Millionenfach prangt Johann Sebastian Bachs ehrwürdiges Perückenhaupt von CDs, Postern und Büchern. Bisher war jedoch nur ein historisch verbürgtes Porträt des Thomaskantors bekannt. Jetzt soll es ein zweites geben. Ein lange verschollenes Porträt des Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist wieder aufgetaucht. Das Bachhaus Eisenach stellte das Pastellbild am Donnerstag in Berlin vor. «Wir halten das Bild für echt, für ein authentisches Gemälde von Johann Sebastian Bach», sagte Museumsdirektor Jörg Hansen.

Das vermutlich um 1730 entstandene Bild wäre damit neben dem berühmten Haussmann-Gemälde von 1746 im Alten Rathaus von Leipzig das einzige historisch verbürgte Porträt des Thomaskantors. Es zeigt einen etwas rundlicheren und weniger gestrengen Bach als viele andere Porträts.

Bild war siebzig Jahre lang verschollen

Dass es das Pastell gab, ist laut Hansen aus Briefen des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel bekannt. Sein Haus habe das Bild kürzlich aus Privatbesitz erworben. Es soll vom 13. März an in der sechswöchigen Sonderausstellung «Echt Bach!» im Berliner Dom zu sehen sein und dann in die Dauerausstellung des Bachhauses wandern. Das Bild war laut Hansen erstmals 1927/28 in der Sammlung des damals 31-jährigen Eisenacher Sparkassenmitarbeiters Manfred Gorke aufgetaucht, die dieser von seinem Urgrossvater geerbt hatte. Bei der Auflösung der Sammlung Ende der 30er Jahre ging es an einen Berliner Privatmann. Bis zur Wiederentdeckung jetzt sei es praktisch verschwunden gewesen.

Die Existenz des Gemäldes hatte Carl Philipp Emanuel Bach 1774 in einem Brief an den Biografen seines berühmten Vaters so festgehalten: «Meines Vaters Portrait, welches ich in meiner musicalischen Bildergallerie, worin mehr als 150 Musicker von Profession befindlich sind, habe, ist in pastell gemahlt. Ich habe es von Berlin hierher zu Wasser bringen lassen, weil dergleichen Gemählde mit trocknen Farben das Erschüttern auf der Axe nicht vertragen können.»

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(sda/gku)