In Basel organisierte sich MCH neu, in Bern übernahm Swissôtel den Kursaal und in Zürich eröffneten Kongresshaus und Circle. Wie wehren Sie sich als Kleinanbieter?
Die genannten Häuser spielen in einer anderen Liga und sprechen andere Klientelen an; wir sehen uns nicht in direkter Konkurrenz. Wir sind regional stark verankert und unsere Gastgeberinnen und Gastgeber bieten nicht nur ihren persönlichen Service an, sondern auch kurze und schnelle Entscheidungswege.

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Aber mit der Pandemie ist der Konkurrenzkampf noch dynamischer geworden. Die grossen Anbieter verlieren Stammkunden und akquirieren deshalb auch kleinere Aufträge.
Auch wir pflegen unsere Wiederholungskunden und punkten dabei, neben dem persönlichen Einsatz unserer Geschäftsführenden an den regionalen Standorten unserer Mitglieder. Ich denke da beispielsweise an die Innerschweiz oder die Region Bodensee. Zudem tauschen wir unsere Erfahrungen und Entwicklungen intensiv aus, auch was das richtige Verhalten während der Corona-Krise betrifft.

Der Botschafter

Reto Konrad
Quelle: ZVG

Reto Konrad (47) ist der Leiter der Geschäftsstelle von Q12. Die Vereinigung von kleinen und mittleren Kongress- und Kulturhäusern hat sich 2016 formiert; mittlerweile gibt es zwölf Mitglieder unter anderem das Kultur- und Kongresszentrum Thun, das Theater Casino Zug oder das Würth Haus in Rorschach. Der Verein verfolgt das Ziel, das MICE-Geschäft und den Kulturbereich zugunsten seiner Mitglieder zu stärken. 

Konrad ist Tourismusfachmann HF. Bevor er Leiter der Geschäftsstelle von Q12 wurde war er Verkaufs- und Marketingleiter beim Hotel Eden Spiez, CEO vom Kultur- und Kongresszentrum Thun und Sales Manager im Hotel Einstein in St. Gallen.

Sie erwähnen immer wieder Qualität – auf was basiert dieses Versprechen?
Der ursprüngliche Zweck unserer Vereinigung war der regelmässige Erfahrungsaustausch. In der Zwischenzeit haben wir jedoch entdeckt, dass wir durch den gemeinsamen Auftritt den Bekanntheitsgrad der Vereinigung steigern können. Damit das aber glaubwürdig ist, müssen wir die Karte Qualität intensiv spielen. Q12 muss innerhalb der Branche als Qualitätslabel erkannt werden.

Können Sie Ihr Qualitätsversprechen auch beweisen?
Zuerst ging es darum, dass wir als Gruppe ein einheitliches Verständnis hinsichtlich Qualitätsstandards bei Angebot und Serviceleistungen besitzen; das musste ausdiskutiert werden. Jetzt, in der Pandemie, waren wir alle gefordert, aber wir nutzten diese Zeit, um in Arbeitsgruppen spezifische Schutzkonzepte für alle Q12-Mitglieder zu erarbeiten. Dabei wurden die individuellen Gegebenheiten jedes Mitglieds berücksichtigt, sodass diese sich an die lokalen oder regionalen Umstände anpassen können. Gemeinsam ist, dass alle zwölf Häuser mit dem Label «Clean & Safe» für Meetings der Schweizer Tourismusverbände zertifiziert sind.

Spielt da Nachhaltigkeit auch eine Rolle, beispielsweise beim Thema Food Waste?
Das muss es, nicht nur Kunden fordern dies heute. Unser Label steht für verlässliche und verantwortungsvolle Partner, die ressourcenschonend und sozial verantwortlich handeln. Das ist auch unser Versprechen an die Endkunden und deren Gäste.

Die Besitzverhältnisse Ihrer Mitglieder sind unterschiedlich; wie kann man gemeinsame Interessen tatsächlich verfolgen?
In der Tat: Die Hälfte der Q12-Mitglieder sind Vertreterinnen und Vertreter von politischen Institutionen. Die andere Hälfte vertritt wirtschaftliche Interessengruppen in Form von Betriebsgesellschaften, Stiftungen oder Vereinen. Unsere Aufnahmekriterien besagen einfach, dass ein Mitglied in einem eigenständigen Kongress- und Kulturzentrum arbeiten muss und dabei keine externen Profitcenter, beispielsweise ein Hotel oder ein Hallenbad, führen darf. Somit fokussieren wir alle auf das gleiche Geschäft und unsere Heterogenität befruchtet uns gegenseitig.

Aber Ihre Mitglieder könnten sich dennoch untereinander konkurrenzieren?
Letztlich sind wir in der Deutschschweiz sehr gut verteilt und berühren uns bei der direkten Marktbearbeitung wenig. Aber unsere Arbeit ist gleich, wir avisieren ähnliche Zielgruppen und wir haben die gleichen Herausforderungen bei der Offerte, bei der Planung und bei der Durchführung von Veranstaltungen. Gerade die Pandemie mit den sich laufend ändernden Vorgaben und Verordnungen des Bundes und der Kantone zeigt auf, wie wichtig und wertvoll der Austausch untereinander ist.

«Die regionalen Kongresshäuser sind Wirtschaftstreiber.»

Reto Konrad

Da würde es sich doch aufdrängen, auch Mitglieder aus der Westschweiz und dem Tessin aufzunehmen?
Der Verein ist generisch gewachsen und die Entwicklung folgte den Kontakten, die wir untereinander bereits hatten. Interessant ist trotzdem, dass wir vor fünf Jahren bei entsprechenden Recherchen in der lateinischen Schweiz keinen passenden Partner fanden. Dahinter steckt aber keine politische Motivation, es hat sich einfach noch nicht ergeben. Wir stehen derzeit im Gespräch mit Interessenten aus der Romandie.

Wie bearbeiten Sie den Markt – suchen Sie auch das Geschäft im nahen Ausland?
Unsere gemeinsamen Zielgruppen sind klar die Chefsekretäre und -sekretärinnen, die Marketing-Verantwortlichen und die Organisatoren von Seminaren und Tagungen von 20 bis 250 Personen. Gleichzeitig sprechen wir auch Kulturschaffende an, die unterschiedlichste Veranstaltungen und Plattformen für bis zu 1000 Personen durchführen. Dabei konzentrieren wir uns auf den Schweizer Markt.

Über was für ein gemeinsames Werbebudget können Sie verfügen?
Die Vereinigung finanziert sich mittels eines Mitgliederbeitrages sowie projektbezogener Marketingbeiträge. Seit diesem Jahr bin ich als «Q12-Botschafter» angestellt, um die Marktbearbeitung zu professionalisieren. Dazu leistet jedes Mitglied einen jährlichen Fixbeitrag in marktüblicher Höhe.

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Wie haben Sie die Perioden des Lockdowns genutzt?
Erstens haben mehrere Häuser die eventlose Zeit dazu genutzt, entweder zu renovieren oder technisch aufzurüsten. Das half mit, beispielsweise bei Gemeindemitarbeitenden, diese nicht in die Kurzarbeit schicken zu müssen. Dann haben unsere Mitglieder in der Innerschweiz ihre Seminarräume erneuert. Und in Aarau, Pratteln, Rorschach und Winterthur wurden digitale Räume für hybride oder rein digitale Veranstaltungen realisiert; vom Studio bis hin zum grossen Auditorium.

Die Pandemie spielte da im doppelten Sinne mit?
Genau, die Tiefgarage des KK Thun wurde zum Impfzentrum umfunktioniert. Andere nutzten die Zeit, um ihre Verkaufsunterlagen zu verbessern oder um neue Aktivitäten aufzugleisen. Das Würth Haus in Rorschach realisierte am Bodensee ein Sommercafé und das Kulturzentrum Braui in Hochdorf rüstete sich mit dem Bau von zehn Kleinstchalets für die Vorweihnachtszeit aus; dort wird man dann herrliche Raclette- und Fondue-Abende erleben dürfen.

Als Wirtschaftsblatt interessiert uns natürlich auch Ihre Performance?
Eine Gesamtaussage ist nicht möglich, auch weil drei unserer Mitglieder erst kürzlich zu uns gestossen sind. Es gibt also keine Zahlen von uns, aber wir halten mit Überzeugung fest: Auch die regionalen Kultur- und Kongresshäuser sind Wirtschaftstreiber, die Arbeitsplätze auch in Randregionen sichern und Wertschöpfung bringen. Gerne verweise ich hier auf die Dissertation von Monika Bandi von der Universität Bern mit dem Titel «Kultur- und Kongresszentren: Angebotscluster und ihre tourismus- und regionalökonomische  Bedeutung».

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