Die Flucht vor dem Regenwetter nördlich der Alpen hat von den Autoreisenden viel Geduld abverlangt. Am Samstag stauten sich die Autos vor dem Gotthard-Nordportal auf 15 Kilometern. Bis zu drei Stunden mussten die Sonnenhungrigen auf die Durchfahrt warten.

Und auch die Alternativroute über den San Bernardino war verstopft: Bis zu 15 Kilometern staute sich dort der Verkehr am Mittag, wie viasuisse mitteilte. Trotz gegenteiliger Empfehlung versuchten viele Reisende auf kleinere Strassen auszuweichen - mit der Folge, dass sich auch dort Staus bildeten. Erst am Nachmittag verringerten sich die Staus auf den beiden Hauptrouten in den Süden.

Noch eine Nacht mit viel Regen

Doch die Reise in den Süden dürfte sich lohnen, da südlich der Alpen ab Samstagnachmittag schönes Wetter gemeldet war. Anders nördlich der Alpen: Das umfangreiche und quasi-stationäre Tief, das seit Donnerstag das Wetter bestimmt, hat vor allem in der Nacht auf Samstag zu heftigen Niederschlägen geführt.

Vom Appenzellerland über die Linthebene bis zum Vierwaldstättersee wurden seit Donnerstagmittag zwischen 100 und 140 Millimeter Niederschlag gemessen, wie dem Naturgefahrenbulletin des Bundes vom Samstagmittag entnommen werden kann.

Noch keine Entwarnung

Gemäss SRFMeteo fielen in Gersau SZ knapp 149 Millimeter Regen. Luzern kam auf über 120 Millimeter, auf dem Weissenstein wurden 115 Millimeter Regen gemessen und in St. Gallen waren es auch über 100 Millimeter. Ein Drittel dieser Niederschläge fiel allein innerhalb von sechs Stunden während der Nacht auf (heute) Samstag.

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Und die Aussichten sind für die Alpennordseite düster: «Bis Mitternacht werden in den bereits am stärksten betroffenen Regionen weitere 20 bis 40 Millimeter erwartet, wobei ein Grossteil davon innert kürzester Zeit in Form von Platzregen zustande kommen dürfte», heisst es im Naturgefahrenbulletin. Die Behörden warnten vor Rutschungen und Murgängen, da die Böden bereits stark gesättigt sind.

Augenmerk auf Flüsse und Seen

Wegen des intensiven Regens galt für zahlreiche Fliessgewässer die Gefahrenstufe 2, was mässige Gefahr bedeutet. Obwohl die Abflüsse in der Nacht auf Samstag kurzzeitig zurückgingen, stiegen sie im Laufe des Samstags wieder an.

Aufgrund der Prognosen hat der Bund beschlossen, alle bestehenden Warnungen bis Sonntag zu verlängern. Am Hochrhein wurde die Gefahrenstufe 3 beibehalten. Neu wurden auch die Reuss und die kleine Emme mit der Stufe 2 bewarnt. Bei der Reuss schlossen die Behörden auch die Stufe 3 nicht aus.

Seen sind randvoll

Weiter angestiegen sind auch die Wasserstände der meisten grösseren Seen auf der Alpennordseite. Am Samstagvormittag lagen die beim Zürichsee und Vierwaldstättersee knapp unterhalb der Gefahrenstufe 2. Auch der Pegel des Thunersees lag relativ nah an der Gefahrenstufe 2.

«Am Zürichsee und am Vierwaldstättersee wird die Gefahrenstufe 2 voraussichtlich bis Samstagabend erreicht werden, wobei der Vierwaldstättersee bis zur Grenze der Stufe 3 ansteigen kann», heisst es im Naturgefahrenbulletin. Das bedeutet, dass die Gewässer lokal über die Ufer treten und exponierte Stellen überflutet werden können.

Hochwasser im Kanton Schwyz

Der Lauerzersee im Kanton Schwyz trat bereits in der Nacht auf Samstag über die Ufer und überschwemmte den Parkplatz in Seewen und einen Weg, wie die Kantonspolizei mitteilte. Feuerwehren mussten wegen lokaler Hochwasser ausrücken: Bäche traten über die Ufer und überschwemmten Strassen und Keller, wie die Kantonspolizei mitteilte.

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(sda/mbü)