Meistgelesen

Anleger setzen darauf, dass EMS den Widerstand um 420 Franken jetzt knacken kann
Anlage

«Charttechnik ist eine Wissenschaft, die vergeblich sucht, was Wissen schafft», sagt Kostolany. Dennoch schafften unsere 2014er-Kandidaten «für den Ausbruch» einen starken Lauf. Die Favoriten 2015. Mehr...

VonGeorg Pröbstl
18:43
Die Aufnahme in den Stoxx Europe 600 beflügelt die AMS-Aktie.
Musterdepot

Eine weitere starke Woche im Depot. Zwar können alle Titel im Portfolio mehr oder weniger stark zulegen, doch BB Biotech und AMS schiessen regelrecht ab. Mit weiteren Steigerungen ist zu rechnen. Mehr...

VonGeorg Pröbstl
09:14
Darum entging der Schweiz der Mega-Deal mit Apple
Investion

Apple investiert so viel wie nie in Rechenzentren in Europa. Die Schweiz geht dabei leer aus, obwohl die Vorhaben genau dem Standortprofil entsprechen. Warum wurde die Chance verpasst? Mehr...

VonKaren Merkel
25.02.2015
Dänemark schafft, woran die SNB scheiterte
Geld

Nach dem Ende der Frankengrenze zweifelten Investoren plötzlich an Dänemarks Euro-Bindung. Nun scheinen die Dänen den Kampf gegen die Spekulanten zu gewinnen – sie hatten es aber leichter als die SNB. Mehr...

VonMarc Iseli
09:05
Bank of Ireland mit erstem Plus seit Finanzkrise
Zahlen

Die staatlich gestützte Bank of Ireland hat das erste Mal seit der Finanzkrise wieder schwarze Zahlen geschrieben. Die wirtschaftliche Erholung des Landes hat die Bank vorangebracht. Mehr...

15:33
SNB-Schock: Nun hat die Woche 43 Stunden und mehr
Umbruch

Lähmung nach dem Frankenschock? Mitnichten. Von St. Gallen bis Genf arbeiten Firmen unter Hochdruck daran, ihre Produktivität zu steigern. In der Industrie scheint vor allem eine Massnahme beliebt. Mehr...

VonMathias Ohanian
26.02.2015
Airbus-Rekordjahr trotz Querelen mit A400M
Zahlen

Trotz erheblicher Lieferprobleme beim Militärflugzeug A400M hat Airbus Umsatz und Gewinn auf einen Rekordstand gesteigert. Konzernchef Tom Enders erwartet weitere Zuwächse. Mehr...

11:05

Anzeige

Ehrlichkeit: «Steuerhinterziehung ist ein Volkssport»

Schumacher, Beckenbauer und Becker sind Vorbild von Unternehmern, Architekten oder Zahnärzten. Sie sparen Steuern.

VonMarcus Pfeil und Daniel Schönwitz (Interview)
23.07.2012

Frank Wehrheim hat 28 Jahre lang bei der hessischen Steuerfahndung gearbeitet. Vor drei Jahren wechselte er die Seiten und arbeitet seither als selbstständiger Steuerberater. Seine Erlebnisse hat er im Buch «Inside Steuerfahndung» verarbeitet.

Ist Deutschland ein Steuerparadies?
Frank Wehrheim:
Das muss wohl so sein, aber nicht nur für die Deutschen. Auch Ausländer sparen mit ihrem Geld gerne in Deutschland Steuern, übrigens auch Schweizer.

Sie haben 28 Jahre lang Steuerhinterzieher gejagt. Wie steht es um die Steuermoral der Deutschen?
Die ist nicht besonders ausgeprägt. Aber das ist ja auch kein Wunder in einem Land, das Weltmeister der Steuergesetzgebung ist. Steuervermeidung und Steuerhinterziehung sind immer eine Frage der Gelegenheit, die Diebe macht, und der Vorbilder. Wenn Prominente wie Franz Beckenbauer, Michael Schumacher oder Boris Becker ihr Geld an ihrem Wohnsitz in Österreich oder der Schweiz versteuern, dann fördert das bei Otto Normalverbraucher nicht gerade die Bereitschaft, die Putzfrau anzumelden. Steuerhinterziehung ist in Deutschland ein Volkssport, das fängt beim Taxifahrer an, der gegen ein Trinkgeld seinen Preis auf dem Beleg verdoppelt, und hört beim Kellner auf, der einem Unternehmer den Beleg aufdrängt, obwohl der erkennbar seiner Geliebten gegenübersass.

Ihr skurrilster Fall?
Bei einem Architekten habe ich mal ein Geschäftsbuch gefunden, in das er zwei Spalten eingetragen hatte: «Fürs Finanzamt, für mich.» Das hat schon für Schadenfreude gesorgt.

In der Gastronomie, wo viel mit Bargeld bezahlt wird, dürfte das gang und gäbe sein. Gibt es eine Branche, die besonders gerne Steuern hinterzieht?
So weit würde ich nicht gehen, das zieht sich durch alle Schichten, auch wenn wir in den 1980er-Jahren häufig ­gegen Zahnärzte und Dentallabors er­mittelten. Manche sammelten den Goldstaub und die Reste alter Kronen ein und schmolzen es gegen Verrechnungsschecks bei Scheidefirmen wie Heraeus ein. Diese Schecks fielen in den Büchern fast nie auf. Beliebt bei Zahnärzten ist auch, Zahngold über Jahre einzukaufen und als Betriebsausgabe abzusetzen, es aber nicht zu ­verarbeiten. Inzwischen müssen Labors Goldabfälle erfassen. Der Trick funktioniert immer noch, aber nicht mehr so gut.

Was funktioniert heute noch gut?
Beliebt sind nach wie vor Partnerfirmen, die gegen Zahlung einer Provision fingierte Rechnungen aus jedem beliebigen Land ausstellen. Da kann man nichts ausrichten, so weit ist die Amtshilfe mit Vietnam zum Beispiel noch nicht.

Die perfekte Steuerhinterziehung?
Jede Steuerhinterziehung, die geklappt hat, ist perfekt. Und die wirklich guten habe ich auch nicht bemerkt. Ich erinnere mich an eine Selbstanzeige. Da hatten sich zwei Geschäftsfreunde über mehrere Instanzen um eine Provisionsrechnung gestritten. Am Ende zahlte der eine dem anderen die Provision und setzte diese als Betriebsausgabe ab. Nur existierte weder das Geschäft noch der Streit. Der war inszeniert. Das ist eine Art von Hinterziehung, die sich nicht beliebig oft wiederholen lässt.

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema
Stichworte:
Steuerstreit

Frank Wehrheim hat 28 Jahre lang bei der hessischen Steuerfahndung gearbeitet. Vor drei Jahren wechselte er die Seiten und arbeitet seither als selbstständiger Steuerberater. Seine Erlebnisse hat er im Buch «Inside Steuerfahndung» verarbeitet.

Ist Deutschland ein Steuerparadies?
Frank Wehrheim:
Das muss wohl so sein, aber nicht nur für die Deutschen. Auch Ausländer sparen mit ihrem Geld gerne in Deutschland Steuern, übrigens auch Schweizer.

Sie haben 28 Jahre lang Steuerhinterzieher gejagt. Wie steht es um die Steuermoral der Deutschen?
Die ist nicht besonders ausgeprägt. Aber das ist ja auch kein Wunder in einem Land, das Weltmeister der Steuergesetzgebung ist. Steuervermeidung und Steuerhinterziehung sind immer eine Frage der Gelegenheit, die Diebe macht, und der Vorbilder. Wenn Prominente wie Franz Beckenbauer, Michael Schumacher oder Boris Becker ihr Geld an ihrem Wohnsitz in Österreich oder der Schweiz versteuern, dann fördert das bei Otto Normalverbraucher nicht gerade die Bereitschaft, die Putzfrau anzumelden. Steuerhinterziehung ist in Deutschland ein Volkssport, das fängt beim Taxifahrer an, der gegen ein Trinkgeld seinen Preis auf dem Beleg verdoppelt, und hört beim Kellner auf, der einem Unternehmer den Beleg aufdrängt, obwohl der erkennbar seiner Geliebten gegenübersass.

Ihr skurrilster Fall?
Bei einem Architekten habe ich mal ein Geschäftsbuch gefunden, in das er zwei Spalten eingetragen hatte: «Fürs Finanzamt, für mich.» Das hat schon für Schadenfreude gesorgt.

In der Gastronomie, wo viel mit Bargeld bezahlt wird, dürfte das gang und gäbe sein. Gibt es eine Branche, die besonders gerne Steuern hinterzieht?
So weit würde ich nicht gehen, das zieht sich durch alle Schichten, auch wenn wir in den 1980er-Jahren häufig ­gegen Zahnärzte und Dentallabors er­mittelten. Manche sammelten den Goldstaub und die Reste alter Kronen ein und schmolzen es gegen Verrechnungsschecks bei Scheidefirmen wie Heraeus ein. Diese Schecks fielen in den Büchern fast nie auf. Beliebt bei Zahnärzten ist auch, Zahngold über Jahre einzukaufen und als Betriebsausgabe abzusetzen, es aber nicht zu ­verarbeiten. Inzwischen müssen Labors Goldabfälle erfassen. Der Trick funktioniert immer noch, aber nicht mehr so gut.

Was funktioniert heute noch gut?
Beliebt sind nach wie vor Partnerfirmen, die gegen Zahlung einer Provision fingierte Rechnungen aus jedem beliebigen Land ausstellen. Da kann man nichts ausrichten, so weit ist die Amtshilfe mit Vietnam zum Beispiel noch nicht.

Die perfekte Steuerhinterziehung?
Jede Steuerhinterziehung, die geklappt hat, ist perfekt. Und die wirklich guten habe ich auch nicht bemerkt. Ich erinnere mich an eine Selbstanzeige. Da hatten sich zwei Geschäftsfreunde über mehrere Instanzen um eine Provisionsrechnung gestritten. Am Ende zahlte der eine dem anderen die Provision und setzte diese als Betriebsausgabe ab. Nur existierte weder das Geschäft noch der Streit. Der war inszeniert. Das ist eine Art von Hinterziehung, die sich nicht beliebig oft wiederholen lässt.

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      
 

Swiss-Chef: «Fürchten ist der falsche Ausdruck». Mehr

Mann im Mond wirbt für die Schweiz. Mehr

US-Steuerstreit: Erste Millionen-Bussen im März. Mehr

Firmen halten sich nicht an Abzocker-Initiative. Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...