Seit über 50 Jahren sucht Paul Theroux Abenteuer in aller Welt. In seinen Büchern beschreibt er Land und Leute, wie er sie im Zug, zu Fuss oder im Faltboot erlebt hat. Mehrere seiner Werke sind verfilmt worden. Am 10. April feiert der US-Autor seinen 75. Geburtstag.

Es gibt nur wenige Flecken auf der Erde, die Paul Theroux noch nicht erkundet hat. In mehr als 40 Büchern schildert er Menschen und Landstriche rund um den Globus. Um seine Abenteuerlust zu wecken, reiche ein Hinweis auf drohende Gefahr, auf Malaria, unfreundliche Leute oder entsetzliches Essen, sagte er einmal.

«Glück kommt von innen»

Umso mehr überrascht jetzt sein Bekenntnis, dass er eigentlich am liebsten zu Hause ist. «Glück kommt von innen», sagte der US-Reiseschriftsteller der Deutschen Presse-Agentur in New York kurz vor seinem 75. Geburtstag am 10. April.

«Glück ist, an einem sonnigen Morgen, nach einem guten Traum, aufzuwachen und die Vögel zwitschern zu hören(...).» Wenn er nicht auf Achse ist, lebt Theroux in Pupukea, einem Nest im Norden der Hawaii-Insel Oahu, paddelt im Pazifik und züchtet Hühner. Für den Sommer hat er ein Standbein auf Cape Cod an der amerikanischen Nordostküste.

Nicht, dass ihn die Ferne nicht mehr locke, sagte der Weltenbummler. Zu den Zielen, die ihn noch reizen, gehören das krisengerüttelte Swat-Tal in Pakistan, die Sachalin-Insel im äussersten Osten von Russland und die als Darién-Hindernis bekannte Lücke in der Panamericana, der ansonsten durchgehenden Strasse zwischen Nord- und Südamerika.

Ständige Reiz- und Gefahrensuche

International bekannt wurde Theroux Anfang der 70er Jahre mit dem Klassiker «The Great Railway Bazaar» (Deutsch: «Abenteuer Eisenbahn - auf Schienen um die halbe Welt»). Es schildert seine Zugreise von London über den Balkan, Vorder-, Zentral-, Süd- und Südostasien bis nach Japan und zurück durch die Sowjetunion.

«Die interessantesten Plätze (...) sind für mich genau die, vor denen mich andere warnen», sagt er. Auch beim Thema Sex ist Theroux unterwegs auf ständiger Reiz- oder Gefahrensuche. Generell helfe ein Blick auf die Pornografie eines Landes, um dessen Bevölkerung besser verstehen zu können.

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Witz und Mitgefühl würzen die Berichte des in Dutzenden Sprachen gelesenen Autoren. Wenig Sympathie hegt Theroux für organisierte Reisen in abgelegene Länder, obwohl sie oft als «Entwicklungshilfe» für deren Bewohner deklariert würden.

Karriere in Afrika gestartet

Von den vielen Romanen, die ebenfalls mit seinen Erfahrungen gespickt sind, endeten vier auf der Kinoleinwand: «Saint Jack» unter der Regie von Peter Bogdanovich, «Doctor laughter» (Filmtitel «Half Moon Street»), «Mosquito Coast» und «Kowloon Tong» über Grossbritanniens Übergabe von Hongkong an China mit dem Filmtitel «Chinese Box».

Als Sohn katholischer Eltern war Theroux mit fünf Geschwistern im US-Bundesstaat Massachusetts aufgewachsen. Nach dem Studium 1963 zog es ihn erstmals in die Fremde. Als Freiwilliger für die humanitäre Organisation Peace Corps unterrichtete er in Malawi (Südostafrika).

Es folgten Posten an der Makerere Universität in Uganda, wo sich Theroux mit dem späteren Nobel-Preisträger V.S. Naipaul anfreundete, sowie später in Singapur und London. Seine beiden Söhne aus erster Ehe, Marcel und Louis Theroux, sind erfolgreiche Fernsehreporter und -moderatoren in Grossbritannien.

(sda/gku/ama)