Der Start der Schweizer Neobank Yapeal verzögert sich. Es zeichnet sich eine Lancierung Anfang 2020 ab. Das System sei durchaus live, sagt Marketing-Chef Andy Waar. Bis Ende Jahr soll es aber noch mit Alphatestern ­geprüft werden. Zudem wartet Yapeal auf die beantragte Lizenz.

Sobald man diese erhalte, werden man den Start planen und kommunizieren. «Gut möglich, dass das im ersten Quartal 2020 sein wird.»


Yapeal soll eine neue Schweizer Retailbank werden. Mit Bedienung übers Handy, Schweizer Lizenz, Community-Elementen und neuen Preismodellen. Es wäre die erste Gründung dieser Art, denn andere Neobanken wie Neon und Zak bauen auf der Infrastruktur bestehender Banken auf.

Unausgesprochene Vorbilder sind Anbieter wie die britische Revolut oder die deutsche N26, die mit Online-Konten in wenigen Jahren weltweit Millionen Kunden ­gewonnen haben.



Onboarding mit Donald-Trump-Video


Waar nennt technische Gründe für die Verzögerungen. Einst habe man geplant, möglichst viele Elemente für die Bankensoftware einzukaufen. «Es hat sich aber ­gezeigt, dass viele Lieferanten unseren ­Ansprüchen nicht gerecht wurden.» Als Beispiel nennt er die Kundenidentifikation, die von der App automatisch durchgeführt wird: Der Ausweis wird gescannt und mit einem Selfie des Kunden abgeglichen.

Bei Tests sei es gelungen, mit einem Youtube-Video, das Donald Trump zeigt, das System zu überlisten und eine Identifika­tion unter dem Namen von Trump erfolgreich durchzuführen, so Waar. «Ein Konto haben wir für ihn aber natürlich nicht eröffnet.» Man habe das Modul dann selber programmiert, sagt Waar. «Die neue Lösung ist so gut, dass wir bereits Anfragen von Dritten haben, die sie übernehmen wollen.»

Yapeal verspricht Echtzeit-Transaktionen

Eines kam für die Yapeal-Gründer nicht infrage: die Identifikation über einen Video-Chat, wie das in der Schweiz praktisch alle Banken bei Online-Kontoeröffnungen machen. «Das hat mit digital wenig zu tun», sagt Waar, der wie viele im Team einst bei der UBS gearbeitet hat. Mittlerweile läuft die «Maschine», erste Kartenzahlungen in Läden wurden ausgeführt. Noch werden die Konten über eine Partnerbank geführt. Doch das ändert sich, sobald die eigene Lizenz vorliegt.

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Nur damit kann Yapeal ­eigene Kontonummern ausgeben.
 Den Kunden verspricht das Fintech Echtzeit-Transaktionen. Ob Überweisungen oder Einkäufe mit Kreditkarte: Alles soll in Sekunden abgerechnet sein. Die Karten wird das Startup selber ausgeben, denn man habe eine eigene Lizenz von Visa, sagt Waar. Damit könne man auch Karten für Drittbanken emittieren. Das machen sonst nur Grossbanken oder ­spezialisierte Karteninstitute.


«Startup ohne Sugar Daddy»

Und wie steht es um die Finanzierung? Fakt ist: Im Frühling war die Kasse ziemlich leer. Dem Protokoll einer Verwaltungsratssitzung vom April, das beim Handelsregister hinterlegt wurde, ist ein «kurzfristiger Kapitalbedarf» von 80 000 Franken zu entnehmen, mit dem die Zeit bis zum Eingang einer Investorenzahlung überbrückt werden musste – und der dann von einem der Gründer eingeschossen wurde. «Das stimmt», bestätigt Waar. Und fügt schmunzelnd an: «Als Startup ohne Sugar Daddy sind solche Überbrückungen manchmal notwendig.»

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Die erste Finanzierungsrunde sei aber erfolgreich abgeschlossen worden. «Nun befinden wir uns in Gesprächen mit möglichen strategischen Investoren für die Seed-B-Runde.» Mit diesen wolle man dann in den Markt eintreten. Wie viel Geld Yapeal bisher über Investoren eingenommen hat, legt das Startup nicht offen. ­Dokumentiert sind unter anderem Investments von Privaten im Umfang von gegen 1 Million Franken sowie eine halbe Mil­lion Franken vom Blockchain-Investor Blufolio. Für den öffentlichen Start benö­tige man insgesamt etwa 3 bis 5 Millionen Franken, sagt Waar.

Geld verdienen könnte Yapeal dereinst auch als Softwareanbieter. Bereits heute gebe es Banken, die daran interessiert ­seien, «auf unserem Töff mitzufahren», sagt Waar.  Wird die Bank Yapeal am Ende bloss der Proof of Concept für White-­Label-Angebote? Da sei noch vieles offen, sagt Waar. Ziel sei auf jeden Fall, erst mal das eigene Produkt zu lancieren. Bis dahin braucht es noch ein paar Testkäufe.