MA, MSc, MAS oder (E)MBA: Wegweiser durch Master-Dschungel

Ein Master ist nicht gleich Master. Seit der Bologna-Reform gibt es einige gewichtige Unterschiede.

VonAdrian Sulzer *
27.04.2011

Seit Universitäten und Fachhochschulen hierzulande gleichermassen Master-Studiengänge anbieten, herrscht eine gewisse Verwirrung: Welcher Master darf es denn sein? Entscheidend dafür sind sowohl Vorbildung als auch Qualifikation, aber ebenso die persönliche fachliche Zielsetzung.

Man wird den Eindruck nicht los, dass das akademische Leben immer komplizierter wird. Es ist noch nicht lange her, als es nur eine Himmelsleiter gab, und die führte an einer Universität zum Lizenziat. In den letzten 20 Jahren wurde die höhere Bildung in der Schweiz kräftig durchgeschüttelt. Die Zeichen stehen auf Harmonisierung, geprägt durch die Bologna-Reform und das damit verbundene ECTS-Punktesystem. Europaweit harmonisiert lassen sich – wenigstens theoretisch – alle Studiengänge miteinander vergleichen. Mit der Bologna-Reform wurde auch der Inbegriff des Universitätsabschlusses hinfällig: Das Lizenziat. Es wurde abgelöst durch den neudeutschen Master.

Doch nicht überall, wo Master draufsteht, steckt dasselbe drin. Die Bezeichnung gilt für verschiedene Programmtypen, sodass erst die begriffliche Spezifikation Aufschluss über Art und Ausgestaltung eines Studiengangs gibt.
 

Grafik «Eintritte nach Hochschulen» anschauen

Für höhere Aufgaben qualifizieren

Zeit also, etwas Ordnung zu schaffen: Was früher das Lizenziat, ist heute für geisteswissenschaftliche Disziplinen der Master of Arts (MA) bzw. der Master of Science (MSc) für Naturwissenschaften und Wirtschaft. Andere Disziplinen haben eigene Titel (MLaw oder MMed). Doch alle bezeichnen konsekutive Master-Studiengänge, die direkt an das Bachelor-Studium anschliessen, zur akademischen Grundausbildung zählen und staatlich subventioniert sind. Ein konsekutiver Master hat vor allem zum Ziel, die wissenschaftlich ausgerichtete Grundausbildung zu vertiefen. Fachhochschulen und Universitäten bieten solche Programme an. Studierende von Universitäten schliessen in der Regel mit dem entsprechenden Master ab, während die meisten Studierenden von Fachhochschulen diese bereits nach dem abgeschlossenen Bachelor-Studium verlassen. Allerdings kehren viele Fachhochschulabsolventen nach einigen Jahren im Berufsleben zurück, um sich durch einen Master of Advanced Studies (MAS) für höhere Aufgaben zu qualifizieren. Auch der MAS ist ein eidgenössisch und international anerkannter Abschluss, der den Bologna-Richtlinien entspricht.

Er ist als berufsbegleitender Weiterbildungsstudiengang für gestandene Fachleute konzipiert. Die Studiengebühren sind deutlich höher als bei einem konsekutiven MA oder MSc, da ein MAS nicht subventioniert wird. Zwar bieten auch Universitäten MAS-Studiengänge an, doch der hohe Praxisbezug entspricht ideal dem Charakter von Fachhochschulen, wo Anwendungsorientierung vorherrscht.

Daher übersteigt die Zahl der dort angebotenen MAS diejenige der konsekutiven Studiengänge meist um ein Vielfaches: Womit wir beim nächsten Master angelangt sind, der allerdings nur für Wirtschaftshochschulen relevant ist, dem (Executive) Master of Business Administration, kurz (E)MBA. Dieser anspruchsvolle und intensive Lehrgang vermittelt in erster Linie Management- und Führungswissen, vertieft anhand realer Praxisfälle. Aufgrund der hohen beruflichen Qualifikation der Teilnehmenden geniesst auch das Knüpfen persönlicher Kontakte einen grossen Stellenwert. Viele Fachhochschulen und Universitäten haben ein (E)MBA, wobei der Studiengang meist das Flaggschiff der angebotenen Wirtschaftslehrgänge ist. Das liegt auch am hohen Renommee, das der Titel weltweit geniesst.
 

Es gibt beim Titel nur ein «anders»

Wer einen Master-Abschluss anstrebt, sollte sich also genau informieren. Bezüglich Titel gibt es kein «besser» oder «schlechter», sondern nur ein «anders». Und letztlich ist nicht der angestrebte Titel entscheidend, wichtiger sind Inhalt und Aufbau des Studiengangs sowie die Qualität des Instituts und der Dozierenden.
 

*Adrian Sulzer, stv. Leiter Kommunikation, ZHAW School of Management and Law (SML), Winterthur.

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Seit Universitäten und Fachhochschulen hierzulande gleichermassen Master-Studiengänge anbieten, herrscht eine gewisse Verwirrung: Welcher Master darf es denn sein? Entscheidend dafür sind sowohl Vorbildung als auch Qualifikation, aber ebenso die persönliche fachliche Zielsetzung.

Man wird den Eindruck nicht los, dass das akademische Leben immer komplizierter wird. Es ist noch nicht lange her, als es nur eine Himmelsleiter gab, und die führte an einer Universität zum Lizenziat. In den letzten 20 Jahren wurde die höhere Bildung in der Schweiz kräftig durchgeschüttelt. Die Zeichen stehen auf Harmonisierung, geprägt durch die Bologna-Reform und das damit verbundene ECTS-Punktesystem. Europaweit harmonisiert lassen sich – wenigstens theoretisch – alle Studiengänge miteinander vergleichen. Mit der Bologna-Reform wurde auch der Inbegriff des Universitätsabschlusses hinfällig: Das Lizenziat. Es wurde abgelöst durch den neudeutschen Master.

Doch nicht überall, wo Master draufsteht, steckt dasselbe drin. Die Bezeichnung gilt für verschiedene Programmtypen, sodass erst die begriffliche Spezifikation Aufschluss über Art und Ausgestaltung eines Studiengangs gibt.
 

Grafik «Eintritte nach Hochschulen» anschauen

Für höhere Aufgaben qualifizieren

Zeit also, etwas Ordnung zu schaffen: Was früher das Lizenziat, ist heute für geisteswissenschaftliche Disziplinen der Master of Arts (MA) bzw. der Master of Science (MSc) für Naturwissenschaften und Wirtschaft. Andere Disziplinen haben eigene Titel (MLaw oder MMed). Doch alle bezeichnen konsekutive Master-Studiengänge, die direkt an das Bachelor-Studium anschliessen, zur akademischen Grundausbildung zählen und staatlich subventioniert sind. Ein konsekutiver Master hat vor allem zum Ziel, die wissenschaftlich ausgerichtete Grundausbildung zu vertiefen. Fachhochschulen und Universitäten bieten solche Programme an. Studierende von Universitäten schliessen in der Regel mit dem entsprechenden Master ab, während die meisten Studierenden von Fachhochschulen diese bereits nach dem abgeschlossenen Bachelor-Studium verlassen. Allerdings kehren viele Fachhochschulabsolventen nach einigen Jahren im Berufsleben zurück, um sich durch einen Master of Advanced Studies (MAS) für höhere Aufgaben zu qualifizieren. Auch der MAS ist ein eidgenössisch und international anerkannter Abschluss, der den Bologna-Richtlinien entspricht.

Er ist als berufsbegleitender Weiterbildungsstudiengang für gestandene Fachleute konzipiert. Die Studiengebühren sind deutlich höher als bei einem konsekutiven MA oder MSc, da ein MAS nicht subventioniert wird. Zwar bieten auch Universitäten MAS-Studiengänge an, doch der hohe Praxisbezug entspricht ideal dem Charakter von Fachhochschulen, wo Anwendungsorientierung vorherrscht.

Daher übersteigt die Zahl der dort angebotenen MAS diejenige der konsekutiven Studiengänge meist um ein Vielfaches: Womit wir beim nächsten Master angelangt sind, der allerdings nur für Wirtschaftshochschulen relevant ist, dem (Executive) Master of Business Administration, kurz (E)MBA. Dieser anspruchsvolle und intensive Lehrgang vermittelt in erster Linie Management- und Führungswissen, vertieft anhand realer Praxisfälle. Aufgrund der hohen beruflichen Qualifikation der Teilnehmenden geniesst auch das Knüpfen persönlicher Kontakte einen grossen Stellenwert. Viele Fachhochschulen und Universitäten haben ein (E)MBA, wobei der Studiengang meist das Flaggschiff der angebotenen Wirtschaftslehrgänge ist. Das liegt auch am hohen Renommee, das der Titel weltweit geniesst.
 

Es gibt beim Titel nur ein «anders»

Wer einen Master-Abschluss anstrebt, sollte sich also genau informieren. Bezüglich Titel gibt es kein «besser» oder «schlechter», sondern nur ein «anders». Und letztlich ist nicht der angestrebte Titel entscheidend, wichtiger sind Inhalt und Aufbau des Studiengangs sowie die Qualität des Instituts und der Dozierenden.
 

*Adrian Sulzer, stv. Leiter Kommunikation, ZHAW School of Management and Law (SML), Winterthur.

Meistgelesen

Krisen sind Bestandteil des Finanzsystems
Gastkolumne

Es herrscht Selbstgefälligkeit in der Politik. Dabei löst die lockere Geldpolitik keine Probleme, sie verschiebt sie in die Zukunft. Und »Erfolgsstorys» wie Irland sind in Wirklichkeit kein Erfolg. Mehr...

VonSteen Jakobsen
24.10.2014
Happy End für Ex-Botschafterfrau Shawne Fielding
Rosenkrieg

Ex-Botschafter Thomas Borer zieht die Strafanträge gegen seine Ex-Frau Shawne Fielding zurück - verurteilt wurde sie dennoch. Damit ist der mediale Ehekrach des einstigen Glamour-Paars beendet. Mehr...

24.10.2014
Schock bei Sarasin: Schweiz hilft deutschen Ermittlern
Razzia

Deutsche Steuerfahnder erhalten erstmals durch ihre Schweizer Kollegen Rechtshilfe in einem deutschen Mega-Steuerfall. Es geht um fragwürdige Börsengeschäfte mit Dutzenden Verdächtigen. Mehr...

23.10.2014
Vontobel-Banker wegen Hoeness-Affäre verhaftet
Justiz

Der Vontobel-Banker Jürg Hügli ist in Warschau festgenommen worden. Er hatte seit den 1990er-Jahren die Finanzgeschäfte von Hoeness betreut, nun soll auch gegen ihn ein Verfahren eröffnet werden. Mehr...

23.10.2014
Bis 2030 soll sich die weltweit installierte Wind-Leistung verfünffachen
Aktien

Die Geschäfte der Hersteller von Windkraftanlagen florieren, und die Perspektiven sind rosig. Welche Aktien im Sektor besonders vielversprechend sind. Mehr...

VonChristian Ingerl
24.10.2014
Sorgen die Schweizer für Strafzinsen und teures Gold?
Referendum

Die Gold-Initiative könnte laut Experten für Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen. Goldpreis und Frankenkurs werden bei einem «Ja» durcheinander gewirbelt – und der Schweiz drohen Negativzinsen. Mehr...

VonMathias Ohanian
24.10.2014
Ecopop würde derzeit mit 58 Prozent abgelehnt
SRG-Umfrage

Die Gegner der Ecopop-Initiative liegen rund fünf Wochen vor dem Abstimmungs-Wochenende in Front. Auch die Goldinitiative würde heute angenommen und die Pauschalsteuer abgeschafft. Mehr...

24.10.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      
 

Nestlé eröffnet Abfüllanlage in Äthiopien. Mehr

Swisscom hat Grosskunden im Visier. Mehr

Bruder von TV-Star Vujo Gavric sorgt für Eklat. Mehr

Diese Probleme lasten auf den Börsen. Mehr

Jungunternehmer bedrängen gemütliche Banken. Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...