Die Welt hat aufgehört zu reisen. Die Schweiz geht nicht mehr aus, feiert keine Events mehr und pendelt zu einem grossen Teil nur noch zwischen Homeoffice und Herd. Was dies für grosse Schweizer Unternehmen bedeutet, lässt sich Tag für Tag an Börsenkurven und Schlagzeilen ablesen. Und zeigt doch nur gerade 1 Prozent der wirtschaftlichen Realität.

Die anderen 99 Prozent spielen sich in einem Bereich ab, der weit weniger im Rampenlicht steht. Auch wenn er es verdient hätte. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Firmen mit weniger als 250 Angestellten, sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie bilden mehr als 99 Prozent der hiesigen Unternehmen und stellen zwei Drittel der Arbeitsplätze im Land.

Im Reich jenseits von Nestlé und Novartis leiden jetzt viele. Weil ihnen Märkte und Liquidität wegbrechen, weil sie abgeschnitten sind von Lieferketten. Oder weil jene Unternehmen, die sie beliefern, selber im Krisenmodus navigieren. Noch verfallen die Hotelière und die Metallbauchefin, der Metzger und der Liftbauer nicht in Panik.

Doch mit jeder Lockdown-Woche wird es härter für sie. Und die Entrepreneurs, gestählt durch den Euro-Schock und geübt im Antizipieren, ahnen: Selbst wenn sich die Dinge im Laufe der nächsten Monate stabilisieren sollten, werden die Folgen noch weit über den Sommer hinaus reichen.

Reicht die Hilfe?

Was der Bundesrat an Hilfspaketen aufgegleist hat, kommt an bei den KMU-Lenkern. Jetzt aber steigt die Spannung: Wie wird in der Realität funktionieren, was die Regierung in Bern auf den Weg gebracht hat? Erreicht die versprochene Hilfe die richtigen? Und, vor allem: Reicht sie?

In den kommenden Wochen begleitet die «Handelszeitung» in einer Serie acht Schweizer KMU. Unternehmerinnen und Unternehmer berichten, was die Krise konkret für ihre Firmen bedeutet, wie sie mit der Flaute umgehen und was sie im Umgang mit Staat und Banken erleben. Acht Schweizer KMU auf ihrem härtesten Businesstrip aller Zeiten – die «Handelszeitung» reist mit.

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«Wir merken die absolute Schockstarre»

Diana Gutjahr, Ernst Fischer AG, romanshorn TG

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Quelle: Samuel Truempy

▶︎ Das Unternehmen: Gegründet 1911, produziert die Ernst Fischer AG in Romanshorn TG Stahl und Metallbaukonstruktionen für Industrie gebäude, Tankstellenshops, Stadien, Autowasch- und Hafenanlagen. Die Produkte sind grossteils Einzelanfertigungen. Mit achtzig Mitarbeitenden setzt der von der Familie Gutjahr übernommene und in zweiter Generation geführte Betrieb gut 20 Millionen Franken pro Jahr um.

▶︎ Umgang mit der Krise: Eine Woche nach Inkrafttreten der Bestimmungen des Bundes gegen das Coronavirus rechnet Mitinhaberin und Geschäftsleiterin Diana Gutjahr mit harten Konsequenzen: «Wir merken die absolute Schockstarre; es gibt wenig Telefonate, die Folgen werden uns zeitversetzt treffen.» Wenn Investitionen von den Kunden gestoppt werden, werde die Firma in spätestens wenigen Monaten davon betroffen sein. «Derzeit wenden wir keine Kurzarbeit an, aber wir haben bereits die Möglichkeit in Betracht gezogen», sagt Gutjahr. Und das, obwohl ihr Vater in über vierzig Jahren Betriebsführung noch nie eine Stunde kurzgearbeitet habe. Insbesondere wenn Baustellen geschlossen würden wie im Tessin, müsste die Firma handeln. Derzeit werde an laufenden Aufträgen gearbeitet. Für die SVP-Nationalrätin Gutjahr beunruhigend ist die Rechtslage, unter welchen Bedingungen Unternehmen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben. Sollten sich Zwangsschliessungen von Betrieben durch die Kantone etwa als rechtswidrig erweisen, hätten Unternehmen auch keinen Anspruch auf diese. «Die Infos vom Bund sind klar, der Vollzug der Massnahmen nicht ganz.» Auch geht Gutjahr davon aus, dass viele gestandene Unternehmen so lange wie möglich vermeiden werden, sich Kredit zu beschaffen. «Keiner will offiziell zugeben, dass er womöglich nicht über ein ausreichendes Finanzpolster verfügt.» (fib)

«Der Juni und die weiteren Sommermonate sind verloren»

Sigi Gübeli, Hotel und Bar Platzhirsch, Zürich

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Quelle: Sophie Stieger

▶︎ Das Unternehmen: Das Zürcher Boutiquehotel Platzhirsch (23 Zimmer) und die Platzhirsch-Bar werden seit zehn Jahren von Sigi Gübeli geführt. Die sechs Mitarbeitenden sind in Kurzarbeit. Das Hotel lebt von Gästen aus der Schweiz, den USA und Deutschland.

▶︎ Umgang mit der Krise: Es ist nicht alles nur pechschwarz in diesen dunklen Tagen: «Die aktuelle Krise hat auch ihr Gutes», sagt Sigi Gübeli, «sehr viel Solidarität wird spürbar.» Etwa am letzten offenen Abend in der Bar, am 16. März, «als sich befreundete Gastronomen und Stammgäste von der Platzhirsch-Bar verabschiedeten». Wohl auch deshalb so innig, weil niemand wusste, wann es zum Wieder sehen kommt. Was zum grundlegenden Problem führt: «Das riesige Vakuum» beschäftigt Gübeli am stärksten. Und wenn die «Platzhirsch»-Chefin nach vorne schaut, sieht es nicht viel besser aus. «Selbst wenn sich die Situation per Mitte Mai beruhigen sollte, sind der Juni und die weiteren Sommermonate verloren.» Sommers lebe man stark von US-amerikanischen Touristen, «bis diese wieder Vertrauen fassen, wird es länger dauern». Aktuell bleibt das Hotel noch offen. In der Regel ist es im März zu 60 Prozent belegt; der aktuelle Wert lautet: «Zero.» Zum Glück habe man eine Epidemie-Versicherung, zudem habe der Vermieter Entgegenkommen signalisiert. Fazit: «So trifft uns die Krise bisher nicht existenziell.» Was in Bern bis jetzt auf den Weg gebracht wurde, löst bei Gübeli gemischte Gefühle aus. Einerseits klinge die angekündigte Soforthilfe mittels verbürgter Corona-Überbrückungskredite «gut und unkompliziert». Aber: «Bisher vermisse ich eine Bedienungsanleitung, die zeigt, wie und aufgrund welcher Dokumente der Geldbezug am Bankschalter genau funktionieren soll.» (ag)

«Es brennt an allen Ecken»

Peter Fischer, Fischer Reinach AG, Reinach AG

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Quelle: Kostas Maros

▶︎ Das Unternehmen: Den Reinacher Familienbetrieb (AG) in sechster Generation gibt es seit 1842. Stanzen, Biegen und Kaltumformen für die weltweiten Beschläge-, Elektro- und Automobilindustrie: Das sind die Spezialitäten des Unternehmens mit 200 Mitarbeitenden in der Schweiz und einem Gruppenumsatz von 85 Millionen Franken.


▶︎ Umgang mit der Krise: Für Firmenchef Peter Fischer ist es derzeit «schwierig, den Betrieb aufrechtzuerhalten». Die grösste Sorge bereite ihm die Gesundheit der Mitarbeiter: «Ein grosser Teil fällt aus, weil viele entweder einer Risikogruppe angehören oder in Quarantäne sind.» Fischer Reinach ist ein produzierender Industriebetrieb, Homeoffice sei daher nicht so einfach umzusetzen wie in einem Dienstleistungs betrieb. Auch von aussen bekommt Fischer die aktuelle Krise zu spüren. Sein grösster Kunde, der Vorarlberger Beschlägekonzern Julius Blum, hat die Produktion dramatisch heruntergefahren. «Bis zuletzt haben wir fast täglich dorthin geliefert.» Jetzt werden Bestellungen fürs Erste um mindestens 14 Tage verschoben. Lieferungen an die Automobilindustrie machen einen Drittel der Fischer-Gruppe aus. «Hier haben wir einen Komplettabsturz erlebt.» All das, obwohl Fischers Unternehmen lieferfähig wäre. «Es brennt an allen Ecken.» Der Patron wird bereits in den nächsten Tagen Kurzarbeit beantragen und verlässt sich derweil auch auf die Banken, die bisher «firmenfreundlich agiert und aus der letzten Finanzkrise gelernt haben dürften». Was Fischer stört: «Einzelne Kantone preschen mit Weisungen vor und werden vom Bund zurückgepfiffen. Das ist Gift für unsere Unternehmensführungen, die planen müssen.» Es müsse klar sein, an wen man sich unter welchen Umständen wenden müsste. «Das muss der Bund noch in den Griff bekommen.» (fib)

«Alle sind mit Covid-19 beschäftigt»

Nicolas Durand, CEO Abionic SA, Epalinges VD

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Quelle: Sebastien Agnetti

▶︎ Das Unternehmen: Abionic ist ein Spin-off der ETH Lausanne mit 52 Mitarbeitenden. Das Startup, das illustre Persönlichkeiten wie Peter Brabeck (Ex-VRP bei Nestlé), Arkady Volozh (Gründer und CEO von Yandex) und Bracken Darrell (CEO von Logitech) zu seinen Investoren zählt, hat ein Testverfahren entwickelt, das mit Nanotechnologie funktioniert und deshalb viel schneller ist als herkömmliche Bluttests. Erstes Spielfeld ist die Blutvergiftung, eine Diagnose, die jährlich weltweit Millionen Menschen das Leben kostet und bei der jede Minute zählt. Das Unternehmen stand mitten in der Lancierung der rund 6000 Franken teuren Geräte in den Spitälern, als die Covid-19-Krise die Schweiz erreichte. «Die Krise kommt für uns zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt», sagt CEO und Gründer Nicolas Durand. «Das ganze medizinische Personal ist zurzeit mit Covid-19 beschäftigt.»

▶︎ Umgang mit der Krise: Nicolas Durand setzt auf die Strategie Flucht nach vorn. Der Jungunternehmer mit einem PhD in Philosophie und einem Master of Science in Microengineering hat ein Projekt mit Ärzten des Genfer Universitätsspitals (HUG) angestossen. Ziel ist, zu schauen, ob die Tests von Abionic bei der Triage von Covid-19-Patienten eine Rolle spielen kann. Denn: Viele der Patientinnen und Patienten, die intubiert werden müssten, entwickelten auch eine Sepsis, sagt Nicolas Durand. «Unser Test soll den Ärztinnen und Ärzten helfen, die Überlebenswahrscheinlichkeit besser beurteilen und Patienten mit hohen Risiken identifizieren zu können». Ziel sei, die Geräte auf diesem Weg auf den Markt zu bringen. Voraussetzung dafür ist, dass das Unternehmen von den Bundeshilfen profitieren kann, die nun angestossen wurden. «Wenn wir die Produktion hochfahren und einen Covid-19-spezifischen Fünf-Minuten-Test entwickeln wollen, dann brauchen wir einen Kredit». (rai)

«Uns trifft die Krise brutal»

Felix Meier, Brauerei Müller AG, Baden AG

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Quelle: Lukas Maeder

▶︎ Das Unternehmen: Seit mehr als 120 Jahren braut Müller im aargauischen Baden Bier und gehört als typischer Vertreter der Regionalbrauereien gerade noch zu den zehn grössten Schweizer Bierproduzenten. Müller beschäftigt 50 Angestellte, verteilt auf 46 Vollzeitstellen.

▶︎ Umgang mit der Krise: «Uns trifft die Krise brutal», sagt Geschäftsführer Felix Meier. Verglichen mit anderen Brauereien sei die Regionalbrauerei überdurchschnittlich stark von der Schliessung der Bars und Restaurants betroffen. «Zwei Drittel des Umsatzes machen wir mit der Gastronomie. Das ist komplett weggefallen.» Die Bestellungen bleiben aus. Ob man sogar Bier zurücknehmen müsse, kläre man derzeit ab, so Meier. «Aber ein Anspruch darauf besteht nicht.» Meier hat bereits Kurzarbeit angemeldet, nachdem die ersten Einschränkungen für die Gastronomie bekannt wurden. «Ich sah das kommen.» Nun fährt er die Produktion runter und richtet sich ganz auf den Detailhandel aus. «Bier füllen wir nur noch in Einweggebinde wie Flaschen und Dosen ab. Dort spüren wir sogar ein leichtes Plus, aber das ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein.» Sorgen macht sich Meier um jenes Bier, das schon in Flaschen und Fässer für die Gastronomie abgefüllt ist – und das wohl abläuft, wenn die Krise zu lange dauert. «Was noch in unseren Tanks ist, können wir hingegen noch etwas länger lagern.» Meier hat auf die Schnelle einen Online-Shop eingerichtet, um Kunden direkt nach Hause zu beliefern. Auf diesem Weg kann er Mitarbeitende der Spedition beschäftigen, die nichts mehr zu tun haben, und gleichzeitig die Konsumentinnen und Konsumenten bei der Stange halten. «Die ersten Reaktionen sind gut», sagt Meier. «Doch wie viel Umsatz das bringt, weiss ich noch nicht.» (hec)

«Wir verlieren 80 bis 90 Prozent des Umsatzes»

Karl Eiche, Eiche Metzgerei, Basel

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Quelle: Roland Schmid

▶︎ Das Unternehmen: Die 1904 gegründete Metzgerei beliefert vor allem die Gastronomie und andere Grossabnehmer in der Region Basel. Sie beschäftigt vierzig eigene Mitarbeitende und fünfzig Freelancer, die normalerweise an Events und Marktständen eingesetzt werden.


▶︎ Umgang mit der Krise: «Seit fünfzig Jahren arbeite ich für unseren Familienbetrieb», sagt Karl Eiche. «Aber so etwas habe ich noch nie erlebt.» Dem Chef der gleichnamigen Metzgerei ist fast der ganze Umsatz weggebrochen. «Wir verlieren etwa 80 bis 90 Prozent.» Eiche ist auf Grosskunden ausgerichtet: 60 Prozent macht er mit Restaurants und anderen En-gros-Abnehmern, 20 Prozent an Events und im Partyservice. «Da läuft praktisch nichts mehr.» Einen eigenen Laden hat er nicht, nur einen Verkaufsstand auf dem Basler Markt. «Und der wurde geschlossen, obwohl laut Bundesverordnung Stände eigentlich möglich wären.» Mit der Kantonsverwaltung verhandelt Eiche nun über einen neuen Standplatz. Schon vor dem nationalen Lockdown musste Eiche grosse Verluste hinnehmen. An der Basler Fasnacht beliefert er normalerweise zahlreiche Stände und Restaurants. Doch die Fasnacht fand nicht statt. Der Umsatzverlust gehe in Richtung einer halben Million Franken, so Eiche. Für den Betrieb hat er Kurzarbeit angemeldet. Was das für die freien Mit arbeitenden heisst, könne er jedoch noch nicht sagen. Letzte Hoffnung ist eine Betriebsausfallversicherung, die eigentlich den Schaden übernehmen sollte. «Auf meine Anfrage hiess es jedoch, mein Fall sei nicht gedeckt.» Ob Eiche die Prämien vergebens bezahlt hat, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. (hec)

«Ein Restgefühl von Normalität»

Bernhard Emch (CEO, links im Bild) und Hansjürg Emch (VRP), Emch Aufzüge AG, Bern

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Quelle: Merlin Photography

▶︎ Das Unternehmen: Emch Aufzüge, gegründet 1880 in Bern, ist im Liftbau tätig und verfügt über 200 Angestellte. An der Spitze stehen Bernhard Emch und Hansjürg Emch (VRP).

▶︎ Umgang mit der Krise: Der erste Gedanke zu Krisenbeginn galt Menschen, die in einem Lift stecken bleiben könnten. «Auch im schlimmsten Szenario mit Sperrzonen und Quarantäne müssten unsere Serviceleute diese Menschen aus Liften mit Störungen befreien können», sagt Hansjürg Emch. Er ist VR-Präsident bei Emch Aufzüge, sein Bruder Bernhard der Geschäftsführer. Teams aus Freiwilligen hätten sie daraufhin zusammengestellt und bei den Behörden darauf hingewirkt, Zugang zu allfälligen Sperrzonen zu erhalten. Und klar: Auch beim Familienunternehmen in vierter Generation gilt Homeoffice für viele Konstrukteure hinter dem Computer – und auf der Montage regieren schärfere Regeln. Dennoch: «Arbeiten gibt einem ein Restgefühl von Normalität», sagt Emch. Sein Eindruck: Das gehe den meisten in der Belegschaft so. Im Moment gebe es auch noch genug zu tun. Letzte Woche kam ein grösserer Auftrag rein und solange die Baustellen offen sind, können die Monteure die Lifte installieren. Man sei froh, dass der Bund das Heft in die Hand genommen habe. Direkt im Kontakt mit den Behörden war die Firma bisher nicht. Aber dank Werkzeugen wie Kurzarbeit, die man bisher noch gar nicht genutzt hat, schaut das Unternehmen vorderhand zuversichtlich nach vorne: «Wir haben stets eine konservative Finanzpolitik betrieben. Das Überleben hatte schon immer höchste Priorität», so Emch. (mba)

«Die Krise wird sich weiter ins Jahr hineinziehen»

Andreas Kümin, Mc Paperland, Tuggen SZ

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Quelle: Rita Palanikumar

▶︎ Das Unternehmen: Die Papeteriekette Mc Paperland wurde im April 1995 gegründet, per Übernahme von drei Schweizer Mc-Paper-&-Co-Läden des deutschen Büromaterialherstellers Herlitz. Seither erweiterte Mc-Paperland-Inhaber Andreas Kümin stark. Das Unternehmen mit Sitz in Tuggen SZ hat schweizweit 25 Filialen und 220 Angestellte. Bis auf wenige Mitarbeitende in der Zentrale sind aktuell alle Angestellten in Kurzarbeit.


▶︎ Umgang mit der Krise: Das grösste aktuelle Problem, sagt Kümin, sei die Ungewissheit: «Geplant war, in diesem Jahr grosse und nötige interne Projekte wie Filialenumbau und Digitalisierungsprozess weiterzuentwickeln. Da die Finanzierung nun nicht mehr gesichert ist, liegen diese jetzt auf Eis.» Etwas anderes ist ganz vom Tisch: «Ab dem 1. April wäre die grosse 25-Jahr-Jubiläumsfeier für unsere Mitarbeitenden und Kunden geplant gewesen. Das alles fällt nun flach.» Die 25 Läden sind aktuell geschlossen. Selbst wenn sie gegen Mitte Jahr wieder geöffnet werden können, verheisst die nahe und mittlere Zukunft nichts Gutes: «Die Oster-Artikel haben wir schon wieder eingelagert. Und selbst wenn wir unsere Läden im Juni wieder öffnen können, verpassen wir das grosse saisonale Geschäft mit dem Schulanfang.» Der Grund: «Weil die Lieferketten unterbrochen sind; unsere Lieferanten in Fernost werden auf diesen Termin nicht liefern können. Die Krise wird sich also weiter ins Jahr hineinziehen.» Kümin überstand in den letzten 25 Jahren einige Krisen, am happigsten seien die Euro-Schocks von 2011 und 2015 gewesen. «Doch die aktuelle Corona-Sache ist mehr, es ist der totale GAU.» Die angekündigten Unterstützungsmassnahmen des Bundesrates findet Kümin «richtig und überlebenswichtig – wenn sie denn auch funktionieren». (ag)