Rede von Fidel Castro auf der Abschlusssitzung des 4. Internationalen Ökonomentreffens im Palast der Konventionen in Havanna am 15. Februar 2002.

«Sehr geehrte Gäste!

Sie haben mir eine wahrhaft schwierige Aufgabe übertragen. In einem Moment wie diesem wäre ich gern so beredt und bewandert wie viele, wir könnten sagen wie fast alle, die hier gesprochen haben.

Mein ganzes Leben lang habe ich stets versucht, das Wesen der Fakten herauszufinden, um von diesem Wesen aus dann versuchen zu ergründen, was geschehen wird oder kann. Mitunter geschehen die Dinge nicht zu dem Zeitpunkt, an dem man ihr Eintreten wünscht; oder sie geschehen nicht so bald, sondern später. Nun glaube ich nicht, daß ich der Einzige bin, der sich bei einigen Voraussagen geirrt hat. Alle Welt weiß, daß die Revolutionäre sich stets wünschen, die Dinge mögen bald geschehen, und diese verzögern sich eben etwas.

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Wir selbst hatten versucht, die Revolution 1953 zu realisieren; mußten dann davon Abstand nehmen und noch fünf Jahre, fünf Monate und fünf Tage warten. Es mutet kabbalistisch an, nicht wahr – kommt aber nicht von Cavallo, sondern vom Satz mit einem anderen Wort, das im Wörterbuch steht. (Lachen)

Hier haben wir wahrhaftig sehr Bedeutsames gehört – und ich hatte das Privileg, an den meisten Plenarsitzungen teilnehmen zu dürfen. Wir waren auf den vier Jahresversammlungen der Ökonomen anwesend; und zwischen dem ersten und diesem Treffen sind die Unterschiede beträchtlich, weshalb man nun nach dem Warum fragen müßte. Ich werde keine Antwort darauf geben. Man muß sich fragen, oder eher noch begreifen, daß es die Ereignisse der letzten Jahre gewesen sind, die faktisch sogar die Sprache verändert haben, die auf diesem Treffen gesprochen wurde.

Sie ist beachtlich, die Lehre aus diesen letzten drei, vor allem aus diesen letzten zwei Jahren und ganz besonders die Lehre aus den letzten sechs Monaten angesichts von Tatsachen, die man kommen sah und die heute präsent sind.

Auf jenem ersten Treffen im Jahr 1998 war es noch das Ende der Geschichte, und was wir heute sehen, war damals scheinbar noch weit entfernt. Es kamen Monate, Halbjahre und Jahre von Wirtschaftswachstum, Wunder in Japan, die vor annähernd vier Jahren begannen aufzuhören, Wunder zu sein, wenn man auch so viel über jenes Wunder sprach; Wunder in Ostasien, die einen nicht aufzuhaltenden Verlauf zu definieren schienen; Wunder in der Wirtschaft unserer Nachbarn im Norden, die zu einem Rekord wurden; es verging ein Tag um den anderen ohne eine Krise, und sie notierten dieses Tag für Tag bis Ende 2000, als erste Anzeichen einer Schrumpfung der Industrieproduktion sichtbar zu werden begannen. Da kamen nun sofort bekannte Theorien auf den Tisch, wonach so viele aufeinanderfolgende Monate Rückgang der Industrieproduktion bereits zu einem ernsten Problem für die Wirtschaft werden, einem Fall, einer Rezession usw. gleichkommend.

In den Vereinigten Staaten begannen die Arbeitsplätze zu fehlen und das einzutreten, was viele erwartet hatten als unvermeidliche Folge der Form des Wirtschaftswachstums und der eingetretenen Veränderungen. Alles war anders geworden.

Auf Treffen wie diesem wird der relative Charakter des Sachverhalts, der historischen Persönlichkeiten, der Auslegungen eines jeden Ereignisses manifest. Bis jetzt sprach man darüber, wie ungerecht doch die Wirtschaftsordnung sei, die internationalen sowohl globalen als auch regionalen Geldinstitute, wobei letztere von den globalen abhängen. Wenn wir nun hier gelegentlich eine dieser Einrichtungen erwähnt haben, so sollten damit weder Personen noch Vertretungen beleidigt werden, die hier teilgenommen und dazu beigetragen haben, diesem Treffen jenen Charakter zu verleihen, der stets angestrebt wurde, den Charakter einer Debatte von Ideen, Positionen und Standpunkten, denn es dürfen keinerlei Befürchtungen gehegt werden, einen jeglichen Standpunkt anzuhören.

Bereits seit dem ersten Treffen ist mir die Gesinnung vieler Teilnehmer in bezug auf die Vertreter dieser Institutionen bekannt. Die erste, die kam, war die Weltbank. Sie war auf den vier Treffen vertreten. Diesmal hat sich Neues ereignet. Hervorragende Persönlichkeiten, die damals nicht viel zu sagen gehabt hätten, sind diesmal gekommen und wir konnten mit der Anwesenheit mehrerer von ihnen rechnen, darunter zwei Nobelpreisträger, für Wirtschaft und ein für Friedensnobelpreis, wobei letzterer mehr als einmal mit seiner Teilnahme an Treffen in unserem Land beehrt hatte. Sogar im Fernsehen konnten wir von den Vereinigten Staaten aus die Person erleben, von der es heißt, sie sei ein künftiger Nobelpreisträger, und vielleicht wird es auch so sein; doch weiß ich nicht, ob dort jene, die die Preisträger entscheiden, diese Ehre jenen zukommen lassen, die sich entschließen, klar und deutlich über Realitäten zu sprechen, die sie heutzutage vor Augen haben.

Was konnte uns 1998 der berühmte Akademiker und Professor Joseph Stiglitz sagen – er war damals noch nicht Nobelpreisträger; es war noch nicht zu dieser Krise gekommen, eventuell zu jener in Südostasien, das war die allererste nach der Krise in Mexiko, die normalerweise nicht mit jener von 1998 im Fernen Osten in Verbindung gebracht wird. Heute sind dies alles Realitäten, die – eine nach der anderen – eingetreten sind.

Hier habe ich nun Überlegungen angestellt, ich habe nichts anderes getan als nachgedacht, während die anderen sich zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung äußerten, zuerst über wirtschaftliche Aspekte debattiert wurde – bei denen die Lage Argentiniens einen vorderen Platz einnahm, gerade weil, wie ich Pérez Esquivel am Schluß der Nachmittagssitzung sagte, Argentinien das Musterbeispiel der neoliberalen Globalisierung war und heute das Musterbeispiel des Scheiterns der neoliberalen Globalisierung ist.

Es wurde ausgiebig zu diesem Thema gesprochen und versucht, die Ursachen und möglichen Lösungen zum Thema Wirtschaft und Globalisierung zu erläutern. Dieses Thema beanspruchte, wir könnten fast sagen 30 bis 40 % und vielleicht sogar mehr von unserer Zeit.

Auch andere im Programm enthaltene Aspekte der Wirtschaft wurden angesprochen. Ich konnte heute nicht hören, was zum multilateralen Investitionsabkommen gesagt wurde, doch es ist eine recht bekannte Begebenheit. Professor Borón war es, wenn ich mich recht entsinne, der es als einen Beweis jener Dinge anführte, die man tun kann, so wie es die angebrachte Anklage jener Verschwörung war, denn es wurde mit Hilfe einer der von den Herren der Welt bevorzugten Praktiken, der Verschwörung, umgesetzt.

Ja, ich sagte Herren der Welt, denn einige der hier genannten Institutionen existieren nicht Per-Se, sondern weil es ein weltweites System des Dominierens gibt. Wenn auch die Aufgaben dieser Einrichtungen – IWF und Weltbank – unterschiedlicher Art waren, so sind doch ihre Herren wohlbekannt.

Meine Meinung ist, die Weltbank wurde gezerrt und gezwungen, die ihr nach dem Zweiten Weltkrieg übertragenen Aufgaben, nämlich die Förderung der sozialen Entwicklung, aufzugeben. Sie wurde voll und ganz auf Rettungsoperationen ausgerichtet. Ich kenne die Meinung der meisten Beteiligten dieser Institution, die gegen diese ihnen aufgezwungenen Aufgaben sind, obwohl dort kein Einspruchsrecht existiert, wie es unser mächtiger Nachbar des Nordens im Internationalen Währungsfonds besitzt; ein Einspruchsrecht, von dem er absoluten Gebrauch macht. Wie auch im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird hier niemals eine Entscheidung gefällt, der sie sich widersetzen. Von diesem Vetorecht haben sie mindestens vier- oder fünfmal mehr als alle anderen Mitglieder des Sicherheitsrates zusammen Gebrauch gemacht.

Wenn dies dort geschieht, in nichts Geringerem als der Institution, die die Welt repräsentiert, jener Embryo internationaler Autorität, Weltautorität, dem man nicht einmal die Mittel zu seiner Erhaltung aushändigen will, wozu wären sie dann im Hinblick auf den Internationalen Währungsfonds nicht fähig? An dieser Stelle bitte ich seine hier anwesenden Vertreter, jegliche Erwähnung oder Anspielung auf die denkwürdige Institution als eine Kritik an einem System, an einer Auffassung zu betrachten und nicht an den Professionellen, die dort arbeiten oder kommen und gehen und deren Kriterien auch nicht immer die gleichen sind. Einige befürworten diese und andere wiederum jene, weniger ultrarechte, weniger radikale, weniger brutale Auffassungen.

Hoffentlich werden künftig...  Also, auch ohne „hoffentlich“ werden die Treffen mit jedem Mal interessanter werden; denn konnten in sechs Monaten so viel Neues angesammelt werden, dann lohnen sich wohl tiefgründige Analysen all jener Dinge, die in den folgenden zwölf Monaten geschehen, denn es ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch gesehen zu transzendentalen Veränderungen gekommen.

Man wird auch den Verlauf des hier diskutierten berühmten FTAA analysieren müssen. Dieser Punkt wurde vor kurzem erst hier debattiert, und zwar auf einem Treffen zu diesem konkreten Thema, das auch auf dem Forum von Sao Paulo hier diskutiert wurde. Zum FTAA haben fast alle Intellektuellen und Personen, die meinen, Kenntnisse zu besitzen, ihre Standpunkte definiert. Sie sind in der Regel in übergroßer Mehrheit gegen dieses Freihandelsabkommen.

Das Gefährliche des FTAA sind nicht die Kriterien der Intellektuellen, der Wirtschaftswissenschaftler und politischen Denker. Das Gefährliche daran ist der Mangel an ausreichender Information der Volksmassen unserer Erdhälfte, vielerorts mit einem hohen Grad an Analphabetentum und Hunderte Millionen ohne jegliche Ausbildung – ausgenommen persönliche Erfahrungen – um theoretisch begreifen zu können, was das FTAA eigentlich bedeutet.

Man sehe, wie verschuldet diese Erdhälfte ist. Es wurde sich weder mit den Parlamenten, häufig nicht einmal mit dem Ministerrat beraten. Es waren Minister für Wirtschaft oder Finanzen, die in mehr oder weniger Absprache mit den höchsten politischen Gremien die Entscheidungen trafen. Sogar die hohen Verschuldungssummen entstanden – ich glaube, es hat hier jemand darauf Bezug genommen – in großem Umfang unter tyrannischen, unter blutigen Regierungen, die sich mit niemandem absprachen. Sollte auch jene Verschuldung und ihre Folgen in gewisser Weise zur Einleitung der sogenannten demokratischen Öffnung beigetragen haben - zweifelsohne etwas viel Positiveres als das vorher Dagewesene, denn eine große Anzahl Personen wurde vor dem Verschollensein, vor Tötung gerettet; die Repression, obwohl bei weitem nicht verschwunden, erfuhr eine beträchtliche Abschwächung  - so kam es doch zu all jenen enormen Schulden im Rücken des Volkes. Oftmals stellten Privatbanken oder Regierungen dem Volk wie eine große Sache dar, daß man einer Wirtschaftskrise aus dem Weg gegangen sei, da man vom Internationalen Währungsfonds eine Anleihe von 10, 20 oder 30 Milliarden erhalten habe. Keiner konnte die Konsequenzen absehen. Sie konnten es nicht verstehen.

Im Jahr 1985, vor 17 Jahren also, fanden in Kuba im Verlauf jenes gesamten Jahres bedeutsame Treffen statt: Treffen lateinamerikanischer Studenten, lateinamerikanischer Bauern, lateinamerikanischer Frauen, von Arbeiterorganisationen und schließlich von politischen und intellektuellen Persönlichkeiten aller Art. Diese Treffen konnten nicht hier im Haus stattfinden. Veranstaltungsort war das Karl Marx-Theater, das etwa 6000 Personen faßt. Tagelang wurden Analysen angestellt, Reden gehalten; ja, die hätte man hören müssen, 100, 120, 130 Reden; es mußte einfach so sein.

Was wurde bezweckt? Eine Meinungsbildung zur Außenverschuldung. Aufbewahrt davon ist eine Unmenge Material, auch einige Botschaften. Ich kann mich sogar erinnern, daß wir nach jedem einzelnen dieser Treffen sämtlichen Staatsoberhäuptern – mit einigen logischen Ausnahmen – das Diskussionsmaterial zusandten, darunter auch dem Papst als Staatschef. Danach sahen wir mit Genugtuung, daß eines der Banner des Papstes im Rahmen seiner Ausführungen im Konzil zu Rom zum Thema der Bekämpfung von Armut und Verschuldung eben gerade der Aspekt der Verschuldung war.

Die Afrikaner machten sich damals noch keine große Sorgen, denn ihre Verschuldung war nicht sehr hoch. Man hatte ihnen nicht so viel geliehen wie den Lateinamerikanern. Daher maßen sie diesem Punkt keine große Bedeutung bei. Heute ist diese Bedeutung bei ihnen viel höher. Die Lateinamerikaner hatten es ernster genommen.

Natürlich konnten einige Ziele nicht erreicht werden. Ich erinnere mich, daß es damals ausreichend war, daß nur eines der drei großen Länder seine Stimme gegen die Verschuldung erhob um zu sagen: „Ich zahle nicht“, und damit wäre eine echte Lösung der Verschuldungskrise nicht zu vermeiden gewesen oder zumindest hätte man eine Nachfrist von 10 oder 20 Jahren erzielt.

Jemand sprach vor ein paar Minuten sogar darüber, daß das Nichtbegleichen von Schulden eine historische Vorgeschichte zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts habe. Ich glaube es war Borón, der darüber sprach.

Wißt Ihr, welches jenes Land war, das den entscheidenden Schritt hätte tun können? Es war Argentinien, das an den schlimmsten Folgen litt. Doch vielleicht ist der Moment noch nicht gekommen, bestimmte Bemühungen bekanntzugeben, um eines der drei Großen zu überzeugen. Diese waren Brasilien, Mexiko und Argentinien.

Hier will ich anhalten, denn die Bemühungen waren auf Meinungsbildung, Mobilmachung der Massen und den Versuch gerichtet, einige Führungspersönlichkeiten zum Treffen von Entscheidungen zu überzeugen, die eine Lösung ermöglicht hätten, wie sie seit damals bereits hätte angestrebt werden müssen. Den reichen Ländern, vor allem den großen Gläubigern des Nordens wurde Zeit gelassen. Diese begannen das Spiel mit dem Zinssatz und die Abkommen waren gewöhnlich so gehalten, daß, stiegen die Zinssätze, sich auch die Anzahlungsraten der Verschuldung erhöhten. Es war nicht so wie jetzt, da sie, bei zwölfter Gelegenheit, auf 1,75 gesenkt wurden. Verzweifelt nahmen sie zu diesen Mitteln Zuflucht und senkten die Zinsen auf dieses Limit, um gegen der Rezession entgegenzuwirken.

Betrug nun damals die Außenverschuldung Lateinamerikas 300 Milliarden, so war sie Mitte des vergangenen Jahres 2001 bereits auf 750 Milliarden gestiegen, hatte sich also mehr als verdoppelt und man müßte sehr exakte Berechnungen anstellen, um zu wissen, wie hoch sie im Jahr 2002 sein wird. Jemand äußerte, Mexiko habe letztes Jahr seine Auslandsschuld etwas reduziert; doch in Argentinien und anderen Ländern ist sie gestiegen. Nun weiß ich nicht, wer die Angaben liefern könnte, um festzustellen, ob die Verschuldung die 800 Milliarden erreicht hat oder nicht, wobei die Bedingungen jetzt ganz andere sind; heute verläuft dies inmitten der schwersten und bedrohlichsten Wirtschaftskrise, die es seit Ende des Zweiten Weltkrieges je gegeben hat.

Niemand darf daran auch nur den geringsten Zweifel hegen; und Sie alle bezweifeln dies nicht, denn so haben Sie es hier zum Ausdruck gebracht.

Jetzt sind viel höhere Schulden abzuzahlen; und jetzt sind neben der enormen Verschuldung die nationalen Güter, die grundsätzlichen, ja sogar die heiligsten Güter mit nur einigen Ausnahmen privatisiert worden. Früher waren es Schuldner, die über etwas verfügten; jetzt sind es Schuldner, deren Schulden sich vervielfacht haben und weiter vervielfachen, und die nichts ihr eigen nennen.

Zu diesem Schuldenberg kommen die Hunderte Milliarden Dollar der Privatisierungen, die vordem eine Art Reserve darstellten, die heute nun ausgeschöpft ist. Das macht die Situation noch viel schwerer.

Zu dieser Verschuldung kommt jene Afrikas, jene Asiens. Es geht so weit, daß sie insgesamt zwei Billionen übersteigt, wobei wir Lateinamerikaner hier die Olympiasieger sind. Wir stehen an erster Stelle, haben olympisches Gold; ohne Gold keine Hoffnung auf Gold. Das Problem hat weltweite Ausmaße angenommen.

Außerdem gab es 1985 noch keine WTO. Was es gab, war das GATT. Wenn es unsererseits Bestrebungen gab, eine Tagung des GATT oder der UNCTAD hier zu veranstalten, so hätte diese in diesem Palast der Konventionen mit einer Erweiterung für erforderliche Büros stattgefunden. Diese Erweiterung endete schließlich in der Errichtung eines Hotels, denn wir wurden uns gewiß, daß es sich nicht lohnte. Die Vereinigten Staaten waren hartnäckig dagegen. Das zur WTO transmutierte GATT ist ein weiteres der großen Instrumente von Ausplünderung und Ausbeutung und befindet sich in den Händen der Herren der Welt.

Hier wurde die in Katar stattgefundene letzte Tagung erwähnt. Mann hatte ein Land der Wüste gewählt, zu dem es äußerst schwierig war, per Boot oder per Landstraße zu gelangen; und das nicht nur aufgrund der Entfernung, sondern auch weil die Reisekosten nach dort sehr hoch waren.

Der Wahrheit zuliebe muß ich sagen – es wurde auch gestern nachmittag angesprochen – daß es US-amerikanische und kanadische Bürger waren, nämlich jene, die Zugang zu Internet haben, also Intellektuelle und im allgemeinen die Mittelschichten der Bevölkerung, die über eben dieses Kommunikationsmittel die Protestaktionen von Seattle, New York und Quebec organisierten. So haben also die G-7-Staaten und die anderen bereits keinen Ort mehr für ihre Treffen. Ich dachte, vielleicht bereite man in dieser neuen Raumstation einige Kabinen für die Treffen der G-7-Gruppe vor.

Sie haben bereits zugegeben, daß es sehr schwierig ist und nun einen Berg in Kanada für die Treffen der G-7 oder der WTO ausgesucht. Es ist ein sehr hoher Berg, weit abseits gelegen, öd und kalt.

Davos glich voriges Jahr einem Feldlager von Schützengräben des Ersten Weltkrieges, wie es viele oder einige von Ihnen aus Bildern von der Schlacht bei Verdun oder am Marne kennen. So friedfertig und neutral, wie die Schweizer sind, hatten sie dort ein ganzes Heer mit Helmen und aller Art Rüstung, so daß die Demonstranten bis zu dem Berg gelangen konnten, auf dem Wintersport getrieben wird. Sie waren derartig abgeschreckt, daß sie für ihr Treffen keinen geringeren Ort als New York bestimmten. Ihre Sprache war jetzt bereits eine andere geworden. Sie benutzten als Methode, als Stil gewisse betrügerische und fromme Worte. Doch nicht einmal in der Schweiz, und dabei hatten sie die Situation und die nach dem 11. September in jener Stadt getroffenen Sicherheitsmaßnahmen genutzt.

Das hat vielleicht mit einigen der Aspekte zu tun, die sich im Augenblick ereignen. Wenn Sie mir noch einige Minuten zugestehen, werde ich dazu später etwas sagen, kurz vor dem Schluß meiner Äußerungen, von dem ich hoffe, er ist bald abzusehen.

Sogar der Tagungsort ist für sie ein kritischer Punkt geworden. Vielleicht bitten sie uns eines Tages, ihnen Havanna für ein Treffen dieser Art zu leihen. Doch wahrscheinlicher ist, sie lassen dieses im Militärstützpunkt Guantánamo stattfinden. (Lachen im Saal)

Ich hörte, wie Sie beispielsweise über den Stützpunkt Manto und diesen und jenen hier und da sprachen und dachte mir, daß bei uns ja auch ein Militärstützpunkt seinen Standort hat, und das seit fast einem Jahrhundert, aufgezwungen seit Jahrhundertanfang nach jener Intervention, als Spanien erschöpft war und seinen kolonialen Krieg nicht weiterführen konnte; Intervention im Anschluß an betrügerische Worte, an eine gemeinsame Erklärung vor dem Kongreß der Vereinigten Staaten, deren Folge ein Krieg war, eine Besetzung und der sogenannte Platt-Zusatz, der die Regierung der Vereinigten Staaten berechtigte, bei jeglicher ihren Interessen schadender Störung der Ordnung mit Waffengewalt zu intervenieren. Sie zwangen zur Aufnahme des Platt-Zusatzes in die Verfassung der Republik, was bei vielen Patrioten zu einem wahren Trauma führte. Diese wurden hinsichtlich der Unabhängigkeit der Landes vor die Alternative gestellt: „Nimm es oder laß es bleiben!“ Damals war man bereit am Ende des vierten Besatzungsjahres und das Grundgesetz der Republik war in Diskussion. Es muß schrecklich gewesen sein. Einige waren standhaft um jeden Preis dagegen, doch für andere war ein Akzeptieren unvermeidbar.

Den Ejército Libertador (Befreiungsheer) gab es bereits nicht mehr; es war entwaffnet worden. Den Partido Revolucionario, gegründet von José Martí zur Durchführung und Lenkung der Revolution, gab es bereits nicht mehr.

Martí gründete eine Partei für das Organisieren, Lenken und Durchführen der Revolution, noch bevor Lenin in Minsk seine revolutionäre Partei gegründet hatte; er war der Erste und er war kein Marxist, konnte es gar nicht sein.

Es war diese eine eben aus der Sklaverei befreite Gesellschaft, in der es kein Proletariat gab. Und jener Mann hat es verstanden, die heikelsten Probleme ganz genial gegen die spanische Propaganda anzugehen. Einige Äußerungen von Marx tat er kund, darunter eine sehr schöne: „Da er sich auf die Seite der Armen stellte, verdient er Ehre." Was für eine Vision, als er Ende des 19. Jahrhunderts über FTAA-Absichten schrieb! Mit ALCA meine ich das FTAA, nicht die Organisation Al-Qaeda, wobei der Unterschied zwischen beiden nicht so groß ist. (Lachen)

Beiläufig – oder nicht? – muß ich sagen, daß das in New York verübte stupide und brutale Verbrechen aller Welt einen fürchterlichen Schaden zufügte. Es schädigte nicht nur das Volk und die Wirtschaft der Vereinigten Staaten. Es beschleunigte den Prozeß der Weltwirtschaftskrise, denn diese hatte bereits die Gratwanderung hinter sich. Es war ein Schlag für all diese Bewegungen, von denen wir sprachen, Bewegungen der Intellektuellen, der Wirtschaftswissenschaftler, der angesichts der Globalisierung besorgten Menschen, die den von uns genannten Kampf ausfechten. Es hatte in den USA selbst eine paralysierende Wirkung. Hier wurde alles viel schwieriger angesichts der herrschenden Erregung und Verwirrung. Die Globalisierungsgegner liefen sogar Gefahr, als Terroristen erklärt zu werden. Ohne diesen Terroristenakt hätten sich die von Davos vielleicht gar nicht in New York versammeln können – das erfanden sie später unter Ausnutzung des herrschenden Klimas. Sie beeinträchtigten das Treffen von Porto Alegre in Rio Grande del Sur, wo man mit einer Teilnehmerzahl von etwa  100 000 gerechnet hatte und dann Meinungsäußerungen zufolge nur 50 000 bis 60 000 anwesend waren.

Es war dieses das Treffen gegen das FTAA. Zu den zahlenmäßig größten Delegationen gehörten die US-amerikanische und die kanadische. Doch konnten viele zu diesem Treffen nicht anreisen, denn die Ereignisse waren noch sehr frisch und man hatte Schläge versetzt bekommen.

Auch das Forum von Sao-Paulo, dieses Mal mit Durchführungsort in Havanna; wie es in Porto Alegre stattgefunden hat, ließen sich die Teilnehmer nicht entmutigen und führten ihre Sitzungen durch; sehr wichtig. Doch der Terroristenakt war ein Schlag für diese Kämpfe und machte Vorwänden für neue Politiken und neue offen interventionistische Theorien Platz.

Hier wurde versucht, in einem Satz die Geschehnisse auszudrücken, als man nämlich von einer Weltmilitärdiktatur sprach.

Man könnte auch über das Werk Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte sprechen – das ist für jene, die dieses Werk von Karl Marx gelesen haben – oder über Die Klassenkämpfe in Frankreich, eine obligatorische Lektüre für die Freunde des Studiums des Marxismus und all jene, die bestimmte Schulen besuchen, speziell wenn es sich um Werke dieser Art handelt, denn die Lektüre von Der achtzehnte Brumaire ist viel weniger kompliziert als die von Das Kapital. Der Inhalt des letztgenannten trägt rein ökonomischen Charakter und das andere ist eine schöne, elegante und unterhaltsame Form der Schilderung historischer Ereignisse. Das heißt, Marx hatte nichts Dogmatisches an sich und wenn er über diese Themen schrieb, so tat er dies wahrhaftig mit starker Überzeugungsfähigkeit.

Es sind dieses Themen ökonomischer Art neben jenen Aspekten, die ich zur Außenverschuldung nannte und die zu den Bemerkungen über die gesellschaftlichen und politischen Bewegungen führten, die betroffen wurden durch die Barbarei und Dummheit jener Akte, die wir offen und ehrlich verurteilen; denn seit langem stellen wir Überlegungen zu diesen Methoden an; auch haben wir einen 25 Monate andauernden Krieg erfolgreich gekämpft, und von den zahlreichen Gefechten unserer Truppen der Kolonne 1, aus der dann alle anderen hervorgingen, ist mir kein Fall bekannt, der einem unschuldigen Zivilbürger das Leben gekostet hätte.

Der unsere war ein Befreiungskampf, in dem wir die Gefangenen mit großem Respekt behandelten. Wir hielten sie kaum 48, maximal 72 Stunden gefangen und übergaben sie dem Internationalen Roten Kreuz, als wir sie dann in größerer Anzahl faßten. Den Verletzten verabreichten wir unsere Medikamente und die Gefangenen setzten wir sofort frei. Sie waren unsere Waffenlieferanten; so mußten wir sie logischerweise gut behandeln. Das ist etwas Elementares. (Lachen)

Anfangs kämpften sie und leisteten bis zur letzten Kugel Widerstand. Sie kosteten uns Menschenleben, sie kosteten uns Material. Sie glaubten, wir würden sie töten. Das hatte man ihnen in den Kopf gesetzt. Die Praxis war es dann, die nach und nach alle überzeugt hat. Nachdem sie eine Schlacht für verloren hielten, war es dann schon einfacher, das Gefecht zum Stillstand zu bringen. Es gab sie, die sich dreimal ergaben.

Wir erhielten vom Ausland weder Geld noch Waffen. Uns war nicht einmal ein russischer Funktionär bekannt. Niemand hat uns die Ideen überbracht. Unsere Ideen, unsere Taktiken haben wir selbst erarbeitet. Über die Äußerungen von Engels, wonach seit Anlegen der großen Avenuen in Paris und der Erfindung der Hinterlader die Aufstände unmöglich waren, habe ich stets nachgedacht und hatte eine abweichende Meinung hierzu. Denn hätte es in diesem Punkt ein Einverständnis gegeben, dann hätten wir nicht versucht, eine Revolution zu führen. Und hier waren die objektiven Bedingungen nicht so günstig; sie waren es natürlich, so wie es die Tatsachen beweisen konnten; und die subjektiven Bedingungen waren, um die Wahrheit zu sagen, nicht viel besser. Es gab noch viel Dogmatismus im revolutionären Denken, und wir waren ziemlich beeinflußt von der Ideologie der Nachbarn im Norden; wir lebten faktisch voll im kalten Krieg.

Unsere Auffassungen waren flexibel, entweder die eine oder die andere Art von Kampf. Wir wiesen nichts von der Hand: die Kombination des bewaffneten Kampfes mit der Bewegung der Massen; oder die Besetzung einer Festung zum Zwecke der Bewaffnung des Volkes unter der Losung des revolutionären Generalstreiks. Doch Tatsache ist, daß wir die Formel fanden, wie die Macht zu erobern war ausgehend von, jawohl, marxistisch-leninistischen Auffassungen.

Marx haben wir eine klare Idee darüber zu verdanken, was eine Gesellschaft ist. Bevor wir Kontakt zu diesen Ideen hatten erschien uns die Gesellschaft wie ein immenser Wald und wir wie eine in jenem Wald verlorene Person. Und Lenin verdanken wir die Theorien über den Staat. Beide zeigten uns die Klassengesellschaft, die Geschichte der Ausbeutung, den historischen Materialismus, ohne daß natürlich diese Theorien mathematisch anzuwenden wären. Finden sie auf eine Epoche und danach auf eine andere Anwendung, dann sind sie meines Erachtens viel mehr von den Tatsachen beeinflußt, die zum Zeitpunkt der Erarbeitung der Theorie geschahen. Doch viele ihrer Prinzipien tragen universalen Charakter in der gedrängten Geschichte der Menschheit; denn was wir über die Menschheit wissen, was man als Geschichte und nicht als Legende bezeichnen kann, ist sehr wenig. Ich glaube, die ältesten sind etwa 3500 Jahre alt. Was sind nun 3500 Jahre in der Geschichte unserer Gattung? Diese Gattung, die eine Zivilisation hervorgebracht hat und in bezug auf diese ich voll und ganz jene marxistische Idee vertrete, wonach nach dem Verschwinden des kapitalistischen Systems die Prähistorie der Menschheit zu Ende ist. Ich vergesse nicht, daß wir noch nicht einmal in die Geschichte eingetreten sind; und wenn einige Dümmlinge sagen, es sei das Ende der Geschichte gekommen, wobei sie Ereignisse und Begriffe durcheinander bringen, dann werden sie sich nicht bewußt, daß wir uns dem Ende der Prähistorie nähern.

Nun, zur Prähistorie gehören auch die Barbarei und Formen von Ausplünderung, die von Mal zu Mal brutaler werden, sowie Formen der Entfremdung der Massen, die noch subtiler und perfider sind. Mitunter denkt man mit einem Anflug von Neid an die Zeit der Sippen und Stämme oder an die ersten Gruppen, die in den elementaren Gesellschaftsformen lebten, denn sie besaßen mehr Denkfreiheit; niemand übernahm für sie das Denken, nicht einmal der Medizinmann oder jener, der den Riten vorstand. (Lachen) Heute wird das Denken der Massen faktisch verhindert; andernfalls würde an Orten der Welt, wo man nie etwas über Coca Cola gehört hatte und es viel schmackhaftere Erfrischungsgetränke gab, keine Coca Cola getrunken; und es würden nicht die berühmten McDonald’s gegessen, von denen man nicht weiß, welches Fleisch benutzt wurde, denn dieses ist je nach Ort verschieden. Es wird sie geben, die sogar Katzen- oder anderes Fleisch dazu benutzen. (Lachen). Ja, ja, nein, alles sind Aggressionen auf die Gewohnheiten, die Kulturen, die Identitäten, die Zivilisation.

Man weiß gar nicht, was die neoliberale Globalisierung alles mit sich gebracht hat, nicht nur in ökonomischer, kultureller und ethischer Hinsicht; nein, in jeglicher Hinsicht das Verbot zu denken. Keiner macht sich die Mühe zu denken, ob es diese oder jene Mode ist, ob langer oder kurzer Rock, ob diese oder jene Seife, dieses oder jenes Erfrischungsgetränk oder ob ein bestimmter Whisky getrunken wird. Fast niemand denkt. Die Dinge stehen in den Zeitungen, den Zeitschriften oder man bekommt sie in den Werbespots im Fernsehen oder in den Filmen vorgesetzt. Es sind Realitäten.

In bezug auf diese meine Ausführungen bin ich der Meinung, daß wir eine entscheidende Etappe ansteuern. Als hier eine ganze Reihe Aspekte angesprochen wurden, wurde ich darauf aufmerksam, daß niemand die ungleichen Austauschbeziehungen erwähnte, die doch eine so widerliche Ungerechtigkeit darstellen. Dieser Begriff wird bereits nicht mehr erwähnt. Wir haben bereits vergessen, daß im Jahr 1949 ein Lastkraftwagen oder ein Traktor  so und soviel Tonnen Kaffee kosteten – gut, bei Kaffee sind es fast zwei oder drei – oder so und soviel Tonnen Zucker oder irgendeines anderen Grunderzeugnisses unserer Länder. Heute muß man ständig mehr davon geben. Ihre Kaufkraft wird von Mal zu Mal geringer; denn nicht nur unsere Währungen werden abgewertet, sondern auch unsere Produkte.

Das weiß jeder. Darüber wurde gesprochen und geschrieben. Es ist eine der Formen von Ausplünderung. Es kommen stets neue dieser Formen hinzu, andernfalls gäbe es nicht so viel Hunger und Not, so viel Armut und Elend. All jene Zahlen, die hier wiederholt wurden, sind auf eine evidente Ursache zurückzuführen: ein System der Ausplünderung. Zumindest, als es das sozialistische Lager und die UdSSR gab – mit allen gerechten Kritiken, die man über sie anbringen kann – hatten sie Angst. Der Ausbruch einer Arbeiterrevolution im Jahr 1917 bewirkte, daß die großen Unternehmen, die großen Monopole und die Regierungen mehr Sorgfalt walten ließen und den Gewerkschaften, der Arbeiterklasse mehr Respekt entgegenbrachten. Sogar entstanden hier die Beihilfen und viele andere Konzessionen, die in der letzten Zeit nach und nach wieder abgeschafft wurden.

Seit dem Verschwinden der UdSSR sind gerade einmal etwa zehn Jahre vergangen. Es gibt nun nur noch eine hegemonistische Supermacht und niemanden kümmert es, was geschehen kann oder welche sozialen Ungerechtigkeiten es gibt.

Sieht man sich die Liste der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten an, so findet man eine Schrumpfung auf 15, 10 und 7 Prozent. Sie haben die Arbeiterbewegung liquidiert. Sie haben viele Parteien faktisch liquidiert oder sie haben sie umgewandelt. Sie haben die Gesellschaften immer wehrloser gemacht. Das Monopol der Massenmedien ist stärker geworden. Diese decken nicht mehr nur das eigene Staatsgebiet, sondern erstrecken sich über sämtliche Territorien unserer Erde. Sie können in verschiedenen Sprachen, ja sogar Dialekten, senden. So kann ein und dasselbe Programm gleichzeitig von der Minderheit eines Landes und in einer anderen Sprache von den Minderheiten anderer Länder innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten über Kabelfernsehen, Sat-TV usw. usf. empfangen werden. Es ist eine Sintflut. Von einer universalen Sintflut zu sprechen, wäre nicht korrekt. Allenfalls könnte man von zwei Arten Sintflut sprechen: die der Bibel und diese universale Informationssintflut, die häufig zu einer universalen Lügensintflut, einer universalen Sintflut des Betruges wird. Dabei sage ich häufig und nicht immer, denn gerechterweise müssen Ausnahmen konstatiert werden.

Wir erinnern uns, daß viele nationale und internationale Fernsehketten unsere Schlacht um die Rückführung des Kindes sendeten, das so grausam und ungerecht entführt worden war. Es gab Kundgebungen, die gesendet wurden, nicht nur von jenen Tagen, sondern auch zum Teil unsere Schlacht der Ideen und unseren später einsetzenden Kampf gegen das mörderische Cuban Adjustment Act – ich werde es nicht erläutern – das Helms-Burton-Gesetz, das Torricelli-Gesetz, die Blockade, den Wirtschaftskrieg, Gesetzesänderungen aller Art zur Verschärfung der Blockade speziell nach dem Fall des sozialistischen Lagers, als wir Lieferanten bestimmter Produkte, Brennstoff und Märkte verloren. Von heute auf morgen verloren wir faktisch alles. Man müßte sich fragen, wie unser Volk durchhalten konnte. Das werde ich ebenfalls nicht versuchen zu erläutern. Ich sage lediglich, unser Volk war in der Lage, eine doppelte Blockade durchzustehen.

Ich beschränke mich darauf zu sagen, daß entscheidend dabei das Bewußtsein, die Ideen und das von der Revolution in 30 Jahren realisierte Werk waren trotz unserer mangelnden Erfahrung, trotz der Blockade, die sie gnädig als Embargo bezeichnen

so als bezeichnete man eine Tötung als Sport. Nein, ein Embargo ist es nicht; es gibt kein Recht, von den Vereinigten Staaten oder ihren Industrien im Ausland etwas zu kaufen oder an sie etwas zu verkaufen.

Wenn ich diese Aspekte erwähne, dann deshalb, weil sie helfen können, auf einige der Unklarheiten, die hier noch zum Ausdruck kamen, eine Antwort zu finden.

Mit einem Minimum an Mitteln kann man wer weiß wieviel tun. Mit einem Minimum an Bewußtsein kann man wer weiß wieviel tun. Mit einem Minimum an Arbeit kann man für das Volk wer weiß wieviel tun. Mit einem Minimum an Veränderungen kann man wer weiß wieviel tun. Ich sage Minimum, denn hätten wir vor 10, vor 20 Jahren die Erfahrung gehabt, wie wir sie heute haben, dann brauchten wir uns nicht über das Wenige zu schämen, das wir in 43 Jahren vollbracht haben.

Ich hoffe, die Idee wird so verstanden, daß man noch viel mehr tun kann, als wir selbst uns vorgestellt haben.

Daher bestehen wir mit diesem Nachdruck auf dem Aspekt der Ideen und des Bewußtseins, der Bedeutung.

Es fehlt ein dritter Faktor. Vielleicht spreche ich etwas später darüber in den Minuten, die ich mir von Ihnen ausgeborgt habe. Dabei vergesse ich nicht, daß Sie ein köstlicher Cocktail vor 24.00 erwartet. (Lachen)

Nur einen habe ich gesehen, den Honduraner, der eingenickt ist; doch mir ist dies ebenfalls passiert. (Lachen und Beifall) Gut, er ist wieder wach. Ich sagte bereits, daß ich die Zuhörer beobachte, und es kommt der Moment, an dem ich merke, daß sie ein Recht auf Schlaf haben. Noch ist es nicht soweit. Ich hoffe, vorher zum Schluß zu kommen.

Hier wurde also über alle Institutionen dieser oder jener Art gesprochen, über den von ihnen ausgehenden Mißbrauch. Erwähnt wurden, wie ich bereits sagte, die Freihandelsabkommen. Auch wurde hier sehr beredt zum Ausdruck gebracht, daß alle heutigen superentwickelten und superreichen Nationen dieses ohne FTAA’s und ohne WTO’s geworden sind, nämlich auf der Basis des Schutzes ihrer Industrien, sie keiner Konkurrenz mit jenen aussetzend, die das gesamte Know-how besitzen, da sie über Universitäten, Forschungszentren und eigene Forscher verfügten; dabei beschäftigt ein bedeutender Teil von ihnen die besten Talente der Länder der Dritten Welt, die nicht die geringste Möglichkeit hatten, ein Forschungslabor zu bekommen. Demgegenüber bekamen sie dort Perspektiven geboten, nicht nur ökonomischer Art, denn der Mensch läßt sich nicht nur von ökonomischen Motivationen bewegen. Er rührt sich, weil er eine Begabung oder den Wunsch hat, zu forschen, zu arbeiten und zu kreieren. Welche Möglichkeiten hatten sie nun?

Es ist bekannt, daß mehr als eine halbe Million Lateinamerikaner, Professionelle, lateinamerikanische Hochschulabsolventen in die Industrieländer, im wesentlichen in die Vereinigten Staaten emigriert sind.

Bis vor kurzem, bis noch vor einem Jahr, einige Monate vor der Krise sprachen sie von der Einstellung von 200 000 Lateinamerikanern in der Industrie mit Spitzentechnologie. Dabei handelte es sich um Hochschulabsolventen, Ingenieure usw. usf.

Mit einem FTAA und einer WTO wollen sie uns nun mit ihren Technologien, ihren fortgeschrittenen, automatisierten usw. Industrien konkurrieren lassen. Wir anderen sollen Obst anbauen. Sie wollen zu der Ära der Sammler zurückkehren. Das ist es, was sie mit ihrem FTAA mit uns Lateinamerikanern vorhaben. Wir sollen Mangos und einiges Gemüse produzieren, dessen Anbau in Kalifornien und anderen Staaten etwas teurer würde, da dort der Lohn um das 15fache höher liegt als der in unseren Ländern gezahlte. Das alles wissen die Mexikaner recht gut. Die im Norden des Landes in der Textilfertigung Tätigen verdienen in den Vereinigten Staaten für die gleiche Arbeit das 14fache; und das in Nordmexiko. Im Süden kann diese Relation das 30- bis 40fache sein, das sie in den Vereinigten Staaten für die gleiche Arbeit erhalten, wie sie sie in Grenznähe der mittelamerikanischen Länder verrichten.

Daher sehen wir, wie die Exporte – mitunter enorm – wachsen, doch nichts weiter als den mageren Lohn von Industrien abwerfen, die nicht einmal Steuern zahlen und in denen die nationale Beteiligung im allgemeinen 3 – 3 % nicht übersteigt, die den Schweiß der Beschäftigten exportieren; daher verlieren viele Menschen beim Versuch des Emigrierens ihr Leben.

An der mexikanischen Grenze zu den Vereinigten Staaten starben jährlich 400 bis 500 Menschen – die Angaben nähern sich dieser Zahl, obwohl die Statistiken unklar sind - das sind mehr als die Todesopfer in 29 Jahren Berliner Mauer, nur daß über letztere alltäglich gesprochen wurde und diese hier niemals erwähnt werden; ausgenommen einige, die wir, sagen wir und erkühnen, hin und wieder diese Dinge anzusprechen.

Bei einem Gespräch mit Osvaldito fragte ich ihn: „Wie wirst du jenes bezeichnen, das man als FTAA kennt? Welchen Namen wirst du ihm geben? Wirst du irgendeinen Beinamen benutzen?“ Wir haben gesagt Annexion, neues Instrument der Okkupation, Kolonisation. Sie werden uns ausschließlich für die härtesten und am schlechtesten bezahlten Arbeiten programmieren.

Nun weiß ich nicht, in welche Kategorie die Hausangestellten aufgenommen werden, wenn man über Beschäftigung spricht. Die Experten werden mir erläutern können, ob sie unter die Kategorie der Beschäftigten fallen. Sie alle wissen recht gut, wie diese Tätigkeiten sind; die schlechtesten.

Ich hörte nicht, was erklärt wurde, doch wir brauchen nicht weiter darauf einzugehen und sagen schlicht und einfach: das FTAA ist die Annexion Lateinamerikas an die Vereinigten Staaten.

Warum sollte es dann ein Wunder sein, wenn einige den Dollar als Währung direkt einführen? Welche Hoffnung bleibt ihnen? Welche Währung wird mit der ihren konkurrieren können? Welche Währung kann sicher sein, nicht abgewertet zu werden? Auch wenn sie Hunderte Milliarden – was gar nicht so viel ist – als Rücklage haben, einfach um Währungen zu schützen, die sonst keiner schützen kann und auf die unvermeidlich die Abwertung wartet.

Warum sollte es dann ein Wunder sein, daß alle Welt – vor allem jene, die viel stehlen; doch auch jene, die etwas Geld zusammensparen, Professionelle oder Gewerbetreibende, ihr Geld mitnimmt? Es ist dies ja die einzige Form, es in Sicherheit zu bringen. Eine Zinsenzahlung von 40, ja 50 % um zu vermeiden, daß einige Personen, deren Namen bekannt sind, zu einem spekulativen Schlag ausholen. Die Wirtschaft kommt zum Stillstand und die Kapitalflucht kann nicht vermieden werden.

Es gibt Fälle – Sie wissen es wohl – die durch Privatisierung eine x-Summe Geld                                 

zusammengebracht haben – ich sage bewußt x-Summe, um keine Ländernamen zu nennen; es ist stets unangenehm, sie zu nennen oder aus den Angaben erkennen zu lassen – um Fonds zu bilden, die dann in acht Wochen verschwunden waren. Diese ist eine der Regeln.

Es ist nicht bekannt, wo das Geld unserer Länder ist. Es ist nicht bekannt, wo das Geld Argentiniens, noch wo das Geld Venezuelas ist; die 400 Milliarden Dollar, die verschwendet und zu einem guten Teil gestohlen wurden fast seit der Zeit des Sieges der kubanischen Revolution, also einige Monate nach dem Sturz der Militärdiktatur in Venezuela im Februar 1958; die Revolution siegt im Januar 1959.

Alle Welt weiß, wie jenes Land ausgeplündert worden war; was für eine Verschwendung! Sogar die Eiswürfel für den Whisky kamen dort sogar in Polyäthylenbeuteln mit Wasser aus Schottland, um nicht die Dummheit zu begehen, den Whisky, in dessen Prozeß doch schottisches Wasser benutzt worden war, mit venezolanischem Wasser zu versetzen. Das bezeichnet man nun als Muster an Demokratie. Wenn Sie nun fragen: Wieviel Kinder erreichen den Abschluß der sechsten Klasse? Dann bestätigt man Ihnen, daß es weniger als 50 Prozent sind. Wieviel setzen ihr Studium in der Gymnasialstufe fort? Noch weniger. Ist das Analphabetentum abgeschafft? Nein, es gibt es noch. Sie sprechen von 15 %, 20 %; Halbanalphabeten oder funktionale Analphabeten sind nicht enthalten, doch diese Kategorie muß ebenfalls berücksichtigt werden. Insgesamt sind es Millionen.

Was für ein Interesse können gewisse Sektoren oder die Reaktionäre und Oligarchen haben, das Volk das Lesen und Schreiben zu lehren? Sie haben Angst davor, daß das Volk  lesen und schreiben lernt. Das erklärt die enorm hohen Zahlen, obwohl sie natürlich nicht mit denen Afrikas zu vergleichen sind. In Afrika gibt es Länder mit 87 Prozent Analphabeten und mit nur 15 oder 16 Prozent Einschulung, wenn überhaupt. Man spreche nicht nur über Analphabeten. Man spreche über jene, die nicht eingeschult sind. Man spreche über jene, die den Abschluß der sechsten Klasse erreichen, und danach spreche man über eine industrielle Entwicklung, die Benutzung des Internet und die Ausbildung von Forschern und Wissenschaftlern. Wie, zum Teufel ...? Wenn wollen sie angesichts dieser Realitäten für dumm verkaufen? Es ist unglaublich, wie sie die Völker zum besten halten, um danach zu sagen, sie seien eine Demokratie.

Es hat den Anschein, die Plünderung gäbe es nicht; und Sie alle wissen recht gut, daß man einen Computer benötigt, um all das Geld aufzurechnen, daß sie in unserer Erdhälfte geraubt haben, seit es die Kubanische Revolution gibt; die Zahl der Vermißten, seit es die Revolution gibt, betrug allein in Guatemala 100 000 und der Toten waren es mehr als 200 000. Die Kategorie der Gefangenen gab es dort nicht, seit sie mit einer Söldnerinvasion ähnlich der von Girón in jenes Land eingefallen waren.

Stellen Sie sich vor, was uns erwartet hätte! Doch zu jenem Zeitpunkt hatten wir bereits 400 000 Waffen. Vielleicht wären wir zu dem Vietnam dieser Erdhälfte geworden. Die Tatsache, daß ihnen die Zeit nicht ausreichte, um einen Brückenkopf zu errichten und wir sie in 72 Stunden hinwegfegten, war eine Frage auf Leben und Tod. Den Normen zufolge, was eine entwickelte und gut ausgebildete Streitmacht ist, gab es bei uns noch keine organisierte Armee.

Doch auch den revolutionären Krieg hatte man mit Menschen gewonnen, die lediglich theoretische Unterrichtung erhielten. Von den Tausenden, die später mit unserer Guerrilla-Armee, unseren Guerrilla-Kolonnen kämpften, kann ich mich an keinen einzigen Fall erinnern, daß sie, bevor sie zum Gefecht antraten, auch nur eine Kugel im Training abgefeuert hätten. Alles wurde auf der Basis geometrischer Methoden, ohne Abgabe von Schüssen vermittelt, denn unsere knappen Munitionen durften nicht auf diese Weise verausgabt werden.

Man erlernte den Beruf, mit einer geeigneten Taktik gegen mächtige Kräfte zu kämpfen, ausgebildet von den USA, gut bewaffnet, mit einer ziemlich guten Luftwaffe, guter Koordinierung zwischen jenen in der Luft und den Bodentruppen, mit modernen Panzern, guten Kommunikationen. Sie besaßen all das, was uns abging, ausgenommen das Recht, ausgenommen die Politik. Sie steckten Häuser in Brand, ermordeten Bauern, beraubten alle Welt. Sie leisteten unsere politische Arbeit. Sie waren unsere Waffenlieferanten und unsere besten Politkommissare.

Häufig wird schematisiert und einige meinen, wir haben hoch oben auf einem Berg zu den Bauern über marxistische Theorie, das Gesetz der Agrarreform und x andere Punkte gesprochen. Was diese aber recht gut wußten, war, daß wir sie mit großem  Respekt vor ihrer Person und ihrer Familie behandelten und alles bezahlten, was wir ihnen abkauften. Da die Zone umzingelt war, beschlagnahmten wir große Herden und übergaben Tiere an jene, die trotz Bombardements und anderen Dingen jene Gegend nicht verließen, in der wir operierten; und wir erzielten den Sieg zum gegebenen Zeitpunkt, mit einer gegebenen Taktik und in konkreter Form.

Ich werde nicht in Frage stellen, wie irgendein Politiker oder Organisation vorzugehen beabsichtigt; in welcher Form die Unterdrückungs- und Ausplünderungsregimes gestürzt werden sollen. Das kommt jedem selbst zu. Ich sage einfach, was wir zu einem bestimmten Zeitpunkt getan haben und wie das Land danach einem so mächtigen Feind gegenüber der Belagerung, den Aggressionen, dem Terrorismus standhielt. Man beachte, dem Terrorismus; und hierzu werde ich nicht ausführlicher werden, denn das würde lange dauern.

Ach so, dieses Land mußte nun blockiert werden, denn dieses Land hat eine Agrarreform durchgeführt und dieses war das Land Lateinamerikas, in dem die großen transnationalen Konzerne der Vereinigten Staaten den größten Grundbesitz hatten. Sie waren die Herren des übergroßen Teils des besten Bodens des Landes, denn sie zu Spottpreisen erworben und mehr als ein halbes Jahrhundert lang ausgebeutet hatten. Daneben waren sie die Herren unserer öffentlichen Dienste, die Herren des Eisenbahnwesens, die Herren der Bergwerke, die Herren der wichtigsten Industrien. Die Agrarreform war eins der ersten Gesetze; und von diesem Zeitpunkt an waren wir dazu verurteilt, zerstört zu werden, auf die gleiche Weise wie es in Guatemala geschah, nachdem dort die Agrarreform umgesetzt und sie zur Zerstörung verurteilt worden waren.

Hier war es radikaler, denn einige jener Unternehmen besaßen 200 000 Hektar Boden. Im ersten Agrarreformgesetz hatten wir ein Maximum von 1340 Hektar bei starker Bewirtschaftung und 402 Hektar bei Extensivkulturen oder Brachland festgelegt. Das Gesetz implizierte eine Entschädigung in Form von Schatzscheinen der Republik. Das war das erste Agrarreformgesetz. Für ein mächtiges und mit 200 000 Hektar einflußreiches Unternehmen war dieses eine Unehrerbietigkeit. Hiermit nahm alles seinen Anfang. Man begann bereits, alle anderen Pläne zu schmieden. Das Land hielt durch, es hielt die ganze Zeit über durch und vollbrachte ein Werk. Danach kamen schlimmere Zeiten, und das Land hielt durch und entwickelte sein Werk weiter.

Es soll nur gesagt werden, daß, als das einsetzte, was wir die Spezialperiode nannten, in zehn Jahren 30 000 Familienärzte ihren Dienst in unserem Gesundheitswesen aufnahmen. Heute hat der Bürger in unserem Land seinen Hausarzt in 100, 150 oder 200 Meter Entfernung von seiner Wohnung. Auf dem Land ist die Entfernung etwas größer, doch er ist da und lebt auch dort. Es sind dies Leistungen, die kein Industrieland, nicht einmal im Traum, je erreichen wird. Im größten Teil der Welt ist die ärztliche Betreuung vollkommen vermarktet. Im Falle Kubas sind es mehr als 60 000 Ärzte, denn 2500 sind in integralen Gesundheitsprogrammen tätig, die wir im Ausland leisten und etwa 1500 stehen unter Vertrag; also sind annähernd 4000 kubanische Ärzte im Ausland. An den medizinischen Fakultäten immatrikulieren 3000. Insgesamt studieren an ihnen    14 000, also werden wir reichliche Reserven haben können.

Wir haben sogar den Vereinten Nationen genügend Gesundheitsarbeiter zur Schaffung einer Struktur oder Infrastruktur – wie man will – zur AIDS-Bekämpfung vorgeschlagen, wenn genügend Mittel bereitgestellt werden. Bis jetzt ist die Antwort auf den Aufruf der Vereinten Nationen ein Angebot von nur einer Milliarde gewesen. Heute nachmittag sagte ich bereits, daß zur Aids-Bekämpfung mindestens 200 Milliarden nötig sind, denn die Krankheit verbreitet sich sehr rasch; und in 19 Jahren konnte noch kein Impfstoff entwickelt werden; es ist niemand an einem Impfstoff interessiert. Die großen transnationalen Unternehmen und die Pharmaindustrie interessiert nicht die Vorbeugung, sondern die Therapie. Daher sind die ärztlichen Leistungen so teuer.

Unsere Kinder impfen wir gegen 13 verschiedene Krankheiten, und einige dieser Impfstoffe werden in unserem Land hergestellt. Doch dieses Land muß blockiert werden.

Wir hatten gesagt, daß wir das wenige Geld, das dieses Land besitzt, oder was sie sonst wollen, geben, wenn man uns nur einen einzigen Vermissten oder eine einzige außergerichtliche Hinrichtung nennt. Ich gehe noch weiter, einen einzigen Fall von Folterung in diesem Land. Aber ja, dieses Land ist zu blockieren; dieses Land ist zu verurteilen. Deshalb scherzte ich etwas, als hier jemand die Genfer Mißbilligung ansprach.

Das ist ein Vorgehen, das sie alljährlich erfinden und woran wir vollkommen gewöhnt sind. Sie haben sich darauf versteift  und finden keinen Schlaf. Es ist unglaublich, daß in einem so mächtigen Land die Führungspersönlichkeiten nicht schlafen – im allgemeinen gibt es um 02.00 Uhr nachts 25 oder 26 Gegenstimmen zur Resolution, wenn diese nachmittags abgestimmt wird, haben sie einen größeren Vorteil, durch schrecklichen Druck das Ergebnis zu ihren Gunsten zu verändern.

Die der neuen Administration sprechen eine noch giftigere Sprache. Diese machen keine Umstände, wenn sie die Staatschefs zu sich bestellen und ihnen unverblümt und frech drohen. Es ist schwer zu sagen, wer keine Anleihe, keinen Kredit von einigen der Banken oder den internationalen Geldinstituten benötigt.

Wir haben wahrhafte Helden kennengelernt, äußerst arme Länder, die sämtliche Risiken herausforderten. Daher ist es eine nur knappe Mehrheit, die sie erzielen mit höchstens ein oder zwei Stimmen. Einmal waren sie nachlässig, haben sich auf den Lorbeeren ausgeruht und haben verloren.

Nachdem sie in den ehemaligen sozialistischen Ländern, wo niemand je einen Cent gestohlen hat, „demokratisiert“ und eine „so vortreffliche“ Wirtschaft entwickelt hatten, indem sie die „ehrenhaftesten“ Regierungen der Welt schufen, konnten sie mit neuen Verbündeten für die Verurteilung Kubas rechnen. Dort kam es nicht zu Privatisierungen. Was dort geschah, war eine Beschlagnahmung der Güter des Landes durch die Bürokraten; und kraft der Grundsätze jener so häufig erwähnten Institution, die sich IWF nennt, schafften die Beschlagnehmer im Handumdrehen alles Geld weg, was sie konnten. Nun gut, das ist eben Demokratie; das ist Entwicklung.

Soziale Statistiken, wofür? Wann ist es den Herren der Welt tatsächlich einmal wichtig gewesen, daß in einem Jahr 50 Säuglinge pro 1000 Lebendgeburten sterben oder 60 der Altersgruppe von 0 bis 5 Jahren? Was bedeutet es schon, daß es in Afrika faktisch kein Land gibt, in dem die Sterblichkeitsziffer unter 100 liegt? Was bedeutet es schon, wenn in einigen afrikanischen Ländern pro 1000 Lebendgeburten mehr als 200 Kinder von 0 bis 5 Jahren sterben? Wann ist ihnen das wichtig gewesen? Im Gegenteil, durch das Bevölkerungswachstum beängstigt, ist es ihnen so ziemlich einerlei, daß das HI-Virus in ganzen Nationen grassiert, wovon einige dahingerafft werden können.

Pérez Esquivel sprach von den Menschenrechten und nannte Zahlen, an die man sich wird erinnern müssen.

Die Gefahr besteht, daß ganze Regionen Afrikas verschwinden; und es gibt Länder, deren Lebenserwartung ohne Aids 61 Jahre betragen würde, die heute bei 38 Jahren liegt, und bald werden es 30 Jahre sein. Von der Krankheit sind hauptsächlich junge Menschen betroffen, Frauen und Männer im arbeitsfähigen und Alter der Fortpflanzung. Was wird in einigen Ländern geschehen, in denen, obwohl sie nicht zu den am meisten betroffenen zählen, mehr Lehrer an Aids zugrunde gehen als Lehrer ausgebildet werden? Denn so liegen die Dinge konkret; es ist wahrhaft beeindruckend.

Wie wichtig ist dies jenen, die den Kolonialismus schufen, den Kapitalismus, der mitten im Westen die Sklaverei der Jahre des Römischen Reiches wieder einführte? Einen überaus entwickelten Kapitalismus, der nichts zu tun hat mit jenem anderen und der die Welt in die schrecklichen Bedingungen von heute geführt hat.

Man spricht von Adam Smith, man spricht von Keynes, man spricht von den Chicago-Boys. Jeder gehört zu einer anderen Epoche, zu einer anderen Situation.

Kann man inmitten kolossaler Ungleichheiten von Freiheit sprechen? Kann man von Optionsmöglichkeit sprechen, wenn einige Milliarden besitzen und andere unter den Brücken von New York leben? Denn Arme gibt es nicht nur in der Dritten Welt. Es gibt viele Arme und viele Ausgegrenzte in den Industrieländern selbst, speziell in den Vereinigten Staaten, dem mächtigsten, dem am stärksten industrialisierten und dem reichsten von allen.

Jemand sprach über die Anzahl der Armen, ob 800 Millionen, ob eine Milliarde. Die Anzahl der Armen beträgt tatsächlich vier Milliarden. Einzubeziehen sind die Armen in den Industrieländern und die jener Länder der Dritten Welt, die einen bestimmten Entwicklungsgrad zu verzeichnen haben. In einigen dieser Länder beträgt das Bruttoinlandsprodukt das Dreifache des BIP Kubas, und sie haben Hunderttausende Analphabeten und Menschen, die keine ärztliche Betreuung erhalten; denn sie praktizieren die Doktrin des Neoliberalismus und einbeziehen in ihr BIP die Produktion zahlreicher Exportfreizonen.

Alle Welt will heutzutage Exportfreizone sein. Sie haben die Länder gegeneinander konkurrieren lassen, und solche Industrien bringen nichts anderes als niedrige Löhne. Die ärztlichen Leistungen werden vermarktet, ebenso ein großer Teil des Bildungswesens sowie sämtliche Erholungsaktivitäten. Die Arbeit unserer mehr als 60 000 Ärzte, die Arbeit von annähernd 250 000 Dozenten und Lehrern, die Arbeit der Sportlehrer steuert, da diese Leistungen kostenfrei sind, gemäß jener Methode der BIP-Berechnung nichts bei, ist nichts wert. Wie sagte doch der jüngste Nobelpreis, Stiglitz, man geht von ungleichartigen Informationen aus. So ist eben alles täuschend, bis hin zur Form der Berechnung des BIP, weil eben in unserem Land all diese Leistungen kostenfrei sind und nur die Lohnkosten und einige andere Ausgaben erfaßt werden.

Auch der Lohn ist eine relative Größe. Welche Kaufkraft besitzt ein Lohn bei einer Reihe von sozialen Maßnahmen? Es wird behauptet, in jenem Land läge der Lohn bei 10, in jenem anderen bei 20 Dollar. All das ist Lüge. Ich habe es hier bereits in einer Rede erläutert, bei der die Hälfte der hier Anwesenden auch da waren; und ich werde es nicht wiederholen. Es ist aber ein ganzer Berg von Falschheiten, Verzerrungen und Lügen. Uns bekümmert dies nicht.

Das Bruttoinlandsprodukt sagt uns sehr wenig aus. Eine viel höhere Aussage ergibt sich für uns aus der Lebensqualität, den Bildungs- und Erziehungsleistungen, den Gesundheitsleistungen, dem Sport, der Körpererziehung und den Erholungsleistungen. Die Sicherheit eines jeden Bürgers sagt uns mehr; die Sicherheit insgesamt, daß keiner verlassen wird; die Sicherheit insgesamt, daß Leistungen gewährleistet sind; während dort bei unserem so reichen Nachbarn des Nordens mehr als 40 Millionen Menschen keinerlei Gewähr einer ärztlichen Betreuung haben und die vermeintlich gewährleisteten Dienste sind, abgesehen von ihren Kosten, partieller Art. Sie sind nicht einmal komplett.

Und dieses Land muß blockiert werden, dieses Land muß verurteilt werden, das sind die Parameter, mit denen sie sogar noch Hunderte Millionen Menschen auf der Welt täuschen, wenn es auch immer weniger sind.

Man muß die politischen Folgen dieses Systems sehen und warum sie alle diese Maßnahmen gegen Kuba aufrechterhalten. Sie haben es nicht geschafft, Kuba einzuschüchtern, und werden dies niemals erreichen, denn es ist eine Revolution, die sich auf unverletzliche Prinzipien und Normen gründet.

Wenn ich hier höre, wie die Notwendigkeit der ausländischen Investitionen gepredigt wird, dann frage ich mich wirklich: Und könnten sich viele der lateinamerikanischen Länder etwa nicht mit dem Geld entwickeln, das geraubt wurde? Könnten sie sich etwa nicht mit dem Geld entwickeln, das aus dem Land geschafft wurde? Warum müssen sie alles verkaufen und an eine Verschuldung gefesselt sein, die einen wachsenden Anteil des Staatshaushalts auffrißt, 20 %,   25 %, 30 %, ohne irgendeine andere Hoffnung? Sie müssen alles verkaufen, und es bleibt ihnen schon nichts mehr zum Verkaufen, nichts mehr außer dem Verkauf von Bürgern und dem Export von Talenten, für die sie nicht einen Cent bezahlen, noch entschädigen sie für die Ausgaben, die der Staat für die Ausbildung dieser Fachleute aufwenden mußte.

Es ist eine andere Art der Ausplünderung, Ausplünderung in jedem Sinn: der Besitz von 90 % der Patente, dann haben wir weder tarifären Schutz noch den Schutz irgendeiner Art, weder Talente noch Forschung noch Zollschranken. Um Kaffee zu säen, für den sie immer weniger bezahlen, oder um Mango oder Avocado zu säen, um die Wälder wegen des Exports des Holzes abzuholzen, zur Übergabe von nicht erneuerbaren Produkten, alles Gas und Erdöl, das man erschließen kann, jeglichen Kleinproduzenten dem Wettbewerb aussetzen; jeglichen Kleinhändler dem Wettbewerb mit den großen Ladenketten aussetzen, die alles niederwälzen; auf die Idee zu verzichten, überhaupt eine eigene Fluglinie zu haben, es gibt Länder, denen keine mehr verbleibt; oder von dem eigenen Seetransport verbleibt nichts; oder es verbleiben keine eigenen Kommunikations- und Versicherungsunternehmen. Alles geht in den Besitz ihrer Banken über, ihrer Unternehmen, alles fällt in ihre Hände.

Was verbleibt in den Händen unserer Völker? Denn wir werden nicht einmal einverleibt, oder in jedem Fall werden wir wie die afroamerikanische Bevölkerung einverleibt, die fast ein Jahrhundert nach der berühmten Unabhängigkeitserklärung immer noch versklavt war, und fast ein Jahrhundert, oder praktisch ein Jahrhundert nach der Abschaffung der Sklaverei, die durch einen blutigen Krieg erreicht wurde, mußten Luther King, Malcolm X und viele andere Afroamerikaner sterben, damit die Diskriminierung, die bis heute noch nicht verschwunden ist, vermindert wird.

Wir werden wirklich auch diskriminiert, welche Hautfarbe auch immer wir haben, denn wir sind spanischsprechende Länder: sehr nützlich zum Straßenfegen, sehr nützlich, um dort alles mögliche aufzusammeln, dabei oftmals in der Illegalität lebend, dazu verurteilt, von den Familien getrennt zu leben, denn dort gibt es keine Lösung, dort gibt es keinen Adjustment Act, wir wollen nicht einmal, daß es ihn gibt, denn es handelt sich um ein mörderisches Gesetz; doch wenn sie ein solches Gesetz für Mexiko, Mittelamerika und die anderen Länder verabschiedet hätten, gäbe es heute in den USA mehr Mexikaner und Lateinamerikaner als US-Amerikaner europäischer Herkunft.

Freie Kapitalbewegung und freie Warenbewegung, aber keine freie Bewegung der Arbeiter.

Alles wird aufgesaugt, und die größte Gefahr besteht darin, daß es nicht genügend Bewußtsein gibt.

Als sie sich hier versammelten, um über den FTAA zu diskutieren, oder als sich die Vertreter des Forums von Sao Paulo hier trafen, hatten alle Teilnehmer sehr klare Ideen bezüglich der Hauptprobleme, sie verstehen das Problem voll und ganz, und wir riefen sie dazu auf: Man muß Ideen und Botschaften vermitteln, man muß die Schaffung von Bewußtsein fördern, denn man sagt den Leuten per Radio und Fernsehen, daß es wundervoll sei, mit allen Medien, und später rufen sie sie zur Teilnahme an Wahlen auf.

Wir haben ein Plebiszit vorgeschlagen, doch nicht im nächsten Jahr, sondern 2004, vor der Verabschiedung des FTAA. Es würde sich lohnen, zur Schaffung dieses Bewußtseins die aktuellen Lektionen auszunutzen, denn sie sind mit ihrer Demagogie und ihren Massenmedien in der Lage, die fehlende Kultur und die Unwissenheit der Bürger dieser Hemisphäre auszunutzen, sie dazu zu bringen, im Glauben für die Annexion zu stimmen, es handele sich um eine sehr gute Sache, denn niemand hat ihnen jemals erklärt, was der Internationale Währungsfonds ist, welche Vorgehensweisen existieren. Sie sagen ihnen einzig und allein: „Es ist gut für die privaten Investitionen, man muß auf Knien um private Investitionen bitten.“

Wir machen das nicht, wir verschenken nichts. Wenn wir über ein Kapital zum Kauf einer Maschine verfügen, das sich innerhalb eines Jahres amortisiert, werden wir diese Begünstigungen nicht verschenken, wir suchen die Million und investieren sie. Ah, wenn zum Beispiel Technologie fehlt, um in den Tiefen des Meeres zu bohren, machen wir uns nicht daran zu träumen oder abzuwarten; im Wissen darüber, was die internationale Erfahrung ist, schließen wir dann Verträge ab und gründen Joint-Ventures.

Die meisten Hotels unseres Landes sind in kubanischer Hand und wurden mit kubanischem Kapital gebaut, mit kubanischer Haut, denn wir haben ausgehalten mit dem Bewußtsein, dem Opfergeist und mit unserer Haut. Es gibt namhafte Unternehmen, die nicht einen Cent beigesteuert haben, aber das paßt uns. Wir unterzeichnen einen Konzessionsvertrag, sie leisten die Märkte als Beitrag. Letztendlich berechnen wir, wo die Vor- oder Nachteile einer privaten Investition liegen. Es gibt welche, die keine Gemeinschaftsunternehmen bilden wollen, sie möchten 100 % desselben besitzen. Es ist zu sehr wenigen solcher Fälle gekommen, doch man kann dem zustimmen, wenn es sich um eine bestimmte Technologie handelt, um ein Produkt herzustellen, dessen hiesige Herstellung in einem hundertprozentig ausländischen Unternehmen weniger kosten würde als seine Einfuhr.

Das bringt uns nicht um den Schlaf, es soll das Prinzip leitgebend sein, gemäß dem die Interessen des Landes über allem stehen und das gemacht wird, was dem Land dient, wobei rigoros berechnet wird. Die Nation verliert nicht die Kontrolle über ihre Wirtschaft noch über die gesellschaftlichen Ziele seiner Entwicklung. Der Neoliberalismus ist nicht so gut, da er keine Währung in irgendeinem Land der Dritten Welt aufwerten konnte. Nach dieser traurigen Etappe – traurig, aber glorreich, da sie uns viel lehrte – der Sonderperiode hatte unser Peso im Jahr 1994 seinen Wert bis auf einen Umtauschkurs von 150 Pesos pro Dollar verloren, und innerhalb von fünf Jahren hatten wir unseren Peso von einem Kurs von 150 auf 20 Peso pro Dollar aufgewertet.

Wir stellen Sie vor die Herausforderung, auch nur einen zu finden, der dies irgendwann einmal geschafft hat, wenigstens einen, der den Wert seiner Währung um das Siebenfache erhöhen konnte. Jetzt hat er ein wenig an Wert verloren, als die Bomben auf Afghanistan zu fallen begannen, aus irgendeinem psychologischen Effekt. Der Peso hatte zu jenem Zeitpunkt einen Kurs von 22 pro Dollar; viele Leute begannen damit, in unseren Wechselstuben mit der Landeswährung Dollars zu kaufen. Der Kurs lag bei 19 oder 20; uns käme es wirklich nicht gelegen, ihn weiter aufzuwerten, sondern ihn etwa auf einem Kursniveau von 20 Peso für einen Dollar zu belassen.

Am 11. September lag der Kurs bei 22 Peso pro Dollar, und danach begann er an Wert zu verlieren; man löste die Situation, indem der Preis des Dollar um vier Pesos erhöht wurde. Die Tendenz wurde gestoppt, denn es gab immer eine größere Nachfrage nach Peso, da man viele Sachen nur mit dieser Währung erwerben kann. Außerdem gibt es im Fall der Pesos einen höheren Zinssatz bei mittelfristigen Sparanlagen, sagen wir 50 % mehr. Ja, 50 % mehr als unser konvertierbarer Peso; denn wir haben einen konvertierbaren Peso, doch dieser ist nicht wie der in Argentinien, dieser kann nicht fliehen, es sei denn, ihm wachsen Flügel und er fliegt wie ein Schmetterling mit Hilfe des Windes nach Florida. Die Passatwinde kommen hier gewöhnlich aus der entgegengesetzten Richtung; doch manchmal gibt es Südwinde und es kann passieren, daß ein Dollar entweicht und bis Cayo Marathón oder Cayo Hueso gelangt; doch nur auf diese Weise könnte er entkommen.

Es gibt die andere Währung, die ausländische Währung; nicht nur Dollar, man spricht gewöhnlich von Dollar, denn es gibt keine andere Weise der Messung einer Währung als der Gebrauch des Dollars. Wenn man Lire benutzt, wird man verrückt, genauso beim Gebrauch des Yen, die Rechnungen werden sogar komplizierter, wenn man in der kanadischen Währung kalkuliert, denn sie bewegen sich bei 61 % oder 65 %. Uns bleibt nichts übrig als in Dollar zu rechnen, aus praktischen Gründen, um Berechnungen und den Strom der Computer zu sparen.

In unserer Währungspolitik kennen wir nicht diese Tragödien, von denen Sie sprachen: hinsichtlich der Zinsen, ob der IWF so viel versprochen und dies dann nicht eingehalten hat, die Frage, ob die Währung an Wert verloren hat. Welche verliert nicht an Wert? Welche ist sicher?

Natürlich wissen wir in der Theorie sehr gut, daß eine einheitliche Währung in Lateinamerika besser wäre, doch wir sind sehr weit von den erforderlichen Bedingungen zur Lösung des Problems einer Einheitswährung entfernt. Es reicht, daß sie sich rettet, daß sie den Gebrauch ihrer Währungen nicht durch den Dollar austauschen, daß das Geld nicht entweicht... ich weiß nicht, auf welche Weise man dieses Entweichen verhindern kann, oder wie man diesen Prozeß verlangsamen kann, oder wie man die Abwertung verhindert. Das ist die reelle Situation, die Probleme sind viel ernster und komplexer.

Hier wurden interessante Dinge gesagt, darunter die Aussagen des Nobelpreisträgers des Jahres 2001, Professor Stiglitz. Wir sind keine Wirtschaftstheoretiker, doch der Kampf hat uns gezwungen, das genau zu beobachten, was mit der Wirtschaft geschieht.

Wir haben exzellente Vorträge gehört. Professor Stiglitz war hier relativ vorsichtig – in der kubanischen Hauptstadt muß man immer sehr vorsichtig mit dem sein, was man sagt -, doch er hat ausgezeichnete Artikel geschrieben, von denen wir einige kennen: sein berühmtes Vorwort zum Werk von Polanyi, dem Wirtschaftswissenschaftler, der zu Zeiten von Bretton Woods unterschiedliche Positionen vertrat. Man muß sich anschauen, was er sagt, die Kritiken an den Konzeptionen des IWF, mit welcher Klarheit er dem IWF die Schuld für die Tragödie gibt, die zahlreiche Länder durchleben.

Er hat einen anderen Artikel mit dem Titel „Was ich aus der südostasiatischen Krise gelernt habe“ geschrieben, in dem er Land für Land die verschiedenen Kriterien und Konzeptionen derjenigen untersucht, die die Situation der in die Krise stürzenden Länder abmildern wollten, und vor allem behandelte er, wie und warum sie in die Krise stürzten. Er erklärt auch, daß sich alle auf der Grundlage von starken protektionistischen Maßnahmen entwickelten. Sie wurden gezwungen, diese Linie zu ändern, sie brachten sie zu einer totalen Liberalisierung und diese Länder blieben ohne Devisen und ohne Währungsreserven gegenüber den spekulativen Angriffen.

Es gab einen Unehrbietigen namens Mahatir, der eine andere Formel suchte, er forderte sie heraus; doch er bewahrte Ressourcen, schützte sich besser vor der kritischen Situation; andere verloren alles, und dies diente dazu, daß viele transnationale Firmen US-amerikanischer Herkunft zu Spottpreisen, wie man sagen kann, die Industrien in vielen dieser Länder aufkauften, neben der Verrücktheit, daß sie mit dieser Vehemenz hinsichtlich der Bewegungsfreiheit die totale Liberalisierung des Warenaustauschs anwenden, die totale Befreiung der Kapitalbewegungen; das heißt volle Deregulierung – wie Sie das nennen.

Wo ist die Zukunft dieser Länder? Gab es etwa ein minimales Programm? Ich schlage keine weltweite Plaungsbehörde vor. Ich wage es zu sagen, daß es dazu hätte kommen können, bevor sie lernen würden, die Dinge mit einer anderen Konzeption wirklich gut durchzuführen. Ich sage dies mit der Moral, das kennengelernt zu haben, was unser Volk in 43 Jahren vollbracht hat.

Es gibt ja nicht einmal die geringste Koordinierung, sie bringen alle Länder dazu, Chips für das Internet zu produzieren, oder für das Fernsehen, und sie erzielen Preise von bis zu einem Dollar und bei jeglichem Produktionsüberschuß reduziert sich der Preis auf fünf Cent, und sie lassen alle Fernseher, Kühlschränke oder Haushaltsschrott produzieren, wie wir dies vulgär nennen.

Mit der Technologie haben sie die Fähigkeit zur Produktion von unbegrenzten Mengen, nur gibt es eben nicht die Kaufkraft zum Erwerb von all dem, was diese Industrien in der Lage sind zu produzieren.

Und noch dazu lassen sie in Thailand oder in Indonesien Autos produzieren, und zwar Luxusautos, eine Art von Mercedes Benz, während die Hälfte der japanischen Autoproduktion stillstand. Je mehr Technologie sie also entwickeln, je mehr Arbeitsproduktivität, desto weniger Arbeitsplätze, also mehr Arbeitslose und mehr Krise. Das ist noch nichts. Jetzt wo China in die WTO eingetreten ist, würde ich gerne sehen, wer die Chinesen bei der Produktion all dieser Dinge übertrifft. Fürs erste haben wir dabei viel gewonnen. Wir würden nicht auf die Idee kommen, eine Fabrik für Bildröhren zu errichten; doch wir haben eine Million chinesische Fernseher gekauft.

Das Fernsehen ist für uns ein Instrument der Bildung, der Kultur. Es ist unbeschreiblich, was man damit machen kann! Wir lehren massenweise Fremdsprachen in Sendungen, die wir Universität für alle nennen, und mit beachtlichen Ergebnissen.

In dieser selben Woche oder in der nächsten beginnen die Wiederholungen des Lernstoffes. Da der Eintritt in das Hochschulniveau sich nach den Ergebnissen der Schulakte und anderen Faktoren richtet, haben wir ein Programm zur Wiederholung der wichtigsten Fächer gestaltet, die den Eintritt in die Hochschule bestimmen. Früher konnten nur die Familien mit einem höheren kulturellen Niveau und etwas mehr Mitteln Nachhilfelehrer für ihre Kinder besorgen, denn logischerweise wollen alle Familien, daß ihre Kinder die Universität besuchen.

Ich habe gesagt, daß wir uns dessen schämen, was wir gemacht haben, denn wir entdeckten eines Tages, daß nicht alle in diesem Land geborenen Kinder die exakt gleichen Chancen hatten. Durch Nachforschung und Vertiefung in diese Themen bezüglich der Gerechtigkeit haben wir dies bemerkt, nach so vielen Jahren des revolutionären Kampfes und nachdem wir im sozialen Bereich möglicherweise zehnmal mehr getan haben als jegliches andere lateinamerikanische Land. Ich sagte den Teilnehmern an einem lateinamerikanischen Journalistenkongreß, daß wir uns dessen schämten, was wir gemacht haben, wenn an die Dinge denken, die man machen könnte, die wir aus Ignoranz nicht gemacht haben und die wir erst heutzutage in die Tat umsetzen. Es sind mehr als 70 Programme der sozialen Entwicklung. Eines davon ist Universität für alle, das ist kein Blödsinn; ein anderes im Bereich der Grundschulbildung zielt darauf, einen Anteil von 20 Schülern pro Lehrer zu erreichen, und das ist noch nicht das Ideal. In der Stadt Havanna werden wir innerhalb von zwei Jahren – das wird jetzt im September sein – den durchschnittlichen Anteil von 37 auf maximal 20 Schüler reduziert haben. Wir haben die Fernsehprogramme in die 1 944 Schulen gebracht, die keinen Zugang dazu hatten, weil sie über keinen Strom verfügten. Dieses Problem lösten wir mit einem Solarpanel, und jetzt installieren sie – was in einigen Wochen beendet sein wird – ein weiteres Panel für den Computeranschluß. Keine der 1 944 Schulen wird von diesem Programm ausgeschlossen. 21 dieser Schulen verfügen über nur einen Schüler, und dieser Schüler hat bereits einen Diplom-Grundschullehrer – er lebt an einem weit entfernten Ort, vielleicht der Sohn eines Försters -, ein Solarpanel mit einem chinesischen Fernseher – die 60 Watt verbrauchen, sie sind sehr sparsam und haben eine exzellente Bildqualität -, und jetzt den Computer, mit dem der Lehrer – der einen Kurs zur Unterrichtung von Computertechnik in der Grundschule absolviert hat, er verfügte über die pädagogische Methodologie und bekam einen 174 Stunden dauernden Kurs erteilt – bereits das diesem Kind entsprechende Computerprogramm unterrichten kann; außerdem bildet er sich weiter fort und verbessert sein Einkommen.

Die Lehrer, die in der Stadt Havanna in den Grundschulen Computertechnik unterrichten, bekommen – da in der Hauptstadt immer alles viel schwieriger ist – 800 Stunden Ausbildung erteilt; sie sind keine ausgebildeten Lehrer, denn wir hatten einen Lehrermangel, sondern Jugendliche, die in den Gymnasien die elfte Klasse absolviert haben.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir in 600 kleinen Dörfern oder Weilern, die über keinen Strom verfügen, fast 600 Videosäle mit 29 Zoll-Fernsehern und Solarpanel. Wir verschaffen damit allen Bürgern des Landes den Zugang zum Fernsehen. Sie besuchen diese Einrichtungen und verhalten sich mit einer bewundernswerten Disziplin. Dort wird kein Rum getrunken und es ist ein großes Ereignis, wenn die Programme gezeigt werden. Es werden in diesem ersten Teil 700 sein und dann fehlen noch etwa 700 weitere. Ende dieses Jahres wird es in jedem dieser fast 1 500 kleinen Dörfer mit 15 oder mehr Wohnungen einen solchen Videosaal geben, den sie mit sehr wenigen Mitteln errichten.

Wieviel kostete es uns, die Solarpanele in die 1 944 Schulen zu bringen, die nicht an das Stromnetz angeschlossen waren? Was war das kostengünstigste? Das Solarpanel. Gesamtzahl der Solarpanele: 1 944. Kosten: 2 200 000 Dollar. Das nehmen einige Leute in einem Tag oder einer Woche mit. 2,2 Millionen Dollar ist viel Geld?

Den Computer zu diesen selben Orten zu bringen ist ein bißchen teurer, den Strom zu besorgen, denn einige Schulen benötigen, wenn sie mehr als 40 Schüler haben, täglich mehr als ein Kilowatt, sie müssen also ein doppeltes Panel installieren, das 1 900 Dollar kostet. Für dieses Programm werden etwa 2,5 Millionen Dollar aufgewendet. Wir können also sagen: Alle Kinder des Landes haben ab dem 5. Lebensjahr Zugang zu den Fernsehprogrammen, was ein ausgezeichnetes audiovisuelles Mittel darstellt, vor allem, wenn man außerdem einen Lehrer hat, denn die audiovisuellen Mittel kommen nicht, um dem Lehrer den Arbeitsplatz wegzunehmen. Es gibt einige Fächer, bei denen wir einen Lehrermangel haben, wie in Englisch und bei einigen anderen, bei denen man jemanden suchen muß, der aushilft; doch wir bieten diese Programme im Fernsehen an.

Wir haben bereits einen dritten Fernsehsender, der ein Drittel der Bevölkerung erreicht und nur für die Bildung bestimmt ist. Alles Bisherige haben wir mit den beiden nationalen Sendern gemacht, die jeweils sechs Stunden pro Tag beisteuern, und Sonntags zwei Stunden der eine und zwei Stunden der andere. Diese Zeit wird gut für verschiedene Seminare verwendet, sei es über Malerei, Tanz, Erzähltechniken oder andere Themengebiete. Das heißt, der Bevölkerung werden ziemlich fortgeschrittene Kenntnisse zugänglich gemacht.

Gerade heute zeigte ich Pérez Esquivel die gestern nach dem Podiumsgespräch über die argentinische Problematik gesammelten Meinungen. Wir sammeln über jedes dieser Themen zwischen und 3 000 und 5 000 spontane Meinungen, und es ist eindrucksvoll, was unser Volk in zwei Jahren gelernt hat. Sie können den Leuten vom Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und einer ganzen Reihe von Themen erzählen, über die sie vor zwei oder drei Jahren noch nichts wußten. Gelegentlich, wenn das Thema etwas trocken ist, empfiehlt man den Podiumsteilnehmern immer, daß sie die unvermeidlichen technischen Begriffe erklären, wenn sie diese benutzen.

Im Falle dieser Programme, wie Universität für alle, kostet den Staat zum Beispiel eine Stunde Englischunterricht im Fernsehen 109 Dollar. Wenn eine Million Personen 160 Stunden Unterricht erteilt bekommen, entspricht dies 1,8 Cent pro Person. Man sieht, welch niedrige Kosten hier anfallen. Wenn dieser Unterricht zu drei verschiedenen Uhrzeiten ausgestrahlt wird, wegen der größeren Bequemlichkeit für diejenigen, die den Kurs gemäß ihrer täglichen Tätigkeit verfolgen: um 7.00 Uhr morgens, um 14.oo Uhr und um 23.00 Uhr, dann erhöhen sich die Kosten für den Staat für den gesamten Kurs auf 5,4 Cent pro Person, und wer den kompletten Kurs verfolgt, verbraucht acht Cent Strom und zusätzlich 25 Cent, das sind die Kosten in Devisen für das schriftliche Material, das ihnen übergeben wird: 33 Cent zusammen für 160 Stunden Unterricht.

Wir haben die Technologie in den Dienst der Bildung und der Kultur der Bevölkerung gestellt. Es gibt keine kommerzielle Werbung, es gab sie nie; die Spots dienen Ratschlägen, nicht zu trinken und zu rauchen, wie eine Mutter ihr Kind betreuen muß, Bildungskurse und niemals kommerzielle Werbung.

Sie wissen, daß das Fernsehprogramm in Ihren jeweiligen Ländern ständig durch die berühmten Spots unterbrochen wird. Beim Höhepunkt und im aufregendsten Augenblick stoppen sie die Sendung und blenden Werbung ein. Das kennt man hier nicht, wir können mit diesen technischen Mitteln machen was wir wollen, und die Kosten sind äußerst günstig.

Pérez Esquivel erwies uns die Ehre, an die 75 000 Jugendlichen zu erinnern, denen wir ein Gehalt bezahlen, um zu studieren; nicht denjenigen des regulären Kurses. Wir müssen verhindern, daß ein junger Mensch, der das neunte Schuljahr absolviert hat, danach aus irgendeinem Grund weder studiert noch arbeitet. Neben anderen Gründen kann dies deshalb geschehen, weil ein junges Mädchen mit 16 oder 17 Jahren heiratet; andere Gründe liegen in der Familie, der Bildung und vielen anderen Faktoren, die wir gründlich untersucht haben und weiter analysieren.

Wir wissen bereits sehr gut, was zu machen ist, damit keiner das Schulsystem verläßt: Arbeit mit der Familie und direkt mit dem jungen Mensch, ihnen Motivation verschaffen – und davon hat man etwas gelernt -, in der Kategorie des neunten Schuljahres; diese Schüler sind zwischen 17 und 30 Jahre alt – das erklärte ich vor zwei Tagen, aber viele waren nicht hier -, wenigstens die neunte Klasse absolviert, einige haben das Abitur, oder einen Abschluß in einem anderen Fachgebiet der höheren Mittelschulbildung; deshalb wird die Kategorie der neunten Klasse in wenigen Jahren verschwinden. Und es sind 75 000, weil es nicht mehr gibt. Wären es 100 000, könnten wir es machen, genauso im Falle von 120 000, das kostet nichts. Wir bezahlen ihnen ein Gehalt, mit dem sie viele Probleme lösen können, und wenn wir ihnen auch keine feste berufliche Anstellung anbieten, so bilden wir sie weiter, sie werden die entsprechenden Anstellungen in dem Maße erhalten, in dem diese geschaffen werden; denn die Situation ist nicht in allen Provinzen gleich, einige haben zum Beispiel eine bestimmte touristische Entwicklung, oder andere Produktionszweige, die unterschiedlich ausgeprägt sind.

Oder es handelt sich um eine Mutter von drei Kindern. Dort, etwa in der dritten Reihe, saß während eines Studentenkongresses eine junge Frau aus der Provinz Guantánamo, die drei Kinder hat, die glücklichste Frau der Welt, und sie hat nicht einmal den Unterricht versäumt. Wir haben normalerweise etwa 95 % Teilnahme am Unterricht an diesen Schulen.

Es ist unglaublich, was man machen kann und was es uns zum Umtauschkurs von 20 zu 1 kostet, das sind Zahlen, die niemand glauben würde, da unser Peso über Kaufkraft verfügt.

Nun, sehen Sie das bewiesene Vertrauen. Als es zur Veränderung der Tendenz in den Wechselstuben kam und mehr Dollars als Pesos gekauft wurden, war es erforderlich, eine öffentliche Erläuterung und Anweisung zu gebe. Ausgehend von dieser dauerte die Situation keine zwei Tage länger; es ist das Vertrauen in die Banken, denn niemals hat man das Geld der Sparer angefaßt.

Es waren einige Gerüchte im Umlauf, daß die Wechselstuben geschlossen würden; es wurde ihnen garantiert, daß sie weiter arbeiten würden; man garantierte ihnen, die Preise in Pesos nicht anzutasten, außer in den freien Bauernmärkten.

Wir bewältigen bereits die Folgen des Hurrikans, dem zerstörerischsten, der das Land heimsuchte: 6 Millionen Menschen beziehen Hilfsleistungen wegen dem Hurrikan; er brachte die Stahltürme der Fernseh-Sendeanlagen an einigen Orten oder Hochspannungsleitungen zu Fall.

Das Land ist heute mit diesem Problem konfrontiert, mit der Wirtschaftskrise; nun ist es mit dem Moskito konfrontiert, dem Aedes aegypti; die einzigen, die wir nicht mobilisiert haben, sind die 2 000 Schüler dieser Schule, von denen ein Teil dort auf der linken Seite sitzen, es sind Schüler einer Schule, die noch nicht fertiggestellt worden ist. Sie werden nach Abschluß der zehnten Klasse Krankenpflege studieren.

Wir haben ein gewisses Defizit an Krankenpflegern in der Hauptstadt. Es sind ausgezeichnete junge Leute. Wissen Sie wie sie studieren? In 52 verschiedenen Räumen. Sie wurden nach Stadtbezirken ausgewählt und werden in Einrichtungen in der Nähe ihres Wohnortes arbeiten. Sie bekommen den Unterricht erteilt, eine außergewöhnliche Direktorin. Ist die Direktorin heute nicht gekommen? (Ihm wird gesagt, daß sie gekommen sei) Eine sehr gute Direktorin, sie wissen es (Beifall). Und sie haben eine gewaltige Motivation; sie nehmen nicht teil, weil sie in der zehnten Klasse sind, sie sind noch sehr jung. Es gibt andere Schulen mit Abiturienten, deren Schüler sind in der Qualitätskontrolle, und auch die Schulen der Sozialarbeiter, eine andere Beschäftigung, die wir geschaffen haben. 7 000 Abiturienten nahmen dort den Unterricht auf.

Die Universitätsbildung wird sich multiplizieren, der Unterricht durch Treffen wird in den Stadtbezirken veranstaltet, das selbe, was wir mit diesen Jugendlichen zwischen 17 und 30 Jahren machten, in den selben Mittelschul-Einrichtungen, die ab 17.00 Uhr frei sind, von 17.30 Uhr bis 20.30 Uhr, vier Tage die Woche, und sie bitten bereits um den fünften Tag.

Diese Programme laufen. Und was kosten sie? Nichts, kein Gebäude, die Lehrer, die den Unterricht erteilen. Ich sagte ihnen: Dort habt ihr die Computerlabore, ihr habt die entsprechenden Programme für jeden Bereich. Ihnen werden allgemeine Kenntnisse vermittelt, Sprachen und Kenntnisse, sie können dann die Universität besuchen.

Heute haben wir bereits Fachleute, Ökonomen, Anwälte, qualifiziertes Personal in jedem Kreis des Landes, genug, damit sie als Hilfsdozenten an der Universität arbeiten. Der Unterricht durch Treffen sollte die Samstage stattfinden, und jetzt können wir es drei Mal die Woche machen, ohne den Kreis zu verlassen, denn es gibt Beschränkungen beim Transport. Wir verändern die Methoden und auf kostengünstige und einfache Weise werden wir Gelegenheiten für die Universitätsstudien bieten und vervielfältigen.

Sie sprachen hier von einem Projekt, einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, oder es gibt Länder mit Geld, die subventionieren; doch der Mensch darf nicht überflüssig sein. Das Erniedrigendste der Arbeitslosigkeit besteht darin, den Eindruck zu haben, der Bürger sei überflüssig, das verletzt sein Selbstbewußtsein.

Das sind gewaltige Kräfte, die wir entdeckt haben. Auf dem Wissensdurst des Menschen gründen sich die Erfolge all dieser neuer Programme, die wir durchführen. Gut, warum soll man sie subventionieren? Warum keine Schule organisieren? Und wenn wir ihm nicht in relativ kurzer Zeit eine Stelle sichern können, erhöhen wir ihm das nächste Jahr das Gehalt, und man kann einen neuen Beruf schaffen, den Beruf des Weisen; sie können weiter studieren, bis sie zu Weisen werden.

Ich zweifele nicht, daß viele dieser Mütter – man muß sehen, die Mehrheit, 65 %, sind Frauen – ihren Abschluß in den Universitäten machen und keine Probleme haben werden, und ihre Kinder werden mit ihnen zusammen sein, und sie werden die Bildungs-, Gesundheits- und Erholungsdienste erhalten, es wird ihnen an nichts fehlen, und so machen wir es mit der ganzen Gesellschaft.

Wir haben enorm wertvolle Beziehungen entdeckt zwischen Wissen, Kultur und Verbrechen, vor allem in einer Hemisphäre, in der das Verbrechen wächst, wie Sie sehr gut wissen, und wo der Drogenkonsum ansteigt, ein schreckliches Übel, von dem wir uns befreit haben; und ich weiß nicht, wie sie das bewältigen werden, wenn jetzt Ekstase und andere Dinge aufkommen, und statistisch weiß man, wie der Konsum dieser Drogen unter den Jugendlichen ansteigt, sich verdoppelt und verdreifacht, und sie ist billiger als das berühmte Kokain. Es ist eine Frage der Bildung, und wir denken an Erzieher, nicht an Übermittler von Wissen, um das Prinzip eines großen kubanischen Philosophen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Tat umzusetzen, als er sagte: „Ausbilden kann jedermann, erziehen aber nur der, der ein lebendes Evangelium ist“.

Wir werden einen Qualitätssprung von dem Moment ab unternehmen, in dem wir Erzieher haben, einen Erzieher für 20 Schüler jetzt und für 15 später. Und wir entwickeln auch Programme und probieren sie aus, gemäß denen wir uns vorstellen, in der siebten, achten und neunten Klasse, im ersten Teil der Sekundärstufe, einen Lehrer pro 15 Schüler haben zu werden.

Es wird keine Arbeitslosigkeit geben. Wir werden die Leute weiterbilden. Wir haben allen jungen Menschen versprochen, daß sie garantiert eine Beschäftigung bekommen werden, mit einer einzigen Bedingung: daß sie gut ausgebildet sind. Mit den neuen Ideen, die entwickelt wurden, haben wir die Arbeitslosigkeit verringert, ich habe es bereits bei anderer Gelegenheit gesagt. Sie erreichte zu einem bestimmten Zeitpunkt 8 %, Ende 2000 war sie bereits bei 5,4 %, heute liegt sie bei 4,1 %, Ende dieses Jahres wird sie zwischen 3 % und 3,5 % liegen, wenn wir sie nicht noch weiter senken.

Die Kategorie des Arbeitslosen muß verschwinden: Ein Mensch kann nicht überflüssig sein, und die Gesellschaft, in der der Mensch nichts taugt, hält keiner ethischen Analyse stand und auch keiner humanen Analyse, sie ist dann für sich genommen schon aus moralischer und humanischer Sicht zum Scheitern verurteilt.

Zu Zeiten Roms konnte man so nicht denken, genauso wenig im Mittelalter, aber heute kann man denken, es gibt genügend Wissen und es gibt Argumente, um die minimale Vernunft zu verteidigen, die in einer Gesellschaft nötig ist, damit niemand überflüssig ist. Wir sind noch weiter vorangekommen, aber ich möchte nichts hinzufügen. Was kann es nicht alles in einer einigermaßen rationellen Gesellschaft geben?

Wir sehen, daß die immer modernere und produktivere industrielle Technologie zu Arbeitslosigkeit führt, und die Arbeitslosigkeit ist ein Übel, welches das System wie ein Schatten nicht einfach wegwischen kann. Sie analysierten dies hier.

Gestern war ein spezieller Tag für mich. Unser Zentralbankpräsident erläuterte einige sehr interessante Daten, als er über die Spekulation und die Trennung zwischen der reellen und der spekulativen Ökonomie sprach. Man darf nicht vergessen, daß die Wertpapierbörsen oder der Preis der Aktien an den Wertpapierbörsen der Industrieländer praktisch gleich hoch ist wie das jährliche Bruttoprodukt der gesamten Weltwirtschaft. Der aufgeblasene Wert der Aktien betrug 31,2 Billionen Dollar; und das weltweite Bruttoprodukt an Gütern und Dienstleistungen belief sich auf 31,3 Billionen Dollar.

Sehen Sie, wie weit man gekommen ist. Auch in den USA, die ein Bruttoinlandsprodukt von etwa 10 Billionen Dollar haben, beläuft sich der Wert der Aktien an den Börsen auf das 1,3-fache des Wertes dieses BIP.

Er lieferte eine weitere ziemlich eindrucksvolle Angabe, als er davon sprach, daß der Wert der Aktien einiger der an der US-Börse geführten Unternehmensgruppen zwischen 1981 und 1999 um 570 % gestiegen sei und die Gewinne dieser Firmen im gleichen Zeitraum nur um 61 % angewachsen seien.

Braucht man noch mehr Argumente, um zu beweisen, daß die Wirtschaft aufgehört hat zu existieren? Von welcher Wirtschaft sprechen Sie? Sagen Sie mir die Wahrheit.

Die Ökonomen müssen zu Experten im Glücksspiel und in Wahrsagerei werden. Ja, weil es sich in ein Kasino verwandelt hat. Heute sind die Ökonomen zu Angestellten des Kasinos der Weltwirtschaft geworden, und es ist sehr nötig, daß diese Angestellten erfahren, wie das Kasino funktioniert. Man weiß bereits, daß sich die spekulativen Operationen auf 3 Billionen Dollar täglich belaufen.

Ich erinnere mich daran, daß sich eine ziemlich angesehene europäische Führungspersönlichkeit beim Weltsozialgipfel in Kopenhagen mit mir unterhielt und mir mit Verzweiflung erzählte, daß es täglich spekulative Operationen im Wert von 1,2 Billionen Dollar gäbe. Dies sind innerhalb von zehn Jahren zu 3 Billionen Dollar täglich geworden, und dagegen beläuft sich der Wert aller Operationen des Welthandels pro Jahr auf nur etwa 8 Billionen Dollar, das heißt, alle drei Tage wird zur Befriedigung der spekulativen Operationen ein größerer Geldfluß produziert als der, der für den gesamten Welthandel innerhalb eines Jahres notwendig ist. Was für eine Wirtschaft ist das?

Man muß jetzt also Ökonom, Experte in Politikwissenschaft, Experte in Glücksspiel und außerdem Astrologe sein, um die Ereignisse interpretieren zu können.

Manchmal verzweifelt man, weil man die abermalige Wiederholung eines Phänomens sieht, gegenüber dem wir ohnmächtig erschienen und man schien nichts machen zu können, und sie haben absolut Recht, aber ich bin weit davon entfernt, Pessimist zu sein. Neue Welten entspringen keinem Kopf, diejenigen , die seit der Epoche von Platon davon träumten, nannten sie – wie Sie wissen – Utopiker. Aber nicht alle sind Utopiker. Martí beklagte sich bitterlich und sagte: „Denjenigen, die mich Träumer nennen...“,  denen sage ich: „Die Träume von heute werden die Realitäten von morgen sein.“

Es spricht zu Ihnen ein Träumer, der die Erfahrung gemacht hat, Träume in Realität verwandelt zu sehen; der das Schamgefühl erlebt hat, zu sehen, was bessere Realitäten hätten sein können. Ich mache dies mit dem Schamgefühl, zu Beginn nicht alle die Dinge geträumt zu haben – und es waren damals bereits ambitiöse Träume -, die wir heute in Realität verwandelt sehen (Beifall).

Ich sagte Ihnen vor einiger Zeit, daß ein drittes entscheidendes Element fehlte; es war nicht nur das Bewußtsein, es waren nicht nur die Kenntnisse, es fehlte etwas Essentielles, wenn man von Veränderungen in der Welt träumt.

Die kurze Geschichte, von der ich Ihnen erzählte, ist voll von Träumern, die ihre Träume nicht in Realität verwandelt sahen, denn zusätzlich zu Träumen, Kenntnissen, Bewußtsein, Wünschen und dem entschiedenen Willen sind objektive Bedingungen nötig, und die objektiven Bedingungen bringt die Geschichte, es wird keine tiefgreifenden Veränderungen geben, noch gab es sie jemals, wenn ihnen nicht schwerwiegende Kriesen vorangehen. Darin liegt der Schlüssel.

Nur aus den großen Krisen sind die großen Lösungen hervorgegangen; ich sage das denjenigen, die gefragt haben, was zu machen ist; und sich vorzubereiten ist eine der Lösungen, Ideen zu säen, Bewußtsein zu säen.

Im Optimismus derer, die wir glauben, das wir von reellen Geschehnissen ausgehen, erschreckt uns nicht einmal, daß ein FTAA kommt und ganz Lateinamerika und Karibik verschlingt, denn ich erinnere mich an eine biblische Geschichte – da ich Jahr für Jahr die Heilige Geschichte studieren mußte, wie man das Alte und das Neue Testament nannte -, und man sprach von jenem Propheten namens Jonas, wenn ich mich recht erinnere, der von einem Wal verschluckt wurde; doch der Wal konnte ihn nicht verdauen und er entrann körperlich unversehrt dem Bauch des Wals.

Auf diese Weise glaube ich an die Realitäten und an die nähere Zukunft, und ich glaube, daß wir 500 Millionen Bewohner Lateinamerikas und der Karibik, falls der Wal uns verschlingt,  aus seinem Bauch herauskommen werden und er uns niemals verdauen kann (Beifall).

Wir können also keinerlei Furcht hegen, man muß an die Gesetze der Geschichte glauben, die wir kennen, weil wir über sie nachgedacht haben, die wir aus den Ableitungen kennen, die wir durch das Studium und die Beobachtung der Wirklichkeit kennengelernt haben. Über das Problem des Systems wurde bereits gesprochen, es ist schlichtweg so, daß es sich nicht aufrechterhalten kann, und das, was sich nicht aufrechterhalten kann, bricht zusammen.

Genau hier, als wir hier anläßlich des Forums von Sao Paulo versammelt waren, sagte ich den Argentiniern von dieser selben Tribüne aus: Macht euch keine Sorgen, denkt nicht so viel an die Methode; verliert nicht den Mut bei der Suche nach einer Methode, das ist nicht nötig. Diese Regierung bricht von allein zusammen, die hält nicht einmal dem geringsten Windzug stand (Lachen), und so sagte ich es ihnen. Und bereits seit einiger Zeit zuvor sagte ich dies auf diese Weise, denn bei Analysen und Diskussionen hatten wir diese Realitäten vorausgesehen. Man studierte die Geschichte der Ereignisse des Jahres 1929, was war der Unterschied zwischen 1929 und den jetzigen Geschehnissen; als sich die Börsen mehr als je zuvor aufgebläht hatten, was garantierte , das sie nicht untergingen und die Seifenblase platzt, mit schlimmeren Folgen, da die Rolle dieses Landes größer war, und während 50 % der US-Amerikaner ihr Geld in dieser Aktie investiert haben, die dermaßen aufgeblasst sind, daß einige davon 1. 000 Dollar gekostet haben, kosteten sie acht Jahre Später 800.000 Dollar, d. h., sie sind 800 mal gestiegen.  Es war Wahnsinn und ungeheuerlich; es war nicht aufrecht zu halten.  Man wußte nicht, wann und wie es angefangen hat; doch war es gewiß, daß es  anfangen würde, und zwar ohne den Terroranschlag, der diesen Prozeß beschleunigte.  Sie wissen das sehr gut.

Ich habe also keinen Zweifel darüber. Deshalb begann ich an die Anstrengung im Zusammenhang mit der Verschuldung im Jahre 1985 zu erinnern. Das System konnte trotzdem Zeit für das Erfinden neuer Formeln gewinnen, und die Brady-Schuldverschreibungen und so weiter, es gewann Zeit. Alles was es erreichte war der Gewinn von ein wenig Zeit; als es dies noch konnte. Jetzt bleibt nicht mehr viel Zeit, um Zeit zu gewinnen. Jetzt sind die Dinge schon so kompliziert geworden, daß ihnen nicht mehr viele Gelegenheiten bleiben, und jede Lösung geht auf Kosten der Zukunft. Und schenken? Es wird nichts verschenkt. Diejenigen, die die Weltwirtschaft führen, sind Fundamentalisten auf diesem Gebiet.

Ich sagte Ihnen etwas, das sie ignorieren und vielleicht zu begreifen beginnen, daß wir vor einer Krise stehen, und ich hatte Ihnen gesagt, daß keine Lösung den Gedanken, Ideen oder Vorschlägen entspringt, sie müssen den Realitäten und den Gegebenheiten der Krise entspringen.

Die Krisen kommen auch nicht, wenn die Menschen dies wollen; sie kommen, und gelegentlich kommen sie schnell, denn auch die Ereignisse bewegen sich in beschleunigter Form. Sie lassen nicht die Idee zu, daß das aktuelle Imperium so viele Jahre dauert wie das römische Reich, oder so lange wie danach das englische Imperium, oder so lange wie andere Imperien oder Halbimperien. Heute entwickeln sich die Geschehnisse in beschleunigter Weise, man könnte fast sagen, sie in Lichtgeschwindigkeit voranschreiten, mit der Geschwindigkeit, bei der man innerhalb von Sekundenbruchteilen von einem zum anderen Ende der Welt Geschäftsoperationen abwickeln kann, oder per Internet in Sekundenbruchteilen kommunizieren kann. In dieser Geschwindigkeit bewegen sich die Ereignisse, und dies kann nicht auf andere Weise geschehen, und mit dieser Geschwindigkeit haben sich Wissenschaft und Technik entwickelt. Die Geschichte beweist dies.

Um nicht so weit zu gehen, als es zur Französischen Revolution kam, konnte diese weder 50 Jahre zuvor noch 50 Jahre danach geschehen. Es gab eine absolute Monarchie, die dort sehr gut konsolidiert war, die feudale Ordnung, dort gibt es etwa 10 bis 12 bände, ich erinnere mich nicht wieviele, von Jaurés, die im Detail alle Gebräche, Gesetze und Regulierungen des Feudalismus erklären, die das Überleben dieses Systems unmöglich machten. Es kamen die Theoretiker, sogar in dem Maße, wie die Krise offensichtlich wurde; doch die Theoretiker waren nicht die Autoren der Krise. Sie formulierten Ideen, Prinzipien etc.; doch es waren der Hunger und die unhaltbare Situation, die in dieser exakten Minute zur Revolution führten.

Niemand hatte die Namen jener berühmten Führer gehört, die niemals erwähnt worden wären, wenn die Krise nicht ausgebrochen wäre oder im Verlauf der Krise, sogar die wichtigsten Führer jener Revolution, einige kamen aus einer Pfarrei, andere aus einem Bistum, andere entstammten der Bourgeoisie oder waren Intellektuelle, aber alle waren brillant. Sie verloren nach und nach den Kopf, fast alle: Girondiner, Jakobiner, Danton, Marat, Robespierre, die Moderaten und die Radikalen, und danach der Putsch von Napoleon. Niemand hätte von irgendeiner dieser Personen erfahren. Es ist offensichtlich, daß die Krisen nicht nur Veränderungen mit sich bringen, sondern auch Führer, die Akteure, die führen oder beteiligt sind, und niemals wiederholen sich die Dinge anderswo auf die gleiche Weise.

Man spricht hier von denjenigen, die die Komitees an der Basis organisieren, die das Topfschlagen und die Protestaktionen organisieren und über Internet miteinander kommunizieren, Massen, die sich mit gewaltiger und überraschender Kraft bewegen. Auch die Veränderungen haben ihre Vorläufer; viele von Ihnen sind jung und haben eine Reihe von Kenntnissen erlangt, was sie hier unter Beweis gestellt haben. Das Podiumsgespräch, bei dem die Krise behandelt wurde, war für mich wirklich eindrucksvoll, und das werden wir am Sonntag im Fernsehen ausstrahlen.

Sie wollten heute eine Sendung machen, und es war notwendig, eine andere zu machen. Das Podiumsgespräch von gestern mußten dessen Autoren selbst nicht im Fernsehen wiederholen, man konnte sie vollständig wiederholen, sie wird vollständig ausgestrahlt, mit der Spontaneität, mit der sie sprachen, alles wurde aufgenommen und wir werden es ausstrahlen. Unser Volk lernt Tag für Tag hinzu. Die Erläuterungen waren brillant, der Podiumsteilnehmer, die wirklich mit Talent, Wissen und Erfahrung sprachen. Das alles wollen wir und wir werden eine Zeitungsbeilage daraus erstellen, von der wir vielleicht 200 000 oder 300 000 Exemplare drucken. Wir backen keine kleinen Brötchen.

Bezüglich des Buches von Ramonet, über das am letzten Sonntag mit 6 000 Personen im Karl Marx-Theater diskutiert wurde, dort waren Studenten zugegen, viele von denen, die hier vorbeikamen, von den Schulen der Sozialarbeiter und anderen, und der Personen, die mit dem Kampf gegen den Moskito und die Denguefieber-Quellen beschäftigt sind, bei dieser Veranstaltung waren 3 000 anwesend, von den 6 000 Studenten der Studentenbrigaden im Bereich der Sozialarbeit, denn da diese Kurse neu sind, haben wir nur etwa 1 000 Absolventen und jetzt gliedern sich 7 000 weitere ein, wir haben die Schlagkraft der Studenten benutzt.

Sechstausend von ihnen besuchten zwischen dem 15. Juli und dem 5. August an 16 Tagen 505 000 Familien der Hauptstadt der Republik, wobei sie Meinungen über die verschiedensten Themen einholten, die Kriterien der Leute, sie notierten alles in einem geeigneten Raum, damit die besuchten Familien sich über jegliches Thema äußern konnten, das sie in die Liste der zu diskutierenden Themen einbeziehen wünschten – es waren mehr als 30 Themen -; 300 Computer, die von den Studenten selbst bedient wurden, benötigten vier Monate, um die Daten zu sammeln. Das heißt, man sammelt eine große Anzahl von Informationen und Kenntnissen, die nur auf diese Weise ermittelt werden können.

Ich kann eine andere Tatsache zitieren, das Land verfügt über eine Kraft, die Jugend, die Studenten, die Arbeiter, die vereinten und organisierten Frauen; mit all diesen kann man alles mögliche machen. 2 200 000 Kinder im Alter bis zu 15 Jahren wurden gewogen, um alle die festzustellen, die ein zu geringes Gewicht im bezug auf ihre Körpergröße und ihr Alter haben konnten, um danach, nach Ermittlung dieser Daten, jeden individuellen Fall derer zu behandeln, die eine spezielle Behandlung oder Unterstützung benötigen, und um zu erfahren, welche Faktoren darauf Einfluß haben, daß ein Kind in den ersten drei Jahren nicht die angemessene Ernährung erhält, was einen Eintritt in die Vorschule mit einer geringeren intellektuellen Kapazität mit sich bringen würde als bei einem Kind, das wirksam ernährt wurde. Denn das Kind muß man wirklich von dem Moment an betreuen, wenn es sich im Bauch der Mutter befindet.

Das soll nicht davon abhängig sein, ob eine Familie mehr Einkünfte hat als die andere, oder ob die Eltern über mehr Kultur und Wissen verfügen als andere, oder ob einige drei Zimmer in einem Apartment haben und andere mit sechs Personen in einem Zimmer hausen, und wir werden nicht warten, bis Hunderttausende oder eine Million Wohnungen gebaut werden, um die materiellen Wohnungsbedingungen zu verändern. Die Frage der Marginalisierung besteht nicht einfach nur darin, in einem dieser improvisierten Viertel zu leben; es gibt noch andere Dinge. Man unternimmt keine Veränderungen mit dem Bau von Gebäuden, sondern mit den Programmen der Art, von denen wir glauben, daß sie eine entscheidende Bedeutung bei der Suche nach einer möglichen Gerechtigkeit haben, die vorher nicht vollständig existierte, die jedoch innerhalb von kurzer Zeit existieren wird, das kann ich Ihnen versichern.

Das nächste Jahr, Verrier, können wir eine Broschüre erstellen und Ihnen von allen diesen Programmen berichten, von denen wir einige bereits abgeschlossen haben, mit einem Minimum an Mitteln. Das Wichtigste ist der Wille; aber um es machen zu können, muß man einfach die Kraft haben es zu tun, und die Kraft ist da, in den Massen. Denjenigen, die Zweifel hatten, sage ich dies.

Wenn Sie einen anderen Moment der Geschichte wollen, gut, das Jahr 1917, es wurden die Bedingungen geschaffen für eine große soziale Revolution, die Russische Revolution. Vorher war es zur Mexikanischen Revolution gekommen, nach der Ära von Porfirio Díaz. Unter jenen gewaltigen Bedingungen bricht die Krise aus und alle ihre Führer tauchen durch die Krise auf.

Vorher entfesselt die selbe Französische Revolution eine soziale – ich spreche nicht von einer sozialistischen - Revolution in Haiti, da es unmöglich war, daß sich ein Regime aufrechterhält, in dem 30 000 französische Siedler 300 000 Sklaven beherrschen, das konnte nicht viel länger andauern, und eines Tages zerbrach dies alles, indem sich unter den aufständischen Sklaven die eigenen Führer herausbildeten. Niemand wußte, wer Toussaint Louverture oder die anderen Führer waren. Und die 30 000 Soldaten konnten auch mit einem der brillantesten Anführers des berühmtem napoleonischen Heeres die Revolution der Sklaven nicht niederschlagen.

Das hatte gewaltige Folgen, denn es kamen viele Siedler auf unsere Insel und Kuba wird zu einer Sklavengesellschaft, zunächst als Kaffee- und dann als Zuckerproduzentin, wo die Kreolen die Besitzer der von den ersten Kolonisatoren geerbten Ländereien waren, während die Spanier das Monopol im Handel, der Verwaltung und der öffentlichen Sicherheit hatten. Dies alles wurde von Philosophien, Glaubenssätzen und Prinzipien gestützt, die unverrückbar erschienen.

Die amerikanische Unabhängigkeit selbst entsteht erst, als es zu einer großen Krise kommt. Es gab Vorläufer, einige die die Erklärungen der Menschenrechte verteilt hatten und über Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sprachen, die immer noch nicht in irgendeinem Land der Erde wirklich umgesetzt worden sind.

Die monarchistischen Ideen waren in unserer Hemisphäre immer noch stark. Mehr noch, als es zur Besetzung Spaniens durch das berühmte napoleonische Heer kam, sie setzen einen Bourbonen ab und installieren einen Bruder Napoleons als Herrscher, worauf sich das spanische Volk erhob.

Die ersten Juntas, die in den spanischen Kolonien dieser Hemisphäre aufkamen, waren Juntas, die eher einem Gefühl der Treue gegenüber Spanien entsprachen, außer in einigen Ausnahmen wie denen von Bolívar und andere in Venezuela, dort wo Miranda agiert hatte, der ebenfalls am Kampf für die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten teilgenommen hatte, er hatte an den Schlachten der Revolution teilgenommen und ist der erste Präsident, den sie dort ernennen. Die Kämpfe werden zu Revolutionen für die Unabhängigkeit, über mehr als 15 Jahre hinweg, bis zu den letzten Schüssen der Schlacht von Ayacucho.

Weder Sucre noch Bolívar oder irgendeine andere Persönlichkeit wäre 20 Jahre vorher oder 20 oder 30 Jahre danach in den Geschichtsbüchern aufgetaucht.

Unsere eigenen Unabhängigkeitskriege entstehen auf die gleiche Weise, im angemessenen Moment. Die subjektiven Faktoren können im Vorsprung oder im Rückstand sein; doch sie entstehen und entwickeln sich, und die subjektiven Faktoren können entscheidend Einfluß nehmen. Es kann sein, daß eine Revolution wie die bolschewistische so zu Ende geht wie sie zu Ende ging, obwohl sie durchgeführt wurde, und ich bin absolut damit einverstanden, daß die Revolutionäre zu dem Zeitpunkt, als es nicht zu der erhofften Revolution in den industrialisierten Länder kam, nicht aufgaben und die Entscheidung trafen, den Sozialismus in einem einzigen Land aufzubauen, was im Widerspruch eben zur Theorie von Marx stand, und sie zögerten nicht, dies zu tun.

Man könnte von vielen Dingen sprechen, einschließlich einigen Standpunkten und Kriterien. Als man auf der Welt das Kräfteverhältnis verändern konnte, wurde dies durch subjektive Faktoren verhindert. Und letztendlich haben auch wir die Revolution in einem einzigen Land gemacht, hier, unter allen Ländern Lateinamerikas, wo sich mit Ausnahme Mexikos alle weiteren sogenannten Regierungen, man muß dieses Wort benutzen, mit den Vereinigten Staaten gegen Kuba verbündeten. Manchmal geben wir den Regierungen die Schuld für die Probleme, wo doch nicht einmal die Unabhängigkeit oder die Regierungen existieren, ihre Macht wird immer mehr auf ein Minimum reduziert. Die politischen Parteien in unserer Hemisphäre sind vollständig diskreditiert worden, sie wurden durch die seit langer Zeit errichtete politische und wirtschaftliche Ordnung zerstört.

Es sind fast 200 Jahre seit dem ersten Unabhängigkeitskampf vergangen, und wieviel haben wir uns verändert? Was geschah mit den Indios? Was geschah mit den Nachfahrern der Sklaven? Was geschah mit den Nachfahren sogar der Kolonialherren selbst, oder den Mestizen und allen anderen? Die Welt weiß was mit ihnen geschieht, genauso wie sie von der Kindersterblichkeit weiß, der Analphabetenrate, von Armut, Arbeitslosigkeit und allen Übeln, die Sie hier erwähnt haben; niemand ignoriert dies.

Wir wissen sehr gut, unter welchen Bedingungen wir die Revolution gemacht haben. In den ersten Jahren war für uns gewiß die Existenz dieses sozialistischen Lagers sehr nützlich, sagen wir nicht realsozialistisch, sondern imaginär, denn etwas Bodenständiges ist nicht das Gleiche wie etwas Importiertes; ein politischer Prozeß, eine Revolution durch künstliche Besamung, oder durch Kolonisierung, ist nicht das Gleiche; es gab in Wirklichkeit eine gewisse Kolonisierung der Erfahrung eines Landes, das vom Feudalismus zum Sozialismus gesprungen ist, mit einem Anteil von 80 % unwissenden Bauern, als die Revolution gemacht wurde; eine Handvoll Proletarier in dem am wenigsten industrialisierten Land Europas, das sich als Folge des Zweiten Weltkrieges auf den landwirtschaftlich geprägten und unterentwickelsten Teil Europas ausweitet.

Es ist eine Etappe, in der die USA aus diesem Zweiten Weltkrieg als eine unüberwindliche Macht aufsteigt, mit einer intakten Industrie und 80 % des weltweiten Goldes, das ihnen erlaubt, uns die berühmte Bretton Woods-Vereinbarung aufzuzwingen, bis sie dann zwei Drittel dieses Goldes verschwendeten, und als ihnen nur noch 10 Milliarden Gold in Troy-Unzen blieb, mit dem bekannten Wert von 35 Dollar, und ein Mechanismus, der die Stabilität dieses Preises mittels des Kaufes von Gold im Falles eines Überschusses und des Verkaufes im Falle eines Mangels gewährleistete. Es funktionierte wie eine exakte und präzise Maschine, bis nach dem Vietnam-Krieg, für den 500 Milliarden Dollar ohne Steuern gezahlt wurden, ein Drittel des ursprünglichen Goldes blieb und der Goldstandard aufgehoben wurde. Das Gold wurde durch das Papier ersetzt, durch die Scheine, die das Finanzministerium oder die Notenbank Federal Reserve druckten, und mit Papierscheinen, die seit diesem Zeitpunkt ihr enormes Defizit abgedeckt haben, eine interne Verschuldung, die sich dann in einigen wenigen Jahren verfünffachte.

Mit Papierscheinen kaufen sie unsere Waren und unsere Dienstleistungen; mit Papierscheinen halten sie bis zu 400 Milliarden Defizit aufrecht, während uns ein einziger Cent an Defizit verboten wird: „Schließt Schulen, schließt Krankenhäuser, werft die Leute auf die Straße, in den Hunger und die Arbeitslosigkeit.“ Wir wissen es, denn das sagen uns hier alle die Ärzte, Lehrer und Dozenten, die dauernd an Kongressen teilnehmen und von ihren Tragödien in Lateinamerika erzählen.

Das sind die Normen, die leitgebend sind, ein Gesetz des Schwindels, wie man hier sagt. Und zusätzlich dazu, daß sie uns mit Papierscheinen bezahlen, zwingen sie uns, daß wir ihnen unsere Naturressourcen und unsere Industrien verkaufen, in einigen Orten sogar die Eisenbahn, die Parks, die Straßen, die Autobahnen und so weiter.

Defizit Null. Was interessiert sie das? Nichts davon hat Sinn, Logik und eine Rechtfertigung, es sei den die Rechtfertigung und die Logik der Stärke, der Macht in allen Bereichen, von der hier gesprochen wurde, und wenn nicht hier, dann bei dem Treffen mit Ramonet bei der Vorstellung seines Buches Propagandas Silenciosas (Stille Propaganda).

Er weist dort auch auf sehr interessante Phänomene hin. Wir wollten eine Auflage von 10 000 Stück herausbringen, innerhalb von 24 Stunden änderten wir es auf 100 000, denn es gibt äußerst wichtige Ideen, mit einem Zusatz über die letzten Monate, etwas, was man vor dem 11. September nicht vorbringen konnte.

Sein Buch gründete sich auf der enormen Macht unserer Nachbarn aus dem Norden – ich werde sie nicht immer Imperium nennen, denn ich will nicht, daß das Konzept des Systems und der Führer dieses Landes verwechselt wird mit dem Konzept, daß wir vom US-amerikanischen Volk haben; immer wenn ich kann, vermeide ich, alles in den selben Sack zu stecken.

Ramonet geht vom tiefgreifenden Studium des Einflusses dieser Medien aus. Er hatte uns bereits vor der kolossalen kulturellen Aggression gewarnt, deren Opfer wir geworden waren, der Zerstörung unserer nationalen Identitäten.

Vor zweieinhalb Jahren war dies das zentrale Element eines Kongresses des Kubanischen Schriftsteller- und Künstlerbundes und etwas, das alle unsere Künstler und Intellektuellen vereinte, die Verteidigung der nationalen Identität.

Diese selbe Idee entwickelte er weiter, er schaffte bereits, sie in einem Buch zu konkretisieren, das unserer Meinung nach einen großen Wert besitzt; doch er hielt in seiner Theorie aufrecht – und es konnte nicht anders sein -, daß die Hauptkraft der imperialen Herrschaft eben genau das Monopol sei und der Gebrauch ihrer enormen Kommunikationsmedien sei, ihr Monopol dieser Medien. Doch nach dem 11. September war es notwendig, das Konzept des Sicherheitsaufsehers – wie er es nennt – einzubeziehen, in zwei Worten, das militärische Element.

In seine Thesen und sogar dem Titel, den er einem seiner Vorträge gab, „Ein köstlicher Despotismus“, mußte er das militärische Element einbeziehen. Das ist das, was ich Ihnen noch sagen wollte und Ihnen angekündigt hatte.

Was ist der Grund für diese kolossalen Kriegsausgaben, etwa die Absicht, Geld in die Wirtschaft zu pumpen? Meiner Ansicht nach nicht. Diese Administration ist auf ihre Weise auch keynesianisch, Geld in Umlauf bringen, mit der Hoffnung, erneut das Wachstum anzuschieben, für eine kurzen Zeitraum, wenn sie es schaffen; ihre Hauptformel ist die Senkung und praktisch die Abschaffung vieler Steuern. In der Tat haben sie auf jene erträumten 5 Billionen Dollar verzichtet, die sich innerhalb von 10 Jahren als Folge der Überschüsse anhäufen würden; jetzt wissen sie, das dies nicht so ist, das sie erneut ein wachsendes Defizit haben.

Viele US-Amerikaner träumten davon, daß jener Überschuß für die Gewährleistung des Gesundheitswesens, die Verbesserung der Schulen und die Garantie der Renten dieser großen Zahl von US-Bürgern verwendet würde, die in den Ruhestand gehen, die Generation, die nach dem Zweiten Weltkrieg kam; alle diese Träume sind zerstoben und außerdem begünstigt die Senkung und Abschaffung von Steuern viel mehr diejenigen, die über mehr Geld verfügen.

Geld in ein Land pumpen, dessen Bürger die Gewohnheit zu sparen verloren haben, wo die Sparrate unter Null liegt, hat das irgendeinen Sinn? Doch sie wollen die Wirtschaft ankurbeln, indem sie Geld hereinpumpen.

Die Steigerung der Militärausgaben liegt unter dem Hereinpumpen von Geld in den Umlauf auf dem Weg der Steuersenkungen, es sind mehr und mehr verzweifelte Mittel, auf die selbe Weise, wie die Japaner den Zinssatz auf Null reduzierten, um die Investitionen anzukurbeln, und die US-Amerikaner reduzierten ihn auf 1,75 %, den niedrigsten Stand, an den ich mich erinnere, und ich weiß nicht, ob es irgendeine Epoche gab, in der er niedriger war.

Warum also ein enormer Militärhaushalt? Warum enorme Investitionen in neue Technologien? Sie beginnen zu begreifen, daß die Welt immer unregierbarer wird, daß sie nicht mehr allein mit dem Glanz der Spots aufrechterhalten werden kann, daß Gewalt vonnöten ist, daß mehr Flugzeugträger, mehr Waffen und immer modernere Geräte nötig sind, daß es notwendig ist, einen Weltkrieg zu erklären und 80 Staaten zu bedrohen – denn sie sehen bereits 80 Länder als mögliche Ziele ihrer Angriffe an.

Jetzt könnnten Sie sagen: Seid ihr nicht besorgt? Wir sind das gelassenste Land auf der ganzen Welt, denn wir werden seit 43 Jahren bedroht; wir waren nahe daran zu verschwinden, ja, zu verschwinden, physisch, wir alle, ohne daß das Volk gezögert hätte.

Ich erinnere mich an keinen einzigen demoralisierten oder in Panik verfallenen Mitbürger im Jahr 1962. Sehr wohl erinnere ich mich an ein wütendes Volk, als unsere damaligen Verbündeten, ohne Kuba überhaupt zu konsolidieren, Konzessionen machen und Deals eingehen. Sie wissen sehr gut, daß man dieses Volk nicht einschüchtern kann, es ist egal, ob sie uns auf die Liste setzen oder nicht;  Sie stellen sich nicht vor, wie völlig egal es uns ist, ob sie uns ausschließen oder nicht; denn es gibt vorher ein anderes Problem zu lösen, ob wir die Vereinigten Staaten – auch wenn nicht alle ihre Regierungen gleich waren – von der Liste der terroristischen Staaten nehmen.

Tausende Mitbürger verloren ihr Leben als Folge des schmutzigen Krieges, der Angriffe aller Art, von mitten im Flug gesprengten kubanischen Passagierflugzeugen, von in unseren Hotels gelegten Bomben, von unzähligen Plänen, die ich nicht im Detail beschreiben will, und wir können das machen, wenn es nötig wäre.

Jetzt gibt es einen neuen Stil, es sind nicht mehr nur die Minister und die Sprecher; jetzt äußern sich die US-Botschafter und geben Linien vor. Es gibt keinen Wahlkampf in irgendeinem der „sehr unabhängigen“ lateinamerikanischen Länder, wo sich der Botschafter nicht einmischt und eine Rede hält; zum Beispiel in Nicaragua, die große Rede des großen Botschafters. Vorher waren es dikrete Prokonsule; heutzutage sind es Konsule, die ohne Scham ihre Präferenzen und Wünsche zeigen, und in was für einem Ton, mit welchem Stil.

Sehen Sie, wie die Dinge stehen, daß sie hier, wo sie keine Botschaft haben, sondern nur eine einfache Interessenvertretung, den selben Stil anwenden wollten, das Abgeben von Erklärungen zur Bewertung der Regierung, und ob sie uns von der Liste der terroristischen Staaten herausnehmen sollen oder nicht. Es ist so, als ob jemand in einem Loch ist und einem anderen, der mit hundertmal mehr Grund und Moral oben steht, sagt: „Hol mich aus dem Loch heraus, dann werde ich dir das Leben retten.“

Diese Methoden mit dem kubanischen Volk haben absolut keinen Wert, denn es handelt sich um ein konsequentes Volk, ein Volk mit Bewußtsein, Kultur, Einheit, Moral; weder mit Lügen noch mit Drohungen kann man es jemals einschüchtern.

Dieses Land kann von der Erde gefegt werden, doch es kann weder unterjocht noch beherrscht oder erobert werden.

Wir leben für unsere Ideale, unsere Prinzipien und unsere Ethik. Das war unser Leben und ist das Leben aller jener jungen Menschen und von Millionen von jungen Menschen, wie die, die Sie dort auf der rechten Seite sehen; es ist das Leben unseres Volkes, es ist das Leben unserer Kinder, die unvergleichlich kultivierter und gebildeter sein werden als wir, sie werden mehr von der Welt wissen als wir, und sie haben ein unbegrenztes Vertrauen in ihr Volk, in die Ideen und in die Revolution. Das ist die aktuelle Situation unseres Landes und das ist unsere Antwort, niemand soll sich irren.

Was soll diese Bedrohung mit dem Gebrauch militärischer Mittel gegen eine Liste von bereits 80 Staaten? Wo ist die Idee der Existenz der UNO geblieben? Wo sind die rechtlichen Normen dieser Institutionen geblieben? Wo sind die juristischen und ethischen Prinzipien geblieben?

Wenn man sich nach dem Grund für all dieses scheinbar Absurde und Unerklärliche fragt, sieht man, daß sie mehr als den Terror oder den wahren Terrorismus die Rebellion der Völker fürchten, sie fürchten die Bewegungen des Bewußtseins und der Meinung, die bereits große Schlachten an erinnernswerten Orten geschlagen haben, die es ihnen fast unmöglich macht, sich zu versammeln; und deshalb reagieren die Förderer dieser Politik mit Wut und Präpotenz, wobei sie sogar so weit gehen, ihre eigenen Verbündeten überheblich zu behandeln, und sie spielen mit der Idee, eine scheinbar unbezwingbare mächtige, brutale und blindwütige Gewalt einzusetzen, um Panik und Terror in allen Völkern des Planeten zu säen.

Das Ergebnis davon wird die Vervielfältigung des Widerstandes, der Ablehnung, der Proteste und die Vertiefung der Unzufriedenheit dieser Spezies sein, die nicht nur durch die schlimmste jemals bekannte Form der Sklaverei und des Kolonialismus bedroht ist, sondern auch in ihrem eigenen Überleben. Dieses Bewußtsein bewegt viele Menschen der Mittelschichten in den Industrieländern, die immer mehr Kenntnis haben von den Gefahren für die Natur, ihr Leben und das ihrer Kinder und Enkel.

Alle kennen alle die Daten, man muß sie nicht wiederholen, was mit der Ozonschicht geschieht, mit der Verschmutzung der Atmosphäre, der Vergiftung der Meere, dem Mangel an Trinkwasser und so weiter.

Eine Person aus Kalifornien, oder jemand von Ihnen, sprach von Kalifornien ohne Wasser, oder mit Wasserproblemen im Grundwasser. Das geschieht nicht nur in Kalifornien, sondern auch in Guanajuato; der aktuelle mexikanische Präsident erklärte mir, als er noch Gouverneur war und unser Land besuchte, daß die Gewässer im Grundwasser, die sich in 12 Meter Tiefe befanden, heute in 400  Meter Tiefe anzutreffen sind, und es gibt keine Quelle, die sie speist. Als ich ihn fragte, ob sie nicht vom fallenden mittleren Wasser etwas injizieren könnten, antwortete er: „Alles ist voll mit chemischen Produkten“, und was man praktisch mit einem guten Kriterium entwickelte war die mikrolokalisierte Bewässerung, um Wasser zu sparen.

Es gibt gewaltige Probleme im Nahen Osten, bei denen zukünftige Konflikte drohen, jedermann versteht das. Die Menschheit wächst jedes Jahr um mehr als 80 Millionen Bewohner. Von 1981 bis 2001, als Konferenzen der Internationalen Parlamentarischen Vereinigung stattfanden, in nur 20 Jahren, wuchs die Weltbevölkerung um 1,4 Milliarden Menschen, mehr als sie in der gesamten Geschichte der Menschheit gewachsen war, seit dem Entstehen der Spezies bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts, das vor kurzem endete; dieses Phänomen ist unaufhaltsam, und gesellt sich zu der Erosion und einer Reihe weiterer Probleme, die alle kennen und verstehen.

Dieser Kampf gegen die neoliberale Globalisierung ist die gemeinsame Sache – man kann sagen – aller Völker der Menschheit, die nicht mit Wohlwollen sehen können, daß das Kyoto-Protokoll gebrochen wird, das eine Hoffnung bedeutet; die nicht wissen, warum zum Teufel totale nukleare Schilder errichtet werden, in die unermeßliche Geldsummen investiert werden, während sie sagen, daß der Kalte Krieg zu Ende sei und der Gegner seit einiger Zeit keine Supermacht mehr ist. Der Staatshaushalt dieses ehemaligen Gegners ist geringer als der Kriegshaushalt der Vereinigten Staaten.

Wem wollen sie glauben machen, daß die Koreaner eine Rakete fabrizieren werden, eine Atomwaffe, die das US-amerikanische Territorium erreichen kann? Das kann niemand glauben; oder daß der Iran die USA bedrohen kann, was auch niemand glauben kann und auch nicht glaubt. Möglicherweise dachten sie an Rußland, das eine Anzahl von Sprengköpfen bewahrt, die das US-Staatsgebiet erreichen können. Die Vorwände beziehen sich auf die weiteren Länder, die sie bedrohen. Damit haben auch die anderen Faktoren zu tun, von denen wir gesprochen haben, die Tendenz zur totalen und absoluten Beherrschung unseres Planeten. Das ist gemäß unseren bescheidenen Standpunkten der Moment, in dem wir uns befinden.

Wenn ich vorher nicht auf die Uhr geschaut habe, dann deswegen, weil ich Angst hatte, und jetzt ist es sowieso zu spät (Lachen). Ich habe drei Stunden gesprochen; doch ich habe nicht den Schlaf unseres Freundes gestört (Er zeigt auf einen der Delegierten), der wunderbar geschlafen hat (Lachen und Beifall) und jetzt frisch und kraftstrotzend aufwacht (Lachen), um den köstlichen Cocktail zu genießen, den die Kubanische Vereinigung der Wirtschaftswissenschaftler vorbereitet hat (Lachen und Beifall).

Ich sage nichts anderes als daß die aktuelle wirtschaftliche und soziale Ordnung unhaltbar ist, daß hier viele Ideen beigetragen wurden und daß wir in eine Schlacht der Ideen verwickelt sind. Dies war eine der Versammlungen – davon bin ich überzeugt -, in der die meisten Ideen und Kriterien vorgebracht wurden, im Einklang mit dem, was alle sehen und immer genauer wahrnehmen.

Wir verbleiben hier glücklich in dem Bewußtsein, Zeugen davon geworden zu sein, über welch großen Schatz an Kenntnissen und Intelligenzen wir 500 Millionen – oder vielleicht ein wenig mehr – Bewohner unserer Hemisphäre verfügen, vom Río Bravo – wie Martí sagte – bis nach Patagonien. Welch großer Reichtum an Wissen ist geschaffen worden! Und unser mächtiger Nachbar aus dem Norden ist eben genau nicht daran interessiert, diesen Reichtum zu importieren, er bevorzugt es, unsere Intelligenzen zu töten, indem er ihnen Visa zur Einreise in die USA ausstellt; wenigstens verfügen wir über einen großen Schatz, ein Humankapital von Ökonomen, Denkern, Männern und Frauen, die mit den Kenntnissen ausgestattet sind, die heutzutage vonnöten sind.

Wir verabschieden uns ausgestattet mit der Überzeugung; aber besonders ausgestattet mit dem Vertrauen in unsere Zukunft. Hier könnte man etwas Ähnliches sahen wie das, was Salvador Allende vor seinem glorreichen Tod in La Moneda sagte: „Eher früher als später wird sich die Welt verändern!“

Immer bis zum Sieg!»