O wie schön ist Panama - für Steuerflüchtlinge

In Panama wird aktiv um Schweizer Bankkunden geworben. Doch auch hier macht das Ausland nun Druck.

VonSamuel Gerber
24.02.2010

Liechtenstein hat auf eine Weissgeldstrategie eingeschwenkt, das Schweizer Bankkundengeheimnis wird vom Ausland sturmreif geschossen, und selbst die EU-Mitglieder Österreich und Luxemburg geraten unter Druck, Bankdaten offenzulegen. Keine Frage: Unversteuerten Geldern wird der Boden in Europa heiss.

Wer nicht deklariert, der überlegt sich daher die Flucht nach jenen Plätzen, die dem Fiskus noch trotzen. Und wird dort allenthalben mit offenen Armen empfangen. So von der Offshore Legal Law Firm, einer international tätigen Kanzlei mit Hauptsitz in Panama. «Panama ist die neue Schweiz», wirbt Offshore Legal im Internet und stichelt dabei gezielt gegen den hiesigen Finanzplatz. «Obschon die Schweiz einst Hauptort für den Schutz von Vermögen gewesen war, ist sie nun unter dem Druck der USA und anderer Staaten eingebrochen.» Das Land sei jetzt eine Unzahl von Steuerabkommen eingegangen. Ohnehin seien die Schweizer Banker Snobs ohne Bodenhaftung, die für eine ausgeglichene Bilanz langjährigen Kunden die Tür weisen würden. Ob mit solchen Verunglimpfungen tatsächlich Kunden gewonnen werden, wollte Offshore Legal nicht bestätigen - noch die Frage beantworten, wie stark die Firma von abfliessenden Geldern aus anderen Finanzplätzen profitiert.

Null Steuer, null Abkommen

Dessen ungeachtet: Der Business Case besteht. Am Schweizer Bankenplatz wird hinter vorgehaltener Hand immer wieder Panama als Destination für jene Gelder genannt, die jetzt aus Liechtensteiner Trusts und Schweizer Bankkonten abfliessen.

Panama, das bedeutet bis dato null Steuerabkommen mit anderen Staaten, null Steuern auf im Ausland erzielten Einkommen und null Abgaben auf nach Panama transferierten Vermögen. Das sind Argumente, die Gehör finden: Eine weiterhin hohe ausländische Nachfrage nach Finanzdienstleistungen bestätigt etwa die auf Offshore-Rechtsgebilde spezialisierte Kanzlei Mossack Fonseca & Co. mit Sitz in Panama und Repräsentanzen in Genf und Zürich.

USA nutzen Kanal als Pfand

«Vor allem Vermögenslösungen sind gefragt, so Trusts und die Rechtsform der Aktiengesellschaft nach panamanischem Recht (Panama S.A.), Letztere oft in Verbindung mit einer vorgelagerten Stiftung», sagt Egbert Wetherborne, Teilhaber von Mossack Fonseca & Co. Trusts, und die Panama S.A.: Das sind die bekanntesten Vehikel des Offshore-Finanzplatzes. Trusts gleichen Stiftungen, mit einem Treuhänder (Trustee) als Verwalter. Sie werden oft als Instrumente für die Nachlassplanung eingesetzt, verleihen dem Stifter aber auch Anonymität: Nach aussen sichtbar ist nur der Trustee. Über ähnliche Eigenschaften verfügt die Panama-Gesellschaft: Die Namen der Aktionäre bleiben der Öffentlichkeit verborgen, und die Besteuerung ist minim.

Nicht zuletzt dank solchen Dienstleistungen, Freihandelszonen und der geografischen Lage hat sich Panama zum wichtigsten Finanz-Hub der Region entwickelt. Zu den über 80 Banken vor Ort zählen auch UBS und Credit Suisse, die von dort aus Vermögensverwaltungs-Dienste betreiben. «UBS bietet aber seit 2003 keine Panama-Stiftungen mehr an», sagt UBS-Sprecher Serge Steiner. Auch Credit Suisse geschäfte nicht mit Stiftungen nach panamanischem Recht, heisst es bei der Bank.

Wie es aussieht, kann sich aber auch Panama den Zeichen der Zeit nicht entziehen. Frankreich hat das Land neu auf seine schwarze Liste der Steueroasen genommen, und die US-Politik macht weitere Investitionen in den Panamakanal von der Zusammenarbeit in Steuerfragen abhängig. Dieser Tage soll nun gar ein erstes Steuerabkommen mit Mexiko unterzeichnet werden. Nicht deklarierte Gelder müssen sich vielleicht bald ein neues Zuhause suchen.

Diskussion
- Kommentare
Stichworte:
Credit Suisse

Liechtenstein hat auf eine Weissgeldstrategie eingeschwenkt, das Schweizer Bankkundengeheimnis wird vom Ausland sturmreif geschossen, und selbst die EU-Mitglieder Österreich und Luxemburg geraten unter Druck, Bankdaten offenzulegen. Keine Frage: Unversteuerten Geldern wird der Boden in Europa heiss.

Wer nicht deklariert, der überlegt sich daher die Flucht nach jenen Plätzen, die dem Fiskus noch trotzen. Und wird dort allenthalben mit offenen Armen empfangen. So von der Offshore Legal Law Firm, einer international tätigen Kanzlei mit Hauptsitz in Panama. «Panama ist die neue Schweiz», wirbt Offshore Legal im Internet und stichelt dabei gezielt gegen den hiesigen Finanzplatz. «Obschon die Schweiz einst Hauptort für den Schutz von Vermögen gewesen war, ist sie nun unter dem Druck der USA und anderer Staaten eingebrochen.» Das Land sei jetzt eine Unzahl von Steuerabkommen eingegangen. Ohnehin seien die Schweizer Banker Snobs ohne Bodenhaftung, die für eine ausgeglichene Bilanz langjährigen Kunden die Tür weisen würden. Ob mit solchen Verunglimpfungen tatsächlich Kunden gewonnen werden, wollte Offshore Legal nicht bestätigen - noch die Frage beantworten, wie stark die Firma von abfliessenden Geldern aus anderen Finanzplätzen profitiert.

Null Steuer, null Abkommen

Dessen ungeachtet: Der Business Case besteht. Am Schweizer Bankenplatz wird hinter vorgehaltener Hand immer wieder Panama als Destination für jene Gelder genannt, die jetzt aus Liechtensteiner Trusts und Schweizer Bankkonten abfliessen.

Panama, das bedeutet bis dato null Steuerabkommen mit anderen Staaten, null Steuern auf im Ausland erzielten Einkommen und null Abgaben auf nach Panama transferierten Vermögen. Das sind Argumente, die Gehör finden: Eine weiterhin hohe ausländische Nachfrage nach Finanzdienstleistungen bestätigt etwa die auf Offshore-Rechtsgebilde spezialisierte Kanzlei Mossack Fonseca & Co. mit Sitz in Panama und Repräsentanzen in Genf und Zürich.

USA nutzen Kanal als Pfand

«Vor allem Vermögenslösungen sind gefragt, so Trusts und die Rechtsform der Aktiengesellschaft nach panamanischem Recht (Panama S.A.), Letztere oft in Verbindung mit einer vorgelagerten Stiftung», sagt Egbert Wetherborne, Teilhaber von Mossack Fonseca & Co. Trusts, und die Panama S.A.: Das sind die bekanntesten Vehikel des Offshore-Finanzplatzes. Trusts gleichen Stiftungen, mit einem Treuhänder (Trustee) als Verwalter. Sie werden oft als Instrumente für die Nachlassplanung eingesetzt, verleihen dem Stifter aber auch Anonymität: Nach aussen sichtbar ist nur der Trustee. Über ähnliche Eigenschaften verfügt die Panama-Gesellschaft: Die Namen der Aktionäre bleiben der Öffentlichkeit verborgen, und die Besteuerung ist minim.

Nicht zuletzt dank solchen Dienstleistungen, Freihandelszonen und der geografischen Lage hat sich Panama zum wichtigsten Finanz-Hub der Region entwickelt. Zu den über 80 Banken vor Ort zählen auch UBS und Credit Suisse, die von dort aus Vermögensverwaltungs-Dienste betreiben. «UBS bietet aber seit 2003 keine Panama-Stiftungen mehr an», sagt UBS-Sprecher Serge Steiner. Auch Credit Suisse geschäfte nicht mit Stiftungen nach panamanischem Recht, heisst es bei der Bank.

Wie es aussieht, kann sich aber auch Panama den Zeichen der Zeit nicht entziehen. Frankreich hat das Land neu auf seine schwarze Liste der Steueroasen genommen, und die US-Politik macht weitere Investitionen in den Panamakanal von der Zusammenarbeit in Steuerfragen abhängig. Dieser Tage soll nun gar ein erstes Steuerabkommen mit Mexiko unterzeichnet werden. Nicht deklarierte Gelder müssen sich vielleicht bald ein neues Zuhause suchen.

Meistgelesen

Roger Federer verletzt Hochbauverbot
Überhöht

Der Tennisstar hat in seinem Feriendomizil in der Lenzerheide Ärger mit seinen Nachbarn. Stein des Anstosses sind nicht nur ein drei Meter hohes Spielhaus und eine Rutschbahn. Mehr...

29.07.2014
Russlands Elite will das Land in Scharen verlassen
Angst

In der breiten Bevölkerung geniesst Russlands Präsident Wladimir Putin grossen Zuspruch für seine starre Haltung in der Ukraine-Krise. Die russische Elite indes ist zunehmend ungehalten. Mehr...

VonMathias Ohanian
28.07.2014
Dutzende Tote bei Angriff in China
Zusammenstoss

Bei einem Zusammenstoss mit der Polizei sind in der Unruheprovinz Xinjiang zahlreiche Menschen getötet worden. Uigurische Exilpolitiker und die chinesische Regierung beschuldigen sich gegenseitig. Mehr...

29.07.2014
USA: Fotos belegen russische Raketenangriffe
Bildbeweis

Russland beschoss die Ukraine offenbar mit Raketen. Das sollen Satellitenfotos beweisen, die Washington nun als Beweis vorlegt. Mehr...

28.07.2014
UBS: Wenigstens 95 Prozent «saubere» deutsche Kunden
Steuerstreit

Die UBS begleicht die höchste Strafe, die jemals ein Schweizer Finanzinstitut in Deutschland zahlen musste. Der Steuerstreit ist damit aber noch nicht ausgestanden. Zudem droht neues Ungemach. Mehr...

29.07.2014
Was ein Topmanager erlebt, wenn er strauchelt
Portrait

Ron Sommer war als Chef der Deutschen Telekom ein Star. Dann musste er gehen. Nun spricht er über die Zeit danach. Er verlor Privilegien und musste Alltägliches lernen – etwa wie man U-Bahn fährt. Mehr...

VonLukas Rohner
28.07.2014
Bahnlinien wegen heftiger Unwetter unterbrochen
Regenfälle

Im Napfgebiet leisteten die Feuerwehren in der Nacht auf Dienstag rund 150 Einsätze. Diverse Bahnlinien sind unterbrochen. Reisenden wird empfohlen, via Zürich zu fahren. Mehr...

29.07.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      
 

Schweizer Exporte nach Russland brechen ein. Mehr

AFG will keinen Internen als Chef. Mehr

UBS-Whistleblower Birkenfeld droht wieder Haft. Mehr

ZKB Österreich: Schwarze Zahlen 2015. Mehr

«Mir wurden schon extremere Titel verliehen». Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...