Meistgelesen

Wenn China kränkelt, betrifft das auch die Schweiz
Globalisiert

Die Lage in der Volksrepublik verunsichert Anleger weltweit. Eine China-Krise würde auch die Schweizer Wirtschaft treffen. Die Exporte nach China sind in den letzten Jahren explodiert. Mehr...

06:03
Markt

Am Immobilienmarkt wächst die Anspannung, berichten die ETH Zürich und Comparis gemeinsam. Sie stellten fest, wo in der Schweiz die Preise im Langzeitvergleich am stärksten zugelegt haben. Mehr...

VonJulia Fritsche
26.08.2015
Thal SG

Südländisches Flair, Bodenseesicht und Aussenpool bietet die Liegenschaft aus dem Jahr 1989. Das grosse Grundstück von über 1'700 Quadratmetern bietet viel Privatsphäre. Mehr...

26.08.2015
Aktienkauf im Crash: Wo Analysten zur Vorsicht raten
Börse

Mitten im China-Crash beschäftigt die Frage: Wann ist der Zeitpunkt, um wieder Aktien zu kaufen? Experten raten zur Vorsicht - und nennen Werte, auf die man trotzdem setzen kann. Mehr...

VonChristian Bütikofer
26.08.2015
Genfersee-Multis drohen mit Abzug aus der Schweiz
Unsicherheit

Die multinationalen Firmen am Genferseebogen fordern von der Politik rasche Lösung von offenen Fragen. Sorgen bereiten die Begrenzung der Zuwanderung und die Reform der Unternehmenssteuern. Mehr...

25.08.2015
Darum blickt die Finanzwelt auf Jackson Hole
Zinswende

Das wichtigste Notenbanker-Treffen muss ohne Fed-Chefin Yellen auskommen. Dennoch steht die Konferenz in Jackson Hole unter der Frage nach dem Fed-Zinsentscheid. Das ist auch für die Schweiz wichtig. Mehr...

VonKaren Merkel
09:50
LafargeHolcim macht Zement mit Turnschuhen
Nachhaltigkeit

Die Produktion von Zement ist energieintensiv und äusserst belastend für die Umwelt. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, setzt LafargeHolcim auf Recycling von Industriemüll. Mehr...

VonMarc Iseli
12:43

Anzeige

Ehrlichkeit: «Steuerhinterziehung ist ein Volkssport»

Schumacher, Beckenbauer und Becker sind Vorbild von Unternehmern, Architekten oder Zahnärzten. Sie sparen Steuern.

VonMarcus Pfeil und Daniel Schönwitz (Interview)
23.07.2012

Frank Wehrheim hat 28 Jahre lang bei der hessischen Steuerfahndung gearbeitet. Vor drei Jahren wechselte er die Seiten und arbeitet seither als selbstständiger Steuerberater. Seine Erlebnisse hat er im Buch «Inside Steuerfahndung» verarbeitet.

Ist Deutschland ein Steuerparadies?
Frank Wehrheim:
Das muss wohl so sein, aber nicht nur für die Deutschen. Auch Ausländer sparen mit ihrem Geld gerne in Deutschland Steuern, übrigens auch Schweizer.

Sie haben 28 Jahre lang Steuerhinterzieher gejagt. Wie steht es um die Steuermoral der Deutschen?
Die ist nicht besonders ausgeprägt. Aber das ist ja auch kein Wunder in einem Land, das Weltmeister der Steuergesetzgebung ist. Steuervermeidung und Steuerhinterziehung sind immer eine Frage der Gelegenheit, die Diebe macht, und der Vorbilder. Wenn Prominente wie Franz Beckenbauer, Michael Schumacher oder Boris Becker ihr Geld an ihrem Wohnsitz in Österreich oder der Schweiz versteuern, dann fördert das bei Otto Normalverbraucher nicht gerade die Bereitschaft, die Putzfrau anzumelden. Steuerhinterziehung ist in Deutschland ein Volkssport, das fängt beim Taxifahrer an, der gegen ein Trinkgeld seinen Preis auf dem Beleg verdoppelt, und hört beim Kellner auf, der einem Unternehmer den Beleg aufdrängt, obwohl der erkennbar seiner Geliebten gegenübersass.

Ihr skurrilster Fall?
Bei einem Architekten habe ich mal ein Geschäftsbuch gefunden, in das er zwei Spalten eingetragen hatte: «Fürs Finanzamt, für mich.» Das hat schon für Schadenfreude gesorgt.

In der Gastronomie, wo viel mit Bargeld bezahlt wird, dürfte das gang und gäbe sein. Gibt es eine Branche, die besonders gerne Steuern hinterzieht?
So weit würde ich nicht gehen, das zieht sich durch alle Schichten, auch wenn wir in den 1980er-Jahren häufig ­gegen Zahnärzte und Dentallabors er­mittelten. Manche sammelten den Goldstaub und die Reste alter Kronen ein und schmolzen es gegen Verrechnungsschecks bei Scheidefirmen wie Heraeus ein. Diese Schecks fielen in den Büchern fast nie auf. Beliebt bei Zahnärzten ist auch, Zahngold über Jahre einzukaufen und als Betriebsausgabe abzusetzen, es aber nicht zu ­verarbeiten. Inzwischen müssen Labors Goldabfälle erfassen. Der Trick funktioniert immer noch, aber nicht mehr so gut.

Was funktioniert heute noch gut?
Beliebt sind nach wie vor Partnerfirmen, die gegen Zahlung einer Provision fingierte Rechnungen aus jedem beliebigen Land ausstellen. Da kann man nichts ausrichten, so weit ist die Amtshilfe mit Vietnam zum Beispiel noch nicht.

Die perfekte Steuerhinterziehung?
Jede Steuerhinterziehung, die geklappt hat, ist perfekt. Und die wirklich guten habe ich auch nicht bemerkt. Ich erinnere mich an eine Selbstanzeige. Da hatten sich zwei Geschäftsfreunde über mehrere Instanzen um eine Provisionsrechnung gestritten. Am Ende zahlte der eine dem anderen die Provision und setzte diese als Betriebsausgabe ab. Nur existierte weder das Geschäft noch der Streit. Der war inszeniert. Das ist eine Art von Hinterziehung, die sich nicht beliebig oft wiederholen lässt.

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema
Stichworte:
Steuerstreit

Frank Wehrheim hat 28 Jahre lang bei der hessischen Steuerfahndung gearbeitet. Vor drei Jahren wechselte er die Seiten und arbeitet seither als selbstständiger Steuerberater. Seine Erlebnisse hat er im Buch «Inside Steuerfahndung» verarbeitet.

Ist Deutschland ein Steuerparadies?
Frank Wehrheim:
Das muss wohl so sein, aber nicht nur für die Deutschen. Auch Ausländer sparen mit ihrem Geld gerne in Deutschland Steuern, übrigens auch Schweizer.

Sie haben 28 Jahre lang Steuerhinterzieher gejagt. Wie steht es um die Steuermoral der Deutschen?
Die ist nicht besonders ausgeprägt. Aber das ist ja auch kein Wunder in einem Land, das Weltmeister der Steuergesetzgebung ist. Steuervermeidung und Steuerhinterziehung sind immer eine Frage der Gelegenheit, die Diebe macht, und der Vorbilder. Wenn Prominente wie Franz Beckenbauer, Michael Schumacher oder Boris Becker ihr Geld an ihrem Wohnsitz in Österreich oder der Schweiz versteuern, dann fördert das bei Otto Normalverbraucher nicht gerade die Bereitschaft, die Putzfrau anzumelden. Steuerhinterziehung ist in Deutschland ein Volkssport, das fängt beim Taxifahrer an, der gegen ein Trinkgeld seinen Preis auf dem Beleg verdoppelt, und hört beim Kellner auf, der einem Unternehmer den Beleg aufdrängt, obwohl der erkennbar seiner Geliebten gegenübersass.

Ihr skurrilster Fall?
Bei einem Architekten habe ich mal ein Geschäftsbuch gefunden, in das er zwei Spalten eingetragen hatte: «Fürs Finanzamt, für mich.» Das hat schon für Schadenfreude gesorgt.

In der Gastronomie, wo viel mit Bargeld bezahlt wird, dürfte das gang und gäbe sein. Gibt es eine Branche, die besonders gerne Steuern hinterzieht?
So weit würde ich nicht gehen, das zieht sich durch alle Schichten, auch wenn wir in den 1980er-Jahren häufig ­gegen Zahnärzte und Dentallabors er­mittelten. Manche sammelten den Goldstaub und die Reste alter Kronen ein und schmolzen es gegen Verrechnungsschecks bei Scheidefirmen wie Heraeus ein. Diese Schecks fielen in den Büchern fast nie auf. Beliebt bei Zahnärzten ist auch, Zahngold über Jahre einzukaufen und als Betriebsausgabe abzusetzen, es aber nicht zu ­verarbeiten. Inzwischen müssen Labors Goldabfälle erfassen. Der Trick funktioniert immer noch, aber nicht mehr so gut.

Was funktioniert heute noch gut?
Beliebt sind nach wie vor Partnerfirmen, die gegen Zahlung einer Provision fingierte Rechnungen aus jedem beliebigen Land ausstellen. Da kann man nichts ausrichten, so weit ist die Amtshilfe mit Vietnam zum Beispiel noch nicht.

Die perfekte Steuerhinterziehung?
Jede Steuerhinterziehung, die geklappt hat, ist perfekt. Und die wirklich guten habe ich auch nicht bemerkt. Ich erinnere mich an eine Selbstanzeige. Da hatten sich zwei Geschäftsfreunde über mehrere Instanzen um eine Provisionsrechnung gestritten. Am Ende zahlte der eine dem anderen die Provision und setzte diese als Betriebsausgabe ab. Nur existierte weder das Geschäft noch der Streit. Der war inszeniert. Das ist eine Art von Hinterziehung, die sich nicht beliebig oft wiederholen lässt.

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

 

Unsere Partner      
 

Flughafenchef erwartet Glanzstart von «Circle» Mehr

Ex-UBS-Händler wehrt sich gegen US-Anklage Mehr

China: Die rote Gefahr für die Schweiz Mehr

Arbonia Forster will dank Billigarbeit wachsen Mehr

«SRG darf online keine Werbung schalten» Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

  • 1 Jahr (50 Ausgaben) CHF 259.-
  • Halbjahres-Abo (25 Ausgaben) CHF 139.-
  • Test-Abo (8 Ausgaben) CHF 20.-
    Zu den Abonnementen!

 

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...

 

Startseite

Jetzt in den App Stores!

Wirtschaft für unterwegs.