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Musikbusiness
Ed Sheeran verdiente 2017 am meisten auf Spotify

Unangefochtene Nummer Eins - auch auf Spotify: Der britische Musiker Ed Sheeran hat 6,3 Milliarden Streams geschafft. Quelle: Keystone

Der britische Popmusiker Ed Sheeran ist der Streaming-König auf Spotify. Und verdient damit gutes Geld. Im Gegensatz zu den meisten Künstlern.

David Torcasso
Von David Torcasso
05.12.2017

Spotify hat es sich zur Tradition gemacht, Ende Jahr einen musikalischen Rückblick zu veröffentlichen. Auf jedes Land zugeschnitten, wobei sich die Geschmäcker bei Popmusik von Land zu Land auch nicht wesentlich unterscheiden. Deshalb ist es wenig erstaunlich, dass der britische Senkrechtstarter Ed Sheeran auch in der Schweiz der meist gestreamte Künstler des Jahres 2017 ist. Auf den Briten folgen unter den Top-Künstlern in der Schweiz Drake, The Chainsmokers, Imagine Dragons und Coldplay.

Ed Sheeran schlägt mit 6,3 Milliarden Streams weltweit im Jahre 2017 alle Rekorde und stösst damit den Rapper Drake vom Thron, der zwei Jahre in Folge an der Spitze der «Spotify Charts» war und sich nun mit dem zweiten Platz begnügen muss. Die Zahlen sind beeindruckend: 6'300'000'000 Mal hat sich jemand ein Stück des Singer- und Songwriter Ed Sheeran auf Spotify angehört. Auf der Welt leben zurzeit rund 7,5 Milliarden Menschen. 84 Prozent der Menschheit hätte somit rein rechnerisch einen Song des Briten gehört. Aber natürlich ist Spotify nicht auf der ganzen Welt verfügbar. 

Noch immer bringt Streaming für die meisten wenig ein

Damit ist Ed Sheeran aber einer der ganz wenigen Künstler weltweit, der mit dem Streaming-Riese Spotify auch ziemlich gutes Geld verdient hat. Denn bei Streaming-Diensten sind die Margen nach wie vor tief. Die Erträge bewegen sich pro Song zwischen 0,001 und 0,006 Rappen. Bei Spotify muss ein Lied eines Künstlers damit über eine Million Mal angehört werden, damit er über 1200 Franken damit verdienen würde. Laut dem Portal «Information is Beautiful» schaffen dies nur rund 2 Prozent aller auf Spotify vertretenen Künstler.

Mit den über 6 Milliarden Streams weltweit, die von seinem Tophit «Shape of You» (meist gespielter Song auf Spotify in der Schweiz 2017) oder seinem Erfolgsalbum «Divide» entstanden sind, hat Ed Sheeran in diesem Jahr bestenfalls rund 37,5 Millionen Franken auf Spotify verdient. Dazu kommen natürlich die Einnahmen aus Radio, Lizenzen, Konzerten oder Merchandising sowie ein paar Hunderttausende von CD- oder Vinyl-Verkäufen.

Das schafft kaum jemand, geschweige den Künstler aus der Schweiz. Doch wie die Bilanz berichtete, haben sich einige Schweizer Musiker gegen den Streaming-Dienst Spotify gewehrt und keine Lieder darauf angeboten. Spotify hat daraufhin angekündigt, speziell kuratierte Playlists für die Schweiz zu lancieren. 

Hip-Hop is back

Der Jahresrückblick ist aber auch ein Hinweis auf künftige Trends in der Musikbranche. Zwei Genres sind dieses Jahr besonders herausgestochen: Hip Hop und Latin Music. Der globale Anstieg von Hip Hop-Streams von 74 Prozent unterstreicht die grosse Bedeutung des Genres. Die weltweiten Künstler sind neben Sheeran deshalb auch Drake, The Weeknd, Kendrick Lamar und The Chainsmokers.

Bei den weiblichen Stars schaffte es Rihanna wieder auf den ersten Platz, gefolgt von Taylor Swift, Selena Gomez, Ariane Grande und Sia. Die australische Sängerin ist auch bei den Schweizern auf Spotify beliebt und hat es diesmal auf den ersten Platz der meist gestreamten Künstlerinnen hierzulande geschafft. 

Wer fehlt noch? Genau, der Dauer-Ohrenwurm «Despacito» von Luis Fonsi, der mit rund 5 Milliarden Hits nicht nur der meist gespielte Youtube-Video aller Zeiten ist, sondern nach «Shape of you» von Ed Sheeran auch der meist gespielte Song auf Spotify weltweit war - und zwar gleich zweimal. Einmal das Original und einmal zusammen mit Justin Bieber. Doch mit den Milliarden Hits auf YouTube kommen Fonsi und Co. finanziell weniger gut weg als man denkt. Wobei Luis Fonsi auf dem Spotify-Jahresrückblick auch nicht als einer der beliebtester Künstler auftaucht. Das deutet daraufhin, dass Despacito wohl eher ein One-Hit-Wonder war, weil es vor allem um den Track und nicht den Musiker ging. 

Google, Eigentümer von YouTube, zahlt pro abgespieltem Video 0,0018 Dollar an die Plattenfirma aus. Davon gehen nur rund 0,0003 Dollar an den Interpreten des Songs. Ein kleiner Bruchteil. YouTube liegt damit an letzter Stelle bei der Beteiligung von Streaming-Plattformen an den künstlerischen Werken, wie «Information is beautiful» schreibt. 

Mitleid mit den Superstars ist trotzdem nicht angebracht. Ein Ticket für das Konzert von Ed Sheeran im Letzigrund im August kommenden Jahres kostet immerhin 140 Franken. Das Stadion fasst bei einem ausverkauften Konzert rund 50'000 Personen. Das sind schätzungsweise 7 Millionen Franken Einnahmen. Bei einem von Hunderten von Konzerten, die Ed Sheeran nächstes Jahr auf der Welt geben wird. 

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