Es musste schnell ge­hen. In vielen Firmen wur­de die Homeoffice-­Re­ge­lung während des ­Corona-Lockdowns innert Tagen und Stunden aufgegleist. Immer wieder kam es dabei vor, dass Geräte nicht aus den Büros entfernt werden konnten und Mitarbeitende dadurch gezwungen waren, mit ihren privaten Laptops, ­Tablets oder Cams einzuspringen.

Der Nebeneffekt: Während der Homeoffice-Tage werden Privatgeräte viel mehr genutzt und laufen oft bis zu zehn Stunden am Tag un­unterbrochen. Muss sich der Arbeitgeber an dieser Abnutzung im Rahmen der Berufstätigkeit beteiligen?

«Falls die Arbeitgeberin eine Weisung erlassen hat, im Home­office zu arbeiten, und dem Arbeitnehmer während der Corona-Krise der Zugang zum regulären Arbeitsplatz verwehrt wird, dann kann ­gestützt auf Art. 327a OR Auslagenersatz geltend gemacht werden», erläutert der renommierte Berner Rechtsanwalt Tobias Herren.

Achtung bei Gefährdeten

Notwendigkeit und Höhe der ­jeweiligen Auslage seien aber vom Arbeitnehmer zu beweisen. Eine gerätetechnische Abnutzung könne nicht direkt geltend gemacht werden, so der Anwalt, es sei denn, es seien Auslagen zu deren Behebung getätigt worden. «Es empfiehlt sich, eine vertragliche Verabredung über eine Pauschale als Auslagenersatz zu treffen», so Herren.

Podcast über die Arbeitswelt in der Corona-Krise

Etwas spezieller ist die Situation für von Corona besonders gefähr­dete Personen: Falls dem Arbeitnehmer zeitlich uneingeschränkt ein Arbeitsplatz in den Räumlichkeiten der Arbeitgeberin zur Ver­fügung gestellt wird, besteht kein Anspruch auf Auslagenersatz. Das heisst, wenn der Mitarbeiter grundsätzlich ins Büro darf und Home­office beispielsweise nur eine Option für ­Mitarbeitende ist.

Falls es sich beim Arbeitnehmer aber zum Beispiel um eine besonders gefährdete ­Person im Sinne der Covid-19-Verordnung 2 handelt und die Arbeitgeberin die Einhaltung der Empfehlungen des Bundes am Arbeitsplatz nicht sicherstellen kann, dann ist bei Arbeit im Homeoffice Auslagenersatz geschuldet.

Arbeitsrechtliches Neuland

Das klingt kompliziert, denn ­arbeitsrechtlich begeben wir uns durch das Massen-Homeoffice durchaus auf Neuland. Auch die Anregungen des Bundesrats spielen hier eine Rolle: «Bei der Nutzung mobiler Geräte bei der Arbeit spricht man von ‹Bring Your Own Device›», so Herren.

Mangels ­einer arbeitsvertrag­lichen Homeoffice-­Regelung schulde die Arbeitgeberin dem Arbeitnehmer gestützt auf Art. 327 OR grundsätzlich eine angemessene Entschä­digung für die zur Ausführung der Arbeit zur Verfügung gestellten ­Geräte.

Angesichts des bundesrät­lichen Aufrufs zum Social Distancing gewinnt aber die Auffassung Aufwind, wonach Arbeitgeberinnen die sonst erforderliche Zustimmung der Arbeitnehmer bei der Anordnung von Homeoffice nicht mehr benötigen, sondern sich auf deren Treuepflicht berufen können.

Demnach trügen auch die Arbeitnehmenden eine Pflicht, ihre Ar­beitgeberin bei Massnahmen zum Gesundheitsschutz zu unterstützen und dabei alles Zumutbare zu tun, um ihre Arbeit auch unter den derzeit besonderen rechtlichen und gesundheitlichen Bedingungen zu leisten, wozu eben auch die Nutzung privater mobiler Geräte zu Hause zählt.

Ob eine Mitarbeiterin überhaupt Privatgeräte bei der Arbeit im Homeoffice nutzen muss, hängt auch davon ab, ob die Firma ein ­Homeoffice-Reglement hat, welches Teil des Arbeitsvertrags ist. In solch einer Regelung müsste festgelegt sein, dass Mitarbeitende verpflichtet sind, ihre privaten mobilen Geräte ohne finanzielle Entschädigung für die Verrichtung von Homeoffice zu nutzen.

So geht Remote Work

► Erreichbarkeit
Seien Sie zuverlässig. Stellen Sie sicher, dass Sie zu den vereinbarten Zeiten erreichbar sind und rasch auf Anfragen reagieren.

► Reaktionszeit
Einigen Sie sich mit Kollegen auf gemeinsame Regeln, zum Beispiel darauf, wann Meetings stattfinden, auf welchen Kommunikationswegen und wie schnell reagiert werden soll. Das hilft, Streit zu vermeiden.

► Sprache 
Wählen Sie eine neutrale Sprache. Wird nur über Text kommuniziert, entstehen schnell Missverständnisse. Formulieren Sie E-Mails und Instant Messages so neutral wie möglich.

Gibt es keine solche Regelung, hat die Arbeitgeberin dem Arbeitnehmer das Material grundsätzlich zur Verfügung zu stellen – was während Corona aber wohl öfters nicht passiert ist. Da wir jedoch in einer absoluten Ausnahmesituation sind, sieht Herren etwas Flexibilität auf beiden Seiten als durchaus angebracht.

Wichtig zudem: Auch wenn der Arbeitnehmer auf seinem Privat­gerät arbeitet, ist er dennoch dafür verantwortlich, wenn er über dieses Gerät der Firma einen Schaden zufügt. Und auch die gesetzlichen Pflichten der Arbeitgeberin wie die Fürsorgepflicht gelten im Home­office weiter. Diese zielt auf den Schutz der physischen und psychischen Gesundheit.

Dass sich eine Chefin bei einem Mitarbeiter im Homeoffice regelmässig meldet und sich nach seinem Wohlbefinden ­erkundet, würden sich wahrscheinlich viele Mitarbeitende wünschen, gehört aber nicht streng ­genommen zum Pflichtenheft – zumindest nicht gesetzlich.

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