Spitzenkoch Benoît Violier hat sich im Alter von 44 Jahren das Leben genommen, wie die Waadtländer Kantonspolizei bestätigte.

Der Leichnam Violiers sei am späten Sonntagnachmittag in seiner Wohnung gefunden worden. Der Sternekoch habe sich mit einer Schusswaffe umgebracht. Die genauen Umstände seines Todes werden untersucht. Violiers Familie bat darum, in Ruhe gelassen zu werden, um ungestört trauern zu können.

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«Katastrophe für seine Familie»

«Das ist eine Katastrophe für seine Familie», sagte der Waadtländer Regierungsrat Pascal Broulis nach der Todesnachricht. Violier sei eine «sehr geschätzte» Persönlichkeit gewesen. Der gebürtige Franzose sei vor kurzem eingebürgert worden.

Violier hatte 2012 mit seiner Frau Brigitte die Führung des Restaurants «L'Hôtel de Ville» in Crissier übernommen. Er war vom Restaurantführer GaultMillau mit 19 von 20 Sternen ausgezeichnet und zum «Koch des Jahres 2013» gekrönt worden. Michelin verlieh dem «L'Hôtel de Ville» drei Sterne.

Einzigartiger Ort

Der Name Violier stehe neben Girardet und Rochat für die Erfolgsgeschichte des «L'Hôtel de Ville» in Crissier, sagte ein bewegter Pascal Broulis. «Benoît Violier hatte noch 20 Jahre vor sich, um Aussergewöhnliches zu vollbringen.»

Der Tod Violiers, der am 22. August 1971 im französischen Saintes en Charente-Maritime geboren wurde, kommt unverhofft und nur einige Wochen, nachdem sein Gasthaus den Titel «Bestes Restaurant der Welt» erhalten hatte.

«Das ist fabelhaft, es ist für uns eine aussergewöhnliche Sache. Diese Auszeichnung wird die ganze Equipe noch zusätzlich anspornen», freute sich Violier noch Mitte Dezember. Sein Haus hatte sich gegen zwei Restaurants in New York und Tokio durchgesetzt.

Auf den sozialen Netzwerken löste der Tod Violiers am Sonntag zahlreiche Reaktionen aus. Berühmte Namen aus der Gastronomie wie Paul Bocuse, Anne-Sophie Pic und Marc Veyrat teilten ihre Trauer und ihr Unverständnis mit.

Internationaler Ruf

«Schrecklich traurig über den brutalen Verlust von Benoît Violier. Meine Gedanken sind bei seiner Familie und seiner Equipe. Mir fehlen die Worte», schrieb Anne-Sophie Pic, Chefin im Beau-Rivage in Lausanne. «Grosser Koch, grosser Mann, riesiges Talent», schrieb Bocuse. «Unendliche Traue»", hiess es im Tweet von CVP-Präsident Christophe Darbellay.

Gemäss mehrerer Quellen hätte Benoît Violier am Montag in Paris der Veröffentlichung des Guide Michelin 2016 beiwohnen sollen.

Violier war 2012 im «L'Hôtel de Ville» auf eine andere Gastronomenlegende gefolgt: Spitzenkoch Philippe Rochat, der in Crissier die Kelle schwang, verstarb im vergangenen Juli 61-jährig nach einem Velounfall. Über tausend Trauergäste gaben ihm damals in der Kathedrale zu Lausanne das letzte Geleit. Darunter auch Benoît Violier.

«Philippe Rochat hatte den absoluten Geschmack, er war ein Stern der Weltgastronomie», würdigte Violier damals seinen Berufskollegen. Sein Vorgänger habe sein Talent grosszügig geteilt, um Menschen auszubilden.

(sda/chb/ama)