Der Coup ist gelungen, die Öffentlichkeit wurde erfolgreich an der Nase herumgeführt. George Clooney ist (wieder) unter der Haube - zwei Tage früher als erwartet.

Zur Fahrt in den Hafen der Ehe musste der Bräutigam noch ein paar Wellen meistern: Als er am Samstag im Wassertaxi «Amore» von der Insel Giudecca zu seiner Verlobten Amal Alamuddin ins Zentrum Venedigs schipperte, brachten ein Kreuzfahrtschiff und eine Fähre die Planken noch mächtig ins Schwanken. Doch in seinem tadellosen Smoking bewahrte Clooney neben Vater Nick lässig Haltung.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Es störte ihn wohl auch nicht weiter, dass etwa 30 Boote mit Paparazzi und Kamerateams den schwimmenden Hochzeitstross verfolgten. Auch als die Party-Gesellschaft unter Geleitschutz der italienischen Wasserschutzpolizei in den Canal Grande einbog, blieb der Frauenschwarm seinem Image als Sunnyboy treu und lächelte und winkte freundlich, aber leicht aufgeregt.

Dann ging er von Bord und verschwand wie alle anderen unter einem braunen Zeltvorbau, der die wenigen Meter vom Bootssteg bis zum Eingang zum Sieben-Sterne-Hotel "Aman" im Palazzo Papadopoli verdeckte. Kurz danach war es vollbracht.

Klassischer Jazz

Im Palazzo gab sich das Paar bei einem Galadinner das Jawort. Clooneys Freund, der frühere römische Bürgermeister Walter Veltroni, traute die beiden. Die Ehe sollte am Montag im Rathaus von Venedig eingetragen werden.

Die 100 Gäste, die wie das frischverheiratete Paar im Luxushotel «Cipriani» auf Giudecca wohnen, feierten bis in die Nacht. Zu den Geladenen zählten die Schauspieler Bill Murray, Robert de Niro und Matt Damon, U2-Sänger Bono, das frühere Supermodel Cindy Crawford und Ehemann Rande Gerber sowie «Vogue»-Chefredakteurin Anna Wintour.

Wie im «Aman» gefeiert wurde, blieb allerdings streng geheim. Zunächst war nur zu erfahren, dass eine Band die Gäste mit romantischen Jazz-Klassikern verwöhnte, darunter dem Lied "When I Fall in Love" von Nat King Cole.

Schnappschussverbot

Für die "Clooney Days", wie eine Lokalzeitung die "Hochzeit des Jahres" nannte, hatte sich die Lagunenstadt von ihrer besten Seite gezeigt. Die Herbstsonne strahlte auf die Schönen und Reichen, die schon am Freitag bis spät in den Abend gefeiert hatten.

Clooneys Junggesellen-Abschied in einem Nobelrestaurant und die folgenden Festivitäten standen unter höchster Geheimhaltung: Etwa 400 Sicherheitsleute schirmten die Gäste in den exklusiven Hotels ab. Kellner und anderes Hotelpersonal mussten ihre Handys abgeben.

Das Schnappschussverbot galt selbst für Hochzeitsgäste. Doch lange wird das Hochzeitsalbum wohl nicht unter Verschluss bleiben. Wenn die Gerüchte stimmen, kommt demnächst die US-Ausgabe von «Vogue» mit den Exklusivbildern auf den Markt.

«Der hat uns gerade noch gefehlt»

Am Kanalufer gegenüber dem "Aman" waren schon am Donnerstag erste Fotografen auf Position gegangen, die Medien überschlugen sich mit Spekulationen, die Lokalzeitung «Corriere del Veneto» hoffte auf eine Politur für das Image der Stadt. Venedig war zuletzt vor allem wegen Korruption oder Umweltproblemen in die Schlagzeilen geraten.

Viele Bewohner konnten mit dem Hollywood-Glamour wenig anfangen: «Wir haben so viele Probleme hier, George ist so ziemlich das Letzte, was uns hier noch gefehlt hat», meinte Francesca, eine Billetverkäuferin der Verkehrsbetriebe.

Die Fixierung auf Clooney bei den Berichten über die Hochzeit hat inzwischen Kritik ausgelöst. «International erfolgreiche Anwältin Alamuddin heiratet Schauspieler», titelte halb ernst, halb ironisch das Internet-Frauenportal «The Business Woman Media».

(sda/chb)