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Crowdhouse – ein neuer Player gibt Gas

Crowdhouse-Gründer Plantak, Gjeloshi und Bär. ZVG

Die kürzlich gegründete Web-Plattform Crowdhouse will den Schweizer Immobilienmarkt aufmischen. So geht’s.

Von Sven Millischer
am 30.11.2016

Sie sammeln Preise wie andere Briefmarken: Die Crowdhouse-Mitgründer Ardian Gjeloshi und Robert Plantak. Jüngst räumten die Start-Up-Unternehmer mit ihrer Internet-Plattform an den NZZ Real Estate Days gleich in zwei Kategorien ab. Auch die Universität St. Gallen verlieh ihnen vor kurzem einen Banking-IT-Innovation Award. Und schliesslich schaffte es Crowdhouse an den diesjährigen Swiss Fintech Awards in die Top Ten.
So viel Ehre bringt Aufmerksamkeit und lockt Investoren an. Die Internet-Plattform, auf der Miteigentum an Rendite-Immobilien gezeichnet werden kann, ist in aller Munde. Im Sommer beteiligte sich die Luzerner Kantonalbank LUKB am Startup, «um die digitale Transformation des Immobilienmarktes voranzutreiben». Das Investment der Kantonalbank sowie das Engagement von Avaloq-Chef Francisco Fernandez als Verwaltungsrat sind für die Jung-Gründer der geschäftliche Ritterschlag. Es ist der frühe Lohn für eine rasante Erfolgsgeschichte. Knapp ein Jahr nach Lancierung hat Crowdhouse dreizehn Immobilien für rund 70 Millionen Franken Transaktionsvolumen finanziert und zählt bereits 8700 registrierte Mitglieder. 


Ziel ist die Demokratisierung des Immobilienmarktes
Die selbsterkorene «Demokratisierung des Schweizer Immobilienmarktes» kann nicht schnell genug voranschreiten. «Wir sind überzeugt, dass wir mit Hilfe der LUKB das Volumen bis Ende Jahr 2016 auf über 100 Millionen Franken erhöhen können», sagte Crowdhouse-Chef Plantak im Sommer beim Einstieg der Luzerner Banker. Das Ziel wurde offenbar nicht nur erreicht, sondern sogar um 20 Millionen übertroffen. Weil attraktiven Rendite-Objekte nach Jahren des Immobooms dünn gesät sind, hat die Firma über 1000 Objekte unter die Lupe genommen.

Potentielle Investoren
Nun zeigen Recherchen der «Handelszeitung»: Gjeloshi und Plantak haben kürzlich ein Haus über ihre Crowdhouse-Plattform angeboten. Konkret geht es um ein Mehrfamilienhaus an der Hardstrasse 9 in Zürich, das im September auf die Immo-Vermittlungsplattform aufgeschaltet wurde. Anfang November wurde die Liegenschaft erfolgreich finanziert. 18 Miteigentümer haben 3,5 Millionen Franken an Eigenmitteln investiert. In wenigen Tagen soll der Verkaufserlös eingezahlt werden.


Die Renditeliegenschaft im Zürcher Kreis 4 gehört gemäss Grundbuchamt einer Firma namens WIBB. Deren Stammaktien werden von der G&P Real Estate Partners gehalten, die den beiden Crowdhouse-Betreibern Gjeloshi und Plantak gehört. Bis vor kurzem sass bei G&P auch Ruedi Bär im Verwaltungsrat. Der Serienunternehmer (Mobilezone, Interdiscount) amtet als VR auch bei Crowdhouse und gehört zu den Mitgründern.


Für die Hardstrasse 9 fungiert G&P als externe «Managementgesellschaft», wie aus einem offiziellen Emissionsprospekt hervorgeht. Und die G&P wickelte den nun erfolgten Verkauf des Objekts zugunsten der WIBB-Aktionäre ab. Schlussendlich offerierte Crowdhouse «einige Tausend Franken» mehr als alle anderen Interessenten. Im Rahmen dieser Hardstrasse-Transaktion hatten Gjeloshi und Plantak als WIBB-Aktionäre, G&P-Partner und Crowdhouse-Betreiber mehrere Hüte auf.


Dazu sagt Crowdhouse-CEO Robert Plantak: Sämtliche anwendbaren rechtlichen Bestimmungen und betriebsinternen Corporate Governance-Aspekten seien beim Erwerb der Liegenschaft vollumfänglich Rechnung getragen worden. «Gestützt auf die unabhängige Bewertung der externen Schätzer hat Crowdhouse anlässlich einer öffentlichen Ausschreibung der Liegenschaft die höchste Offerte eingereicht und erhielt entsprechend den Zuschlag», schreibt Plantak. Ein Interessenskonflikt könne ausgeschlossen werden. 


Aus dem Crowdhouse-Portfolio
Auf die Frage nach Transparenz über die Eigner der Hardstrasse 9 auf ihrer Crowdhouse-Plattform erklärt Plantak: «Die Offenlegung der Verkäuferschaft ist nicht üblich, wird aber auf Anfrage bekannt gegeben.» Die Projektpräsentationen von Crowdhouse hätten sich bewährt und entsprächen «in jeder Beziehung» den gesetzlichen Vorschriften. Der CEO kündigt an: Es werde in Zukunft «mit grosser Wahrscheinlichkeit» wieder dazu kommen, dass Immobilien aus dem «Crowdhouse-Verwaltungs-Portfolio» wieder an andere Kunden aus dem «Crowdhouse-Öko-System» angeboten werden.Neben einem Maklerhonorar steht Crowdhouse ein Erfolgshonorar für die Verwaltung zu, wenn drei Viertel der Liegenschaft vermietet ist. 
Die WIBB AG als aktuelle Eignerin der Hardstrasse 9 gewährt Einblick in die berufliche Vergangenheit der Crowdhouse-Co-Gründer. So heisst es in den offiziellen Emissionsunterlagen der Firma: «Herr Gjeloshi führte ein Team im Bereich Private Banking und Financial Planning bei der Schweizer Vermögensverwaltung Helvetia Wealth AG. Herr Plantak war ebenfalls bei der Helvetia Wealth AG für die Leitung eines Teams im Corporate-Finance-Bereich zuständig und engagierte sich dort für die Finanzierung der von der Helvetia Wealth AG getätigten Unternehmenskäufe.»


Zu den Angaben in den offiziellen Emissionsunerlagen teilen die Crowdhouse-Gründer der «Handelszeitung» mit: «Entgegen Ihrer Behauptung waren die Herren Gjeloshi und Plantak bei der Helvetia Wealth zu keinem Zeitpunkt angestellt. Die einzige Beziehung bestand darin, dass die beiden Herren deren Infrastruktur für das Financial Planning Geschäft nutzen durften.» Das Auftragsverhältnis sei von Seiten Gjeloshi und Plantak im Jahr 2009 aufgelöst worden. 
 

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