Die Zustimmungswerte für Präsident Biden sind erheblich niedriger als bei seinem Amtsantritt im Jahr 2020. Er ist zwar nicht über Misserfolge oder Skandale gestolpert, Wählerschaft und Kongress sind aber gespalten. Zudem sind viele der Ansicht, dass Biden für eine zweite Amtszeit schlicht zu alt ist. Die impliziten Wahrscheinlichkeiten der aktuellen Wettquoten gehen aber dennoch knapp von einer Wiederwahl Bidens aus. Grund dafür sind jedoch vorwiegend die juristischen Probleme, mit denen der frühere Präsident Trump konfrontiert ist, der sich derzeit in vielen wichtigen Swing-Staaten durchaus höherer Beliebtheit als Biden erfreut. Ein historischer Vergleich der Zustimmungswerte am Ende der Amtszeiten amerikanischer Präsidenten zeigt, dass Biden der erste Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg wäre, der bei derart niedrigen Zustimmungsraten wiedergewählt würde.

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Der Gastautor: Christian Gattiker, Leiter Research und Chefstratege, Julius Bär

Bidens geringe Popularität könnte aber auch dazu führen, dass viele Wähler der Demokraten gar nicht wählen gehen, während Trump seine rechtlichen Probleme überstehen und sogar instrumentalisieren könnte, um schliesslich von einer höheren Wahlbeteiligung zu profitieren. Auch wenn hinsichtlich des Kandidaten der Republikaner weiterhin viele Unsicherheiten bestehen, scheint die Partei auf Trump als Zugpferd zu setzen, umso mehr, als es für die Vorwahlen keinen echten Herausforderer gibt. Dass die US-Wirtschaft stark ist und die höheren Zinssätze gut verkraftet, wirkt sich für Biden positiv aus.

Entscheidend für die Zustimmungswerte eines Präsidenten sind jedoch die Inflation und die Benzinpreise, die im historischen Vergleich immer noch recht hoch sind. Zudem dürfte sich das Wachstum in den USA 2024 verlangsamen und könnte dazu führen, dass diese Unterstützung für Biden schwindet. Im Hinblick auf die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen würde eine Rückkehr Trumps die politische Unberechenbarkeit erhöhen, besonders in der Aussenpolitik. Bei Trumps konfrontativeren Haltung gegenüber China ist hier aber kaum eine wesentliche Veränderung zu erwarten.

Im Falle einer Wiederwahl Bidens und einer ausreichenden Unterstützung durch den Kongress sehen wir die Gefahr, dass die Fiskalpolitik sehr expansiv bleibt, was die Risiken für die finanzielle Stabilität erhöhen und auch zu einem Risiko für den US-Dollar werden kann.