Wer aktuell eine Arbeitsstelle sucht, hat es nicht leicht. Denn um einen möglichen Konkurs in der Corona-Krise abzuwenden, herrscht in vielen Unternehmen Kurzarbeit – und auch Einstellungsstopp. Für Jobsuchende ist das keine einfache Ausgangssituation. Denn: Je nach Berufsgruppe ist das Angebot an Stellen im Vergleich zum Februar zum Teil um über die Hälfte geschrumpft. Dies zeigt eine Auswertung der HR-Firma x28, die alle Stellen erfasst, die auf den Websites der Unternehmen und der Personaldienstleister ausgeschrieben sind.

Analysiert wurde das Angebot zwischen den Stichtagen 15.Februar und 11.Mai. Ergebnis: Heute gibt es im Vergleich zum Februar besonders deutlich weniger Journalismus-Jobangebote (minus 55 Prozent), Hotel-Angebote (minus 50 Prozent), Eventmanagement-Stellenangebote (minus 49 Prozent) oder ausgeschrieben Stellen in Tourismus und Gastronomie (jeweils minus 45 Prozent).

Informatiker und Handwerker gesucht

Doch es gibt auch Berufsgruppen, denen die Krise scheinbar nichts anhaben kann. So sind aktuell mehr Software-Testing-Jobs (plus 8 Prozent), Sozialversichungs-Jobs (plus 4 Prozent) und Pflege-Jobs (plus 2 Prozent) ausgeschrieben als noch vor dem Lockdown im Februar.

Anzeige

Und auch Informatiker trotzen der Krise. Zwar sind auch hier die Online-Ausschreibungen zwischen Februar und Mai um 8 Prozent zurückgegangen, jedoch machen die IT-Stellen noch immer einen Grossteil der ausgeschriebenen Positionen aus: Insgesamt 24'813 Informatiker werden hierzulande aktuell gesucht.

Noch begehrter ist nur die Gesamtgruppe der Handwerker: 38'331 offene Stellen akkumuliert die Plattform, 11 Prozent weniger als vor dem Lockdown. Auf Platz 3 folgen Bau-Jobs mit 19'184 vakanten Stellen (minus 9 Prozent).

«Gegenwärtig die grösste Auswahl auf dem Arbeitsmarkt haben neben Handwerker vor allem Informatiker», sagt Projektleiterin Carole Kläy von x28. Mit der Corona-Krise habe das jedoch wenig zu tun, zählten doch die beiden Berufsgruppen auch schon vor der Krise zu den am meist gesuchten. 

Lediglich Anzahl der freien Stellen hat sich geändert

Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man nicht nur die Berufsgruppen, sondern effektiv die einzelnen Berufe betrachtet. «Es hat sich kaum etwas darin verändert, welche Berufe am meisten gesucht sind, sondern wie viele Stellen davon ausgeschrieben werden», sagt Kläy

So sind die Top 3 der meist ausgeschriebenen Jobs seit Jahren:

  1. Pflegefachkraft
  2. Software-Entwickler/in
  3. Elektromonteur/in

«Daran hat auch die aktuelle Krise nichts geändert», sagt die Expertin: «Nur daran, dass nun etwas mehr Pflegefachkräfte gesucht werden und leicht weniger Elektromonteure und Softwareentwickler.»

Jobradar

Die x28 AG publiziert im Vierteljahrestakt den sogenannten Jobradar, einen Bericht zur aktuellen Situation auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Mehr dazu hier.

Es braucht mehr Pflegefachkräfte

Gastro-Berufe wie Koch oder Servicefachangestellte/r sind im Mai hingegen komplett aus den Top 25 der meist-ausgeschriebenen Berufen gefallen. Nachdem alle Gastronomiebetriebe die letzten Wochen schliessen mussten, überrascht dies kaum.

Was jedoch auffällt: Bei Berufen aus dem Gesundheitsbereich wie Pflegefachkraft und Fachangestellte/r Gesundheit sind aktuell mehr Jobs ausgeschrieben als noch vor dem Lockdown im Februar. Alle anderen Berufe unter den 25 meist ausgeschriebenen Berufen verzeichnen hingegen aktuell weniger Jobs als im Februar.

«Dass gesamtheitlich weniger Stellen ausgeschrieben werden, hängt sicherlich mit der unsicheren wirtschaftlichen Lage zusammen», sagt Kläy. «In der aktuellen Situation nimmt möglicherweise auch die Verschiebung vieler Tätigkeiten ins Home-Office und der Unterbruch von Einstellungs- und Onboarding-Prozessen einen Einfluss auf die Anzahl offener Stellen

Anzeige

Hören Sie im Podcast «HZ Insights»: «Wie kurbeln wir die Wirtschaft wieder an?»

Lage hat sich stabilisiert

Die Gesamtanzahl der offenen Stellen war bis Mitte Mai nach wie vor sinkend, wenn auch nicht so drastisch wie zu Beginn der Krise

Beispiel Coop: Der Detailhändler zählt mit insgesamt 1'177 offenen Stellen aktuell die meisten Jobinserate. Im Februar – vor der Corona-Krise – waren es fast doppelt so viele.

Den grössten Rückgang – weil fast alle Stelleninserate zurückgezogen – hat Hilti Liechtenstein: Waren es im Februar noch 107 gewesen, so offerierte der Baugerätehersteller Mitte Mai gerade noch 5 Vakanzen.

Doch für Jobsuchende gibt es einen Lichtblick: Seither hat sich die Lage insgesamt wieder stabilisiert. In den meisten Branchen und für die meisten Berufsgruppen sind wieder mehr Stellen ausgeschrieben oder hat sich das Level gehalten, heisst es.