Die Kaderlöhne in der Schweiz wachsen auch in diesem Jahr nur minimal. Über die verschiedenen Managementebenen hinweg sind nur knapp 1 Prozent mehr Lohn im Vergleich zu 2019 drin. Ein erfahrener Finanzchef springt aber immer noch locker über 230'000 Franken pro Jahr. Auch ein erfahrener IT-Chef erreicht 225'000 Franken. Ebenfalls über die 200'000-Franken-Schwelle schaffen es unter anderen der Leiter Revision, der Marketingchef oder der Leiter Recht.

Auch bei jenen, die zum ersten Mal eine Führungsrolle übernehmen, liegt einiges drin. So kann ein Leiter Revision ohne viel Erfahrung 162'000 Franken verdienen, ein Leiter Unternehmensplanung 150'000 und ein Leiter Marktforschung, immer auf dem untersten Management-Level, 151'000 Franken.

Zugang zu den Studiendaten

Die «Kadersalärstudie Schweiz 2020» ist ein Projekt der Unternehmensberatungsfirma Kienbaum Consultants International und der «Handelszeitung». Sie liegt in der 38. Ausgabe vor. Die Studie kostet 2100 Franken. Als Alternative dazu bietet das Compensation Portal Compact Schweiz ein Online-Tool, mit dem Nutzer Marktdatenanalysen über ihren eigenen Firmen-Account erstellen können und Zugriff zu allen untersuchten Funktionen haben (inklusive der Daten aus der Salärstudie «Spezialisten und Fachkräfte»). Der Preis beträgt 4700 Franken. Studienteilnehmer erhalten einen Rabatt.

Die Corona-Krise dürfte die Schweizer Kaderlöhne aber gleich auf mehreren Ebenen an­greifen: «Gerade im Topmanagement steigt zumindest kurzfristig der Druck auf die variable Ver­gütung, da diese häufig einen vergleichsweise hohen Anteil an der Gesamtvergütung ausmacht und typischerweise an den Geschäftserfolg des Unternehmens gekoppelt ist», erklärt Jörg Scholten, Director bei der Beratungsfirma Kienbaum, die zusammen mit der «Handelszeitung» die ­Kaderlöhne analysiert hat.

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«Zudem sind viele Manager in dieser aussergewöhnlichen Zeiten bereit, einen Beitrag zu leisten, und verzichten aus Solidarität und Loyalität zu ihren Arbeit­gebern freiwillig auf einen Teil ihrer Vergütung – zum Teil auch auf Salär», so Scholten.

Nullrunde erwartet

Und wenn es nicht freiwillig geht, hat der Verwaltungsrat übrigens teilweise auch das Recht, die variable Vergütung bei Sondereffekten anzupassen. Durch diese sogenannte Ventilklausel können Bonuszahlungen durchaus reduziert oder gestrichen werden.

Sicher ist: Wer in den letzten Jahren seinen Lohn noch nach oben ­getrieben hat, hat alles richtig gemacht. 2020 könnte nämlich zum ersten Mal seit der Aufzeichnung der Kaderlöhne eine Nullrunde blühen.

Eine effektive Kostenreduktion stelle eine der grössten und wichtigsten Herausforderungen in der Krise dar, so Scholten. Das geht nur, wenn an den Löhnen geschraubt wird. Immerhin ist nicht in allen Branchen Depression angesagt: «Im Bereich der Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie zeigt sich weiterhin ein positiver Trend in der Lohnentwicklung», so Scholten.

Dagegen seien im produzierenden Bereich eher kon­stante bis leicht negative Lohnentwicklungen zu beobachten. «Von den Folgen der Pandemie sind insbesondere Dienstleistungsunternehmen, Gastronomie und Tourismus sowie der Transportsektor betroffen, was sich in zukünftigen Vergütungsmassnahmen voraussichtlich widerspiegeln wird», so der Salärexperte.

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Am meisten verdient wird übrigens immer noch in Zürich, gefolgt von Basel-Stadt, der ­Zentralschweiz und der Genferseeregion. Am geringsten sind die Managerlöhne im Tessin, in der Ostschweiz und im Wallis. Im Mittelfeld ­bewegen sich die Kantone Bern, Aargau und ­Solothurn.

Hören Sie im Podcast «HZ Insights»: Kadersaläre: Wer verdient wie viel?