Allianz X, die Wagniskapital-Tochter der Allianz SE, könnte schon bald Veränderungen bei ihren Beteiligungen sehen. 

«Ich gehe davon aus, dass wir Ende des laufenden Jahres oder im nächsten Jahr weitere Früchte unserer Arbeit ernten werden», sagte Allianz-X-CEO Nazim Cetin im Gespräch mit Bloomberg, ohne dabei jedoch konkrete Namen von Firmen zu nennen. Gemeint sind etwa Verkäufe von Anteilen oder Börsengänge (IPOs). 

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Schwierige Bedingungen für IPOs

Der IPO-Markt hatte sich zuletzt auf Grund unsicherer Marktbedingungen stark verlangsamt. Ausgebremst von steigenden Zinsen war 2023 das schwächste Jahr für IPOs seit über einem Jahrzehnt, zeigen Bloomberg-Daten.

«Wir glauben, dass der IPO-Markt zuerst wieder in den USA an Fahrt gewinnen wird. Dort ist der Kapitalmarkt tiefer und grösser. Die Möglichkeiten für ein IPO sind besser», sagte Cetin. «Ein IPO sollte aus Sicht der Gründer immer die bevorzugte Option sein. Besonders dann, wenn die Menschen eine positive Bindung zum Unternehmen und dessen Produkten haben.»

Allianz X investiert nur noch in Late-Stage-Firmen

Zu Exits von Allianz X in der Vergangenheit zählt etwa die Finanzen Group. Diese wurde in den digitalen Versicherungsmakler Clark eingebracht. Im Gegenzug erhielt Allianz X Barmittel und Anteile an Clark. 

Nach einem Strategiewechsel 2017 investiert Allianz X nur noch in Late-Stage-Firmen. Diese müssen eine gewisse Nähe zum Geschäft der Allianz haben, etwa Firmen aus den Branchen Versicherung und Vermögungsverwaltung.

Aktuell kommt Allianz X auf Minderheitsbeteiligungen an 26 Firmen und ein verwaltetes Vermögen von 1,6 Milliarden Euro, wie Cetin erklärte. Zu den aktiven Beteiligungen zählen beispielsweise die Neobank N26 und der Digitalversicherer Next Insurance. 

Investoren halten sich zurück

Das Umfeld für technologiegetriebene Startups war in den vergangenen beiden Jahren rauer geworden. Viele junge Firmen mussten Mitarbeiter entlassen, auch weil das Geld von Investoren wegen der höheren Zinsen nicht mehr so locker sass. Zum Teil sind die Bewertungen deutlich eingebrochen. Als prominentes Beispiel in der Branche gilt Klarna. 

«Sind in den Jahren der Niedrigzinsphase in dem ein oder anderen Fall von Investoren am Markt zu hohe Preise gezahlt worden? Mit Sicherheit», sagte Cetin. Für Allianz X gelte das jedoch nicht. «Für Investoren ist es neben dem Wachstum jetzt wichtiger geworden, dass die Unternehmen zeigen, wie sie Profitabilität erreichen können.»

Auch Zukäufe sind für Cetin möglich

Cetin signalisierte, dass er sich auch im aktuellen Marktumfeld neue Deals vorstellen kann. Er betonte dabei, dass Allianz X beim Kauf von Beteiligungen immer langfristig orientiert sei.

«Es gibt immer noch gute Unternehmen auf dem Markt», sagte er. Eine Firma, die akut Geld benötige, sei in aller Regel aber kein gutes Investment. «Wenn sich gute Möglichkeiten für die Allianz in relevanten Bereichen ergeben, sind wir grundsätzlich zu weiteren Investments bereit.»

Vor diesem Hintergrund könnte auch die jüngste Entscheidung von Allianz X zu sehen sein, ein Büro in den USA zu eröffnen. Die USA haben im Portfolio neben Europa schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Cetin zufolge sei Allianz X jetzt noch näher am Markt dran und könne «besser und zeitnaher» agieren.

(Bloomberg/gku)