Seit mehreren Jahren boomt der Kunstmarkt und, wie kürzlich die Auktionen in London und New York bewiesen haben, ist nichts mehr, wie es einst war. Auch die Schweizer Grossbanken mischen in Sachen Kunst mit, obwohl in sehr unterschiedlicher Weise. Am nächsten an den Kunstmarkt heran kommt zweifelsohne die UBS, die sich als Hauptsponsor der Art Basel und der Art Basel Miami Beach ganz klar positioniert hat. Mit dem Art Banking hat sie sich ausserdem eine lukrative und emotional gut bespielbare Nische im Banking-Bereich gesichert.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Die CS hat sich in den letzten Jahren in der Schweiz – aber zunehmend auch im Ausland – durch auf Langfristigkeit ausgerichtete Partnerschaften mit renommierten Häusern, wie dem Zürcher Kunsthaus oder dem Shanghai Museum in der gleichnamigen Stadt, ins Rampenlicht gerückt. Die Raiffeisen-Gruppe hingegen steht noch hinter der (Kunst-)Bühne und bereitet sich auf den Auftritt vor, nachdem sie in den letzten Jahren gestalterisch mit dem Bau ihres Hauptsitzes in St. Gallen beschäftigt war. Aufsehen erregte sie indessen mit der von Pippilotti Rist und Carlos Martinez konzipierten «stadtlounge», die innert Kürze zu einem neuen Wahrzeichen von St.Gallen wurde. Dies lässt erahnen, dass die Raiffeisen-Gruppe durchaus imstande sein wird, einen neuen «Coup» hinsichtlich Kunstsponsoring zu landen.

Umfassend und professionell

Das Kunstengagement der UBS hat sich in den letzten Jahren im wahrsten Sinn des Wortes professionalisiert. Durch ihre Sponsorentätigkeit für die zwei bedeutendsten Kunstmessen der Welt konnte die Kunst auf «natürliche» Art und Weise Teil des Bankgeschäftes werden und damit Teil der Marke UBS. In ihrer Eigenschaft als Hauptsponsorin kann die UBS an der Art Basel und an der seit 2002 florierenden Art Basel Miami Beach Kunden und an Kunst interessierte High Net Worth Individuals in ihrer VIP-Lounge empfangen und Spezialanlässe für Kunden, Opinionleaders und Mitarbeitende anbieten.

Gleichzeitig bietet sich ihr Gelegenheit, auf diskrete Art und Weise auf ihre Art-Banking-Tätigkeiten hinzuweisen. Nicht umsonst ist das Art Banking in Basel angesiedelt worden, wo ein Team aus Kunsthistorikern, Juristen mit Galerie-, Auktions- und Bankerfahrung sowie Bankern mit Kunsterfahrung für eine Vielzahl von Dienstleistungen zur Verfügung steht. Diese Services gehen sogar so weit, dass ein Kunde die Bank mit dem Aufbau einer Kunstsammlung beauftragen kann, «damit die emotionale Dividende voll zur Auszahlung kommt und die Kunst wirklich nur Vergnügen und Freude vermitteln kann».

Spitzensammlung auf Reisen

Auch die UBS Art Collection und die damit einhergehenden Partnerschaften mit namhaften Museen können unter die Sponsorentätigkeit eingereiht werden. Die schweizerische «Elefantenhochzeit» zwischen Bankgesellschaft und Bankverein hatte bereits zwei beachtliche Kunstsammlungen zusammengeführt. Mit dem Erwerb des amerikanischen Vermögensverwalters Paine Webber und dessen Sammlung von 900 hochkarätigen Werken namhafter Künstler aus der zweiten Hälfte des 20. Jhs. wurde dann 2004 die Institution UBS Art Collection als eigenständige Sammlung geschaffen. Für diese Spezialsammlung ist nur das Beste gut genug, und so soll sie auch weiterentwickelt und ergänzt werden. Kunstwerke, welche nicht (mehr) ins Konzept passen, werden konsequent abgestossen. Dass eine solche Kollektion es auch ermöglicht, mit den renommiertesten Häusern der Welt zusammenzuarbeiten, liegt auf der Hand. «Mutterhaus» in diesem Sinne ist das Museum of Modern Art (MoMA) in New York, wo die Sammlung permanent untergebracht ist. Teile der Sammlung werden jedoch auch anderweitig präsentiert. So führten die Partnerschaften mit der Fondation Beyeler und der Tate Modern dazu, dass diese Häuser mit «Contemporary Voices» eine Schau von 70 exemplarischen Werken aus der UBS Art Collection der Öffentlichkeit präsentieren konnten, die durch eine Reihe von Vorträgen und Spezialanlässen für Kunden und Mitarbeitende ergänzt wurde.

Zurzeit präsentiert die Tate Modern in London noch bis zum 4. November 2007 eine Auswahl von 40 Zeichnungen von Künstlern wie Freud, Hockney, Close und Rauschenberg aus der UBS Art Collection, während die Art Gallery of New South Wales in Sydney noch bis Ende Juli 50 Bilder und Fotografien aus der Sammlung ausstellt. Eine bedeutende Partnerschaft besteht auch mit dem Fotomuseum Winterthur.

Die eigentliche, aus mehreren 10000 Kunstwerken bestehende Corporate Collection wurde in den letzten Jahren aufgearbeitet und katalogisiert. Auch sie wird immer wieder durch Ankäufe ergänzt und dient den weltweit 80000 Mitarbeitenden der Bank als Einstieg in ein Kunstverständnis, das mittels bankinterner Schulung unter dem Titel Art Education letztendlich dem Kunstsponsoring ein optimales Return on Investment bringt.

Beeindruckende Präsenz

Auch bei der Credit Suisse bildet der Bereich Bildende Kunst auf nationaler und zunehmend internationaler Ebene eine wichtige Säule ihres Kultursponsorings. Partnerschaften werden nur mit ausgewählten Kunstmuseen angestrebt. Langfristigkeit und Planungssicherheit sind für Toni J. Krein, Head Cultural Sponsorship der CS, nebst Vertrauen wesentliche Stichworte.

Zuoberst auf der Sponsoringliste steht das Kunsthaus Zürich. Diese Partnerschaft manifestiert sich vor allem darin, dass die Bank als Hauptsponsor die Jahres-Hauptausstellung, wie in diesem Jahr «Rodin», ermöglicht. Auch die Tatsache, dass Walter B. Kielholz, Verwaltungsratspräsident der CS, als Präsident der Kunstgesellschaft Zürich amtiert, verleiht dem Engagement zusätzliches Gewicht und Glaubwürdigkeit. Mit dem Kunstmuseum Bern, dem Kunstmuseum Winterthur und dem Museum Rietberg in der Deutschschweiz, der Fondation Pierre Gianadda Martigny und der Fondation de l’Hermitage Lausanne in der Westschweiz sowie dem Museo d’Arte Moderna Lugano in der italienischen Schweiz hat sich die CS echte «Kunst-Perlen» an den Hut gesteckt. Seit letztem Jahr ist die CS daran, im Fernen Osten ihre internationale Präsenz bei den Museen zu etablieren. So wurden 2006 gleich zwei neue Partnerschaften eingegangen, nämlich mit dem Shanghai Museum, das einen international renommierten Fundus an altchinesischen Kunstwerken beherbergt, und mit dem Taipei Fine Arts Museum, welches eine bedeutende Sammlung von Gemälden und Kunstwerken zeitgenössischer chinesischer Künstler besitzt.

Art Banking, so wie es die UBS betreibt, bietet die CS bewusst nicht an. Es besteht zwar ein «Art Advisory Program», aber dies ist eine Art «Menukarte», welche es dem Kundenberater der Bank ermöglicht, den kunstaffinen Kunden mit jenen auswärtigen Experten in Verbindung zu bringen, die ihn am besten beraten können. Die institutionsinterne Fachstelle Kunst, welche dem Bereich Corporate Real Estate und Services zugeordnet ist, ist zwar mit einem Kunsthistoriker besetzt, aber dieser befasst sich in erster Linie mit der 12000 Werke umfassenden eigenen Kunstsammlung (Schwerpunkt: Schweizer Kunst nach 1945), die grösstenteils in den 270 Geschäftsstellen der Schweiz platziert ist.

Angesprochen auf die Bedeutung des Kunstsponsorings für

die weltweit 45000 Mitarbeitenden, beurteilt Toni J. Krein die Wirkung als ausgesprochen positiv. Die Verbindung mit den vielen

bekannten Museen erhöht die Identifikation mit der und den Stolz auf die Arbeitgeberin. Zudem entsteht ein grösseres Interesse an den unterstützten Kunstinstitutionen.

Innovative Konzepte fördern

Als ausgesprochene Retailbank will die Raiffeisen-Gruppe mit ihrem in der Planungsphase steckenden Kunstsponsoringkonzept bewusst andere Wege gehen. Pierin Vincenz, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Raiffeisen-Gruppe, antwortet auf die Frage, in welcher Richtung man sich ein Kunstengagement vorstellt: «Nachdem wir in den letzten Jahren einiges

in Architektur und Kunst am Bau investiert haben, wollen wir ein

gewisses Kunstengagement weiterführen. Wir von der Raiffeisen sind es gewohnt, in Netzwerken zu denken, deshalb werden wir spezialisiertes Know-how von aussen in Form einer Kunstkommission zur Beratung und Unterstützung des Topmanagements beiziehen.» Eine eigene Kunstkollektion steht nach Vincenz weniger im Vordergrund. «Unser Engagement wird in die Richtung gehen, dass wir gezielt innovative Konzepte fördern werden, von denen wir überzeugt sind, dass sie ein grosses Potenzial haben und bei denen wir auch Kunden mit einbeziehen können. Ein wichtiges Thema bleibt weiterhin die Architektur, mit der sich auch die Banken vor Ort auszeichnen.»

Gefragt, wie man sich vom bereits bestehenden Kunstengagement der Konkurrenzinstitute abheben will, meint Pierin Vincenz: «Kunst bei Raiffeisen findet in der Schweiz dezentral an 1150 Standorten mit 8000 Mitarbeitenden statt. Lokale und regionale Kunstschaffende erhalten eine Plattform oder werden gezielt unterstützt. Wir werden aber auch weiterhin vereinzelte Projekte mit nationaler Ausstrahlung umsetzen, wie wir das schon bei der ‹stadtlounge› von Pippilotti Rist und Carlos Martinez erfolgreich begonnen haben.» Wie sich Raiffeisen künftig positionieren will, ist somit noch offen. Für Partnerschaften gibt es jedenfalls bei der grossen Museumsdichte in der Schweiz immer noch genügend Möglichkeiten.

Auch mäzenatisch präsent

Gefragt nach dem finanziellen Engagement für die Kunstsponsoringaktivitäten gilt bei allen drei Banken eine klare Sprachregelung: Es schweigt des Sängers Höflichkeit. Schliesslich geht es darum, Kunstfreude zu vermitteln.

Neben ihren Sponsoringaktivitäten sind die Grossbanken durch ihre Kulturstiftungen – wie die UBS Kulturstiftung und die Jubiläumsstiftung der Credit Suisse – im Bereich Kunst auch mäzenatisch präsent. Beide unterstützen u. a. eine so bedeutende Institution wie das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft (SIK), welches im vergangenen Jahr unter dem Titel «Art & Branding. Principles – interaction – perspectives» eine wegweisende Publikation zum Thema Kunstsponsoring veröffentlicht hat.

Die Erkenntnis, dass Kunst in einem Sponsoringverhältnis nicht nur den unmittelbaren Partnern Glanz und Ansehen verleiht, machen sich heute viele Wirtschaftsunternehmen, Kunst- und Kulturinstitutionen, aber auch Kunstschaffende zu Eigen. Mit einer entsprechenden Marketingstrategie und einer geeigneten Kommunikationsplattform ist der Erfolg programmiert. Voraussetzung ist nur, die richtige Nische zu finden.