Es ist die grösste Übernahme in der Geschichte der Swisscom: Acht Milliarden Euro in bar zahlt der Konzern, der mehrheitlich in Staatsbesitz ist, für den Mobilfunkanbieter Vodafone Italia (4,4 Milliarden Euro Umsatz). Zusammen mit den Festnetzaktivitäten der Swisscom-Tochter Fastweb (2,6 Milliarden Euro Umsatz) werden die beiden der zweitgrösste Player nach Telecom Italia. Der Deal, so hört man aus der Teppichetage der Swisscom, sei vom Management unter CEO Christoph Aeschlimann von langer Hand vorbereitet worden: «Es gab seit Jahren Gespräche.» Möglich wurde er nun, weil der neue Grossaktionär von Vodafone, Etisalat aus Dubai, Expansionsmöglichkeiten eher im Mittleren Osten und in Afrika sieht statt in Europa und dafür Gelder freimachen will.

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Klar ist aber auch: Wäre Telekom-Unternehmer Xavier Niel mit seinem Gebot über 10,5 Milliarden Euro (davon aber nur 6,6 Milliarden in Cash) erfolgreich gewesen, wäre Fastweb massiv unter Druck gekommen: Niels Iliad ist in Italien grösser als Fastweb. Die Akquisition ist damit ebenso ein defensiver wie ein offensiver Move. «Zudem wird in Italien in den nächsten Jahren kein anderer Player auf den Markt kommen», hört man. Die Swisscom kann den Deal über Schulden finanzieren, die erwarteten Synergien sollen 600 Millionen Euro pro Jahr betragen. Im VR unter Präsident Michael Rechsteiner war der Deal unbestritten, schnell konnte auch Bundesrat Albert Rösti überzeugt werden: «Er hat sofort gesehen, dass der Deal betriebswirtschaftlich Sinn macht», hört man. Intern offen ist, wer die Fusion durchführen soll: Fastweb-Chef Walter Renna ist erst seit November im Amt, sein Gegenstück bei Vodafone Italia, Aldo Bisio, wird demnächst 64. Auch externe Kandidaten werden geprüft. 

Im Lauf des Jahres soll die Eignerstrategie des Bundes turnusmässig geprüft werden. Auch wenn bürgerliche Kreise nun erneut auf eine Privatisierung der Swisscom drängen: Dort rechnet man nicht mit einer Änderung der 51-Prozent-Mehrheit.

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