Von dem seit Samstag verschollenen malaysischen Flugzeug gibt es möglicherweise eine erste Spur. Aus malaysischen Militärkreisen verlautete am Dienstag, die Maschine habe die Strasse von Malakka an der Westküste Malaysias überflogen. Das ist allerdings weit entfernt von der Stelle östlich des Inselstaates, wo es den letzten Funkkontakt gab. Die Boeing 777-200ER war eine Stunde nach dem Start von den Radarschirmen verschwunden. Sie war mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Unter den Passagieren waren nach Polizeiangaben mindestens zwei Männer, die mit gestohlenen Pässen reisten. Einer von ihnen wurde als ein 19-jähriger Iraner identifiziert, der vermutlich illegal nach Deutschland weiterreisen wollte.

Die Maschine habe ihren Kurs geändert und die Flughöhe verringert, nachdem sie die Stadt Kota Bharu an der Ostküste überflogen habe, sagte ein Vertreter des malaysischen Militärs der Nachrichtenagentur Reuters. Die malaysische Zeitung «Berita Harian» zitierte Luftwaffenchef Rodzali Daud mit den Worten, die Maschine sei am Samstag um 02.40 Uhr nahe der Insel Pulau Perak am nördlichen Ende der Strasse von Malakka in 9000 Metern Höhe auf dem Militärradar aufgetaucht. Das wäre gut eine Stunde nachdem das Flugzeug vom Radar der zivilen Flugsicherung verschwand.

Letzter Funkkontakt vor Kota Bharu

Die vielbefahrene Schifffahrtsstrasse von Malakka liegt westlich der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur – entgegengesetzt zur Flugroute nach Peking. Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines hatte am Samstag erklärt, die Maschine habe zuletzt vor Kota Bharu Funkkontakt gehabt und sei auf den Radarschirmen gewesen. Sollte das Flugzeug über der Strasse von Malakka auf dem Radar aufgetaucht sein, spräche das für die These, dass die Piloten umgekehrt sind. Warum sie das hätten tun sollen, ist unklar. Es gab weder eine Meldung über technische Probleme noch einen Notruf.

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Die Nachricht, dass Passagiere mit falschen Pässen an Bord waren, hatte Spekulationen über eine Entführung oder einen Anschlag genährt. Dies wurde aber sowohl von der internationalen Polizeiorganisation Interpol wie auch von der malaysischen Polizei als unwahrscheinlich bezeichnet. Zwei Iraner, die in Doha ihre Reise angetreten hätten, seien in Kuala Lumpur mit einem gestohlenen italienischen und österreichischen Pass an Bord gegangen, sagte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble in Lyon. Sie seien wohl von Schleusern auf den Weg gebracht worden. «Je mehr Informationen wir erhalten, desto mehr neigen wir zu dem Schluss, dass es kein terroristischer Anschlag war», sagte Noble.

Iraner wollte mit falschem Pass nach Deutschland

Auch der malaysische Polizeichef Khalid Abu Bakar sagte, es sei unwahrscheinlich, dass der 19-jährige Iraner einer Terrorgruppe angehört habe. «Wir glauben, dass er nach Deutschland weiterreisen wollte.» Seine Mutter habe am Flughafen Frankfurt auf ihn gewartet und sei von den Behörden befragt worden.

Die Suche nach der Maschine, an der sich zehn Staaten beteiligten, wurde auf ein grösseres Gebiet im Golf von Thailand und im Südchinesischen Meer ausgeweitet. Vietnam erlaubte Schiffen und Flugzeugen aus Malaysia, Singapur, China und den USA, in seinen Hoheitsgewässern nach Wrackteilen zu suchen. «Bis jetzt gibt es trotz all unseren Anstrengungen sehr wenig Hoffnung auf gute Nachrichten über dieses Flugzeug«, sagte der Leiter des vietnamesischen Such- und Rettungseinsatzes. Auch an der Westküste Malaysias und weiter in Richtung Nordwesten in der Andaman-See wurde nach Trümmern des Flugzeuges gesucht. 

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(reuters/me)