Der Machtkampf beim Industriekonzern Comet geht in die heisse Phase. Noch wenige Wochen sind es bis zur umstrittenen Wahl des neuen Verwaltungsrats. Aktivismus hier, Wunden lecken da: Kein Aktionär durchlebt ruhige Monate, nachdem die Aktie letztes Jahr crashte wie kaum ein anderer Titel.

In den Fokus rückt seit einigen Wochen die Tetra-Pak-Erbenfamilie Rausing. Zwischen dem Verpackungskonzern und Comet aus dem freiburgischen Flamatt gibt es jahrelange, enge geschäftliche Beziehungen. Das störte lange niemanden. Doch nun wird die Liaison zum Politikum, und Aktionäre mucken auf.

Recherchen zu Liechtenstein

Der Grund sind Informationen, die eigentlich vom letzten Herbst datieren. Damals erfuhr die Öffentlichkeit, dass die Erben Kirsten, Finn und Jörn Rausing nicht nur via Tetra Pak Geschäfte mit Comet machen, sondern über ihre Liechtensteiner Stiftung Haldor auch die grössten Aktionäre von Comet sind. Aufgedeckt hatte dies die Nachrichtenagentur Reuters. Quasi über Nacht veränderte sich die Wahrnehmung der Rausings und ihrer Stiftung. Sie avancierten mit ihrem 10-Prozent-Aktienanteil in der anstehenden Kampfwahl um das neue Verwaltungsratspräsidium bei Comet zum möglichen Königsmacher.

Im Vorfeld der Wahl, in dem mit harten Bandagen gekämpft wird, stösst die Liaison nun auf Kritik. «Den Aktionären hätte schon lange auch offiziell mitgeteilt werden müssen, dass die Tetra-Pak-Besitzer auch Comet-Anteile halten», sagt etwa Investor Martin Lehmann von 3V Asset Management. «Wenn man gemeinsame Projekte macht, dann braucht es diese Transparenz.» Denn Interessenkonflikte seien ja nicht auszuschliessen.

Stimme für den Präsidenten

Dem Vernehmen nach empfinden andere Minderheitsaktionäre die Situation ebenfalls als stossend. Inzwischen hat sich der Fonds Veraison auch explizit öffentlich in diesem Sinne geäussert. Der Stimmrechtsberater Ethos schaut sich die Lage an; Position hat er allerdings noch nicht bezogen. Comet selbst erklärt zur Angelegenheit: «Comet hat die geltenden Gesetze und Bestimmungen zu jeder Zeit eingehalten. Jegliche anderslautende Vermutung wäre abwegig und würde den guten Ruf des Unternehmens unberechtigterweise infrage stellen.»

An Brisanz gewonnen hat die Causa Rausing diesen Winter. Da stellte sich die Stiftung (genau gesagt die von der Stiftung kontrollierte Investmentgesellschaft Tringle, welche die Comet-Aktien hält) im laufenden Machtkampf auf die Seite von Noch-Verwaltungsratspräsident Hans Hess und unterstützte dessen Kandidat Christoph Kutter als neuen Präsidenten. Keine Freude daran haben Aktionäre, die einen anderen Kandidaten wünschen. Aktiv ist da vor allem der Schweizer Fonds Veraison, der den früheren VAT-Chef Heinz Kundert portiert.

Verluste in Millionenhöhe

Dass die Rausings überhaupt zum Thema werden konnten, hängt auch mit den Verlusten bei Comet in der Sparte E-Beam zusammen. E-Beam ist eine Technologie zum Sterilisieren etwa von Verpackungen und wurde vor 15 Jahren in einer Kooperation zwischen Comet und Tetra Pak entwickelt. Der Verpackungskonzern hielt Patentrechte, Comet durfte dafür die Technologie ausserhalb Tetra Paks Kernanwendung weitervermarkten. Doch zuletzt harzte es. Jedes Jahr summierten sich substanzielle Verluste, zuerst verzögerte sich ein Projekt bei Tetra Pak, dann missglückte die Expansion in den USA ins E-Beam-Systemgeschäft.

Der frühere Spartenchef hat längst den Hut genommen. Die Abschreiber sind gemacht, die Reorganisationen aufgegleist. Eine Frage hält sich in Teilen des Aktionariats allerdings hartnäckig: Haben die E-Beam-Projekte dem Tetra-Pak-Aktionär mehr genützt als den anderen Aktionären? Antworten hat niemand. ­Sicher ist nur, dass viel Geld und viel ­Aufmerksamkeit des Managements in die Förderung der E-Beam-Technologie floss, die neben Hochfrequenz und Röntgen eine der drei Kerntechnologien von Comet ist.

Das offene Geheimnis

Bisher hat sich die Rausing-Stiftung als passiver Investor dargestellt und erklärt, die Stiftung agiere unabhängig von der Tetra-Laval-Gruppe, welche das Tetra-Pak-Geschäft umfasst. Diese Darstellung verlor an Glaubwürdigkeit, als nach den Reuters-Recherchen klar wurde, dass die Stiftung genau in zwei kotierte Schweizer Unternehmen investierte: In den Tetra-Pak-Hauptkonkurrenten SIG Combibloc und eben in den Tetra-Pak-Technologiepartner Comet. Das dürfte kein Zufall sein. In der Branche jedenfalls gilt die Rausing-Stiftung Haldor inzwischen als strategischer Investor.

Im Aktionariat gibt es allerdings auch Stimmen, welche daran zweifeln, dass Hess und Comet etwas vorzuwerfen sei. Offenbar wusste man unter Brokern schon lange, dass es die Rausing-Familie war, die da vor mehr als zehn Jahren begann, eine Position bei Comet aufzubauen.

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