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Urteil
Bulat Tschagajew müsste wieder ins Gefängnis

Bulat Tschagajew beim Prozessauftakt: Der Verurteilte lebt angeblich in Moskau. Keystone

Wegen der Xamax-Pleite wurde der Tschetschene zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Teil der Strafe ist zwar schon abgesessen. Der restliche Vollzug wird allerdings ein schwieriges Unterfangen.

Veröffentlicht am 06.12.2016

Der Konkurs des Fussballclubs Neuchâtel-Xamax endet mit einem Schuldspruch für den ehemaligen Präsidenten Bulat Tschagajew. Das Neuenburger Strafgericht verurteilte den Tschetschenen zu drei Jahren Gefängnis. Er wurde wegen ungetreuer Geschäftsführung und Misswirtschaft sowie wegen versuchten Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt, wie der Präsident des Neuenburger Gerichts am Dienstag mitteilte. Von den drei Jahren Freiheitsstrafe muss Tschagajew die Hälfte im Gefängnis absitzen.

Davon werden ihm allerdings die vier Monate Untersuchungshaft abgezogen, die ihm 2012 auferlegt wurden. Er muss deshalb noch 14 Monate ins Gefängnis. Für den bedingten Teil der Strafe gilt eine Probezeit von zwei Jahren. Er muss zudem 40'000 Franken an die Gerichtskosten bezahlen. Um die Gerichtskosten und Entschädigungen für Kläger zu bezahlen, werden auch zwei beschlagnahmte Autos von Tschagajew verkauft, wie das Gericht festhielt.

Zweifel an Fussballkenntnis

Tschagajew war im August überraschend zum Prozessauftakt in Neuenburg erschienen und hatte seine Unschuld beteuert. Er schrieb im Prozess den Konkurs allen anderen zu, vor allem den Banken, die seine vorgelegten Dokumente nicht mehr akzeptiert hätten.

Er versprach sogar Nachzahlungen von einem Teil der ausstehenden Löhne der Spieler. Für die Staatsanwaltschaft war das ein Beleg des «speziellen Charakters» des Angeklagten: Er sei falsch und arrogant. Zudem dürfe man daran zweifeln, dass er eine Ahnung vom Fussballgeschäft gehabt habe, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

Vollzug wird schwierig

Weil Islam Satujew, Mitangeklagter und früherer Vize-Präsident des Fussballclubs, im August nicht zum Prozess erschienen war, wurde die Verhandlung auf September verschoben. Zur Fortsetzung des Prozesses blieben allerdings beide Angeklagten dem Gericht fern. In Abwesenheit von Tschagajew hatte sein Verteidiger vergeblich einen Freispruch gefordert. Die Staatsanwaltschaft verlangte für Tschagajew 3,5 Jahre Gefängnis. Islam Satujew hat trotz seiner Abwesenheit vor Gericht nichts zu befürchten.

Er wurde vom Neuenburger Strafgericht freigesprochen. Noch ist das erstinstanzliche Urteil nicht rechtskräftig. Ob dagegen Rekurse eingelegt werden, blieb am Dienstag offen. Auf jeden Fall würde ein Vollzug der Freiheitsstrafe Tschagajews schwierig werden.

Schuldenberg von 20 Millionen Franken

Tschagajew hatte im Prozess als Wohnort Moskau angegeben, wollte aber seine exakte Wohnadresse nicht laut aussprechen. Er schrieb sie für das Gericht auf ein Papier auf. Auch über seine derzeitige geschäftliche und finanzielle Situation wollte er keine Details preisgeben. Unter der Führung des Tschetschenen war der Schweizer Traditionsverein Neuchâtel Xamax am 26. Januar 2012 innerhalb von nur acht Monaten Konkurs gegangen. Zurück blieb ein Schuldenberg von 20,1 Millionen Franken.

Über 359 Gläubiger gingen leer aus und mussten sich mit Verlustscheinen zufrieden geben. Immerhin erholte sich Neuchâtel-Xamax nach einem Neustart sportlich und belegt den zweiten Rang der Challenge League, der zweithöchsten Spielklasse in der Schweiz.

(sda/gku/chb)

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