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Darum hat Wladimir Putin so grossen Appetit auf Gold

Glänzend

Russland ist in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Trotzdem kauft das Land in grossem Stil Gold. Welches Kalkül steckt hinter der teuren und auf den ersten Blick widersinnigen Aktion?

VonStefan Beutelsbacher und Holger Zschäpitz («Die Welt»)
27.02.2016
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Es ist ein stiller Angriff auf die Übermacht des Dollar. Eine Unabhängigkeitserklärung, ausgerufen im Geheimen. Russlands Präsident Wladimir Putin kauft derzeit Gold – ohne grosses Aufsehen, aber in grossem Stil: Um 20 Tonnen hat er die Reserven im Januar aufstocken lassen, so viel wie lange nicht. Der Bestand liegt nun bei mehr als 1300 Tonnen. Während die Politik einen neuen Kalten Krieg zwischen Moskau und dem Westen fürchtet, hat er im Finanzsektor längst begonnen.

Dort versucht Putin, die Übermacht Amerikas und Europas zu brechen. Wer Gold kauft, verringert die Dominanz der westlichen Währungen. Das ist sein Kalkül. Dahinter verbirgt sich nichts weniger als die Formulierung eines globalen Machtanspruchs. Ökonomische Gründe hat die Aufstockung der Reserven wohl kaum. Russland befindet sich in der schwersten wirtschaftlichen Krise seit den 90er-Jahren, der Rubel fällt und fällt – das Land könnte daher jeden Dollar gut gebrauchen.

In zehn Jahren vervierfacht

Aber Putin vergrössert lieber den Goldschatz. Seit 2005 hat sich der Bestand annähernd vervierfacht. Allein in den vergangenen zwölf Monaten wuchs er um mehr als 200 Tonnen. Putin will sich vom Dollar lossagen – koste es, was es wolle. Von «Geld als Finanzwaffe» sprechen Experten wie Ian Bremmer, Chef des amerikanischen Analysehauses Eurasia. Tatsächlich nutzte Washington in der Vergangenheit den Dollar, um Russland unter Druck zu setzen.

Die Sanktionen, die der Westen in der Krim-Krise verhängte, machten es russischen Unternehmen unmöglich, auf den internationalen Märkten Kredite aufzunehmen, denn die werden üblicherweise in Dollar gehandelt. Jetzt will Putin die Abhängigkeit von der globalen Leitwährung verringern.

Gold wird im Krieg zur Versicherung

Russland hat sich an vielen Orten in Konflikte verstrickt. In Georgien verschieben Putins Truppen die russische Grenze ins Landesinnere, Kilometer um Kilometer, von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt. In die Ukraine sind sie einmarschiert, in Syrien bombardieren sie Munitionsdepots und Treibstofflager des Islamischen Staates – und wohl auch die Opposition, um Machthaber Baschar al-Assad zu stützen.

In dieser Lage ist Gold Putins Versicherung. Das Metall ist weltweit anerkannt, begehrt und nicht beliebig vermehrbar. Staaten, die Gold kaufen, verlieren ein Stück Liquidität, denn die Barren kann man nicht verschieben wie Aktienvermögen, auch werfen sie keine Zinsen ab – im Gegenzug schotten sie aber ab, gegen das Auf und Ab der Devisenmärkte. Damit bietet das Gold Russland einen Schutz gegen Krisen. Oder andersherum: Der Goldkauf könnte von Putins Willen künden, auch in Zukunft eine aggressive Aussenpolitik zu betreiben. Warum sollte jemand, der an den Frieden glaubt, die Krisenwährungsreserven vergrössern?

Kasachstan und Kirgistan ziehen mit

Seit dem Kaukasuskrieg im Jahr 2008 erhöht Moskau die Bestände stetig. Damals besetzten russische Soldaten Gebiete in Georgien. Während der Ukraine-Krise nahmen die Ankäufe noch einmal zu. Auffällig ist, dass auch andere Staaten in Putins Einflusszone ihre Goldlager füllen. Kasachstan, eine ehemalige Sowjetrepublik, die nun zu der von Putin gegründeten Eurasischen Wirtschaftsunion gehört, hat den 40. Monat in Folge eingekauft – offenbar strahlt Moskaus Macht bis dorthin aus.

Auch hier können wirtschaftliche Gründe nicht den Ausschlag gegeben haben. Die Währung des Landes, der Tenge, hat auf Jahressicht zum Dollar 47,1 Prozent an Wert eingebüsst – so viel wie keine andere Währung. Erst vor wenigen Tagen stufte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Kasachstan deshalb auf den Status BBB- zurück, eine Stufe über Ramschstatus. Ausblick: negativ. Ramsch ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Auch ein weiteres Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion weitet seinen Goldbesitz aus. In den Tresoren Kirgistans lagen im Januar sechs Prozent mehr Barren als im Vorjahr.

China ist noch offensiver

Nur ein Land kauft noch rauschhafter Gold als Russland. Gleich um 62 Prozent erhöhte China seine Reserven. Sie liegen nun bei fast 1600 Tonnen – Platz fünf in der weltweiten Rangliste. Russland liegt auf Platz sechs. Amerika, Deutschland, Italien und Frankreich belegen die ersten Plätze. Sie haben ihre Bestände allerdings seit längerer Zeit nicht mehr aufgestockt.

Während die westlichen Länder ihre Bestände seit längerer Zeit nicht mehr aufgestockt haben, sind es vor allem die Schwellenländer, die ihre Gold-Positionen ausbauen. Offensichtlich haben die aufstrebenden Nationen das Vertrauen in das von den Industriestaaten dominierte Finanzsystem verloren. Schliesslich ist die Verschuldung in den westlichen Ländern seit den 70er-Jahren kontinuierlich gestiegen.

Vertauensbeweis für den Goldmarkt

Für den Goldmarkt sind die Käufe Russlands und Chinas ein Vertrauensbeweis. Sie zeigen, dass eine Nachfragegruppe weiter aktiv ist, auch wenn es Russland, China & Co. wirtschaftlich nicht gut geht und sie sich die Goldkäufe eigentlich nicht leisten können.

Die Meldungen aus Russland haben den Edelmetallpreis beflügelt. Der Preis für die Feinunze kletterte vorübergehend über die Marke von 1250 Dollar. Seit Jahresanfang hat der Unzenpreis um nahezu 18 Prozent zugelegt. Es ist der beste Jahresstart seit 2012. Die Chinesen dürften die Motive der Russen weitgehend teilen. Auch sie streben eine grössere Unabhängigkeit vom Dollar an – und damit von Amerika.

Dieser Artikel ist zuerst in unserer Schwester-Publikation «Die Welt» unter dem Titel «Warum Putin gerade wie im Rausch Gold kauft» erschienen.

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