertealte Monumente zerstört, die sie als Zeugnisse eines falschen Glaubens ansahen.

(sda/gku/cfr)
 

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