Das Zürcher Bezirksgericht hat am Dienstag den deutschen Entertainer Karl Dall (73) vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Die Beweislage reiche nicht aus, befand das Gericht.

Dall war von einer 43-jährigen Ex-Journalistin aus Solothurn angezeigt worden. Bei der Befragung vom Dienstag blieb sie bei ihren Aussagen geblieben: «Am Anfang war es ein guter Abend. Dann wurde es die schlimmste Nacht meines Lebens.»

Herr Dall sei für sie ein alter Mann gewesen, sagte sie vor Gericht. Nie hätte sie sich vorstellen können, dass so etwas passiere. Die E-Mails, die Dall bei seiner Befragung noch als «schlüpfrig» bezeichnete, waren in den Augen der Anzeige-Erstatterin vielmehr romantisch. Dall habe ihr sogar geschrieben, dass er nicht mehr ohne sie sein könne.

In psychologischer Behandlung

Nachdem sie den Abend miteinander verbracht hatten - zuerst in der Bar und dann im Casino - sei er im Hotel aber zu einem «anderen Menschen geworden». Nachdem sie sich schlafen gelegt hätten, sei er plötzlich mit seinem ganzen Gewicht auf ihr gelegen. «Er kam mir plötzlich vor wie ein Tier.» Nach einer kurzen Rangelei sei es ihm gelungen, in sie einzudringen. Danach sei er im Bad verschwunden.

Anzeige

Die Journalistin machte ihre Aussagen mit zittriger Stimme. Einmal musste die Befragung unterbrochen werden, damit sie sich wieder beruhigen konnte. Die Anzeigeerstatterin ist seit Jahren in psychologischer Behandlung. Sie leidet unter Panikattacken.

Gegenklage von Karl Dall

Wie am Dienstag vor Gericht bekannt wurde, ist ihre Anzeige nicht die einzige in diesem Fall: Der 73-jährige Dall reichte mittlerweile auch Anzeige gegen das mutmassliche Opfer ein. Dies, weil die Frau in der fraglichen Nacht heimlich Gespräche aufgezeichnet und das Hotelzimmer fotografiert hatte.

Auf einer Ton-Aufnahme soll Dall gesagt haben, dass sie «eine Granate im Bett» sei. Dies habe er nur getan, damit sie endlich Ruhe gebe und gehe, erklärte Dall das Kompliment.

(sda/gku)