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Trauer
Zürich nimmt leise Abschied von Udo Jürgens

Ein paar hundert Menschen haben im Zürcher Theater 11 Abschied genommen von Udo Jürgens, indem sie sich in Kondolenzbücher einschrieben. Es herrschte eine ausserordentlich stille Stimmung.

Veröffentlicht am 16.01.2015

Die roten Sessel sind leer, gedämpftes Licht erleuchtet den Theatersaal. Leise und gemessen klingt Klaviermusik – Melodien aus den mehr als 1000 Liedern des verstorbenen Künstlers. Auf der Bühne steht der schwarze Flügel von Udo Jürgens, bedeckt mit Blumen – so wie er es jeweils am Ende eines Konzerts war. Links daneben drei weisse Stehtische, auf jedem ein Kondolenzbuch.

Rechts vom Flügel ein überlebensgrosses Porträt des Verstorbenen – das gleiche wie auf dem Cover seines letzten Albums «Mitten im Leben». Daneben ein grosser Kranz aus weissen Blumen, auf der blauweissen Schleife ein Abschiedsgruss der Stadt Zürich, die Udo Jürgens im letzten Jahr die Ehrenmedaille für sein Lebenswerk verliehen hatte.

In Erinnerungen versunken

Langsam, in Einer-Reihe, steigen die Menschen die kurze Seitentreppe zur Bühne hinauf. Jeder wartet geduldig, bis die Reihe zum Eintrag in eines der Bücher an ihm ist. Viele fotografieren Bild, Kranz und Flügel. Einige haben Blumen mitgebracht, die sie nun vor dem Bild auf den Boden legen. Niemand spricht ein lautes Wort. Viele scheinen in Erinnerungen versunken. Die Trauer ist fast mit Händen zu greifen. Ein paar setzen sich nach dem Bucheintrag auf einen der Theatersessel. Hier und dort wird über Augen gewischt.

Auch im Foyer, wo die Menschen dichtgedrängt warten, bis sie in den Theatersaal eintreten können, ist es ganz ruhig. Die spärlichen Unterhaltungen werden leise geführt. Das Publikum ist sehr gemischt: Ältere, Jüngere, Frauen, Männer.

«Die Lieder haben mir geholfen»

Sie wolle «etwas abschliessen», sagt eine Frau. Deshalb sei sie hier. Und ein Mann erklärt, er liebe Musik und Texte von Udo Jürgens‘ Liedern. «Sie bedeuten mir viel und haben mir manchmal geholfen im Leben.»

Mehr als 50 Jahre lang hatte der Komponist, Pianist, Sänger und Entertainer Udo Jürgens die deutschsprachige Musikszene geprägt. Er veröffentlichte über 1000 Titel, mehr als 50 Alben und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger. Am 21. Dezember starb er völlig überraschend an einem plötzlichen Herzversagen. Zwei Wochen zuvor hatte der 80-Jährige im ausverkauften Zürcher Hallenstadion sein letztes Konzert gegeben.

Kondolenzbücher liegen am Samstag nochmals auf

Die Kondolenzbücher liegen in Zürich am Samstag (17. Januar) von 10-18 Uhr nochmals im Theater 11 gegenüber dem Hallenstadion auf. Auch in Berlin und Wien liegen an je zwei Tagen Kondolenzbücher auf.

Seine letzte Ruhestätte erhält der österreichisch-schweizerische Doppelbürger in Wien: Auf dem Zentralfriedhof wird seine Urne voraussichtlich im Frühling im engsten Kreis in einem Ehrengrab beigesetzt.

Vor dem öffentlichen Anlass hatte im Theater 11 eine Abschiedsveranstaltung stattgefunden für rund 200 geladene Gäste und Freunde, an der auch Udo Jürgens‘ Sohn John Jürgens teilnahm. Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch erinnerte an Jürgens als «aussergewöhnlichen Künstler» und «beeindruckende Persönlichkeit».

(sda/ise)

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